Stärker denn je richtet sich die Aufmerksamkeit der Börsianer in dieser
Woche auf die amerikanischen Shopper. Thanksgiving ist vorbei, der Startschuss
zum Weihnachtsgeschäft gefallen. Doch wie werden sich die amerikanischen
Verbraucher in diesem Jahr verhalten? Werden sie infolge der Terroranschläge ihr Geld beisammen halten oder schlagen sie angesichts
verlockender Schnäppchenpreise jetzt erst recht zu?
Während einige Volkswirte vor Beginn des diesjährigen Weihnachtsgeschäfts den
Teufel an die Wand malten und für den Tag nach Thanksgiving, den traditionell
umsatzstärksten Tag des gesamten Jahres, einen bis zu vierprozentigen Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr prognostizierten, sind die ersten
vorliegenden Zahlen aus dem Einzelhandel durchaus ermutigend.
Demnach stiegen die Same-Store-Sales (Umsatz einzelner Filialen im
Jahresvergleich) nach Angaben von
TeleCheck Services am vergangenen Wochenende amerikaweit
um 2,4 Prozent. Für das gesamte Weihnachtsgeschäft prognostizieren die
Marktforscher ein Plus von zwei Prozent. Und auch die National Retail Federation,
der US-Einzelhandelsverband, sieht der Vorweihnachtszeit gelassen entgegen. Die
Schätzungen belaufen sich hier sogar auf ein Plus von 2,5 Prozent auf 206
Milliarden Dollar. Während die meisten Unternehmen ihre Zahlen erst im laufe der Woche bekannt geben werden, meldete der Einzelhandelsriese Wal-Mart [NYSE: WMT Kurs/Chart ] bereits Freitags-Rekordumsätze von 1,25 Milliarden Dollar.
US-Finanzminister Paul O'Neill äußerte sich am Sonntag gegenüber dem Fernsehsender ABC
ebenfalls zuversichtlich. Seinen Quellen zufolge sei der Umsatz am 23. November
im Jahresvergleich um vier Prozent gestiegen. Dies höre sich für ihn nicht
nach müden Konsumenten an. Die US-Wirtschaft befinde sich kurz vor einer
Erholung.
Wenn auch die Geschäfte voll sind und einige Einkaufscenter zehn Prozent
mehr Publikumsverkehr melden als im Weihnachtsgeschäft 2000, so mahnen doch
viele Experten zur Vorsicht. Für einen Großteil der Menschenmassen seien massive Rabatte verantwortlich, Preisnachlässe um 30 bis 40 Prozent seien keine
Seltenheit.
"Die Discountpreise werden sich in den Unternehmensbilanzen
niederschlagen", sagte Kurt Barnard von Barnard's Retail Trend Report.
"Zweifellos gehen die niedrigen Preise zu Lasten der Gewinne."
Entgehen könne dem niemand in der Branche. Wer nicht mitmache, bleibe auf seinen Produkten sitzen und mache ein ebenso schlechtes Geschäft.
Ganz oben auf den Einkaufslisten stehen in diesem Jahr Merchandisingartikel rund
um Harry Potter sowie die Xbox von Microsoft [Nasdaq: MSFT Kurs/Chart ]. Aber auch Konsumelektronik aller Art findet sich auf den Wunschzetteln wieder. Einige
Nachwehen haben die Terroranschläge allerdings doch: Gesellschaftsspiele und
Artikel, die das Heim verschönern, seien in diesem Jahr ebenfalls unheimlich
gefragt, so Annette Bethers, Senior Marketing Director der Glendale Galleria-Mall
in Los Angeles.
Gruß Kostolmoney