stern.de - 26.10.2007 - 07:51
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Mit Tränen in den Augen kommentierte RWE-Vorstand Johannes Lambertz in vertraulichen Gesprächen das Unglück: "Bis jetzt waren Aussagen wie 'mein Mitgefühl gehört den Angehörigen' immer weit weg." Der Energie-Manager hat keine Erklärung für das Unglück. Immer wieder zeigt er auf das riesige 140 Meter hohe Stahlgerüst, das den "höchsten Sicherheitsstandards entsprochen habe". Wie und warum das 450-Tonnen-Gerüst abstürzte und die zwölf Menschen mit in die Tiefe riss, kann er sich nicht erklären.
Zweites Unglück innerhalb kürzester Zeit
Es ist der zweite tödliche Unfall innerhalb kürzester Zeit. Anfang September stürzte ein 51-jähriger Arbeiter von einer mobilen Hebebühne zehn Meter tief ab und verunglückte tödlich. Zuvor war einem Arbeiter auf einem der 175 Meter hohen Treppentürme, die ins Innere der Kessel führen, der Brustkorb eingedrückt worden. Er überlebte.
Bei dem neuerlichen Unglück ist menschliches Versagen zur Stunde ebenso wenig ausgeschlossen wie Materialfehler. "Wir müssen es aufarbeiten", sagt RWE-Chef Johannes Lambertz. Unklar ist immer noch, ob unter dem abgestürzten Stahlkoloss der vermisste Arbeiter begraben ist. Die Identität der Arbeiter ist hingegen geklärt: Es handelt sich um zwölf Mitarbeiter des Energie- und Transportunternehmens Alstom Deutschland AG mit Sitz in Mannheim sowie des Anlagenbauers Babcock Hitachi. Beide Unternehmen bilden für den Bau der Doppelkraftwerkanlage in Grevenbroich-Neurath eine Arbeitsgemeinschaft. Nähere Angaben zu den Opfern wollte RWE-Vorstand Lambertz zur Stunde nicht machen.