Von Raimund Brichta
Alan Greenspan hat den Börsen ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk beschert. Besonders groß ist die Freude bei den entnervten High-Tech-Fans, von denen viele ihren Aktien bis zum Schluss eisern die Treue hielten. Für sie ist die Zinssenkung auch so etwas wie eine späte Rache. Eine Rache an den Shortys, die sich diesseits und jenseits des Atlantiks gerade dazu anschickten, die Kurse der Wachstumsunternehmen in einer neuen Verkaufsrunde weiter in den Keller zu schicken. Dabei haben sich nun einige von ihnen - auch ein paar Hedge-Fonds - blutige Nasen geholt. Sie mussten offene Positionen hastig schließen. Am Neuen Markt zum Beispiel drehte der Nemax 50 nach der Zinsentscheidung innerhalb der letzten Handelsstunde am Mittwoch von minus 8 Prozent auf plus 4,6 Prozent. Wer sich da als Bär zu früh in den Feierabend verabschiedet hatte, für den gab es später ein böses Erwachen.
Das Zinsgeschenk beweist auch aufs Neue, dass Greenspan bei seinen Entscheidungen mehr als jeder andere Notenbanker der Welt auf die Aktienmärkte schielt. Denn schließlich hat sich in der kurzen Zeit seit der letzten Notenbank-Sitzung in der amerikanischen Wirtschaft fundamental nicht viel geändert. O.k. - nach den Feiertagen kam ein schwacher Einkaufsmanager-Index heraus. Aber rechtfertigt der schon eine Zinssenkung außer der Reihe? Ich meine nein. Das einzige, was sich seit der letzten Sitzung weiter eingetrübt hat, ist die Stimmung an den Aktienmärkten, vor allem an der Nasdaq. Und so ist die Zinssenkung wohl auch als Zeichen dafür zu verstehen, dass Greenspan und seine Leute meinen, die Korrektur an der Nasdaq sei fürs Erste weit genug gegangen. Die Bullen sollen jetzt erst einmal in Ruhe ihre Wunden lecken.
Kampf noch nicht entschieden
Damit ist der Kampf zwischen Bullen und Bären in dieser Baisse aber noch nicht entschieden. Vor allem nicht am Neuen Markt, an dem gerade erst eine wichtige Unterstützung nach unten durchbrochen wurde: der Bereich um 2.600 Punkte im Nemax All Share. Hier lag nach der 4.000er Marke eine zweite wesentliche Auffanglinie, die den Index bei seinem Fall vom 8.000er Gipfel hätte aufhalten können. Hätte! Nach der Zinsentscheidung stellt sich jetzt allerdings die Frage, ob das nur eine Bärenfalle war. Wenn nicht, droht ein weiterer Abstieg bis in die Zone zwischen 1.600 und 1.700 Punkten. Erst hier liegt nämlich die nächste wesentliche Unterstützung, die aus dem Nemax-Tief vom Sommer 1998 resultiert.
Aber egal ob Bärenfalle oder nicht - man darf auf jeden Fall wieder hoffen. Denn selbst wenn der Index nach einer Zwischenerholung weiter abtauchen sollte, wäre das höchstwahrscheinlich der finale Ausverkauf. Erst wenn die letzten Optimisten aus dem Markt gedrückt werden, ist die Zeit reif für eine Wende, heißt es in einer alten Börsenweisheit. Und tatsächlich war die Stimmung in den letzten Monaten einfach noch zu gut. Zu viele Leute glaubten nämlich unverdrossen daran, dass sich der Markt bald wieder deutlich erholen würde: Sommerrally, Herbstrally, Weihnachtsrally, Neujahrsrally - viele Hoffnungen, die sich der Reihe nach in Nichts auflösten. Möglicherweise haben dadurch die letzten Bullen den Glauben an den Markt verloren. Das wäre ein gutes Zeichen.
Interessant wird jetzt sein, wie sich der Markt nach der nun angelaufenen Erholungsphase entwickelt: Fällt der Nemax in der anschließenden Abwärtsbewegung unter den vorangegangenen Tiefststand, bleibt die Baisse noch in voller Blüte und der Fall unter die 2000er Marke ist wahrscheinlich. Stoppt er dagegen über dem letzten Index-Tief, deutet sich damit eine Wende an. Und wenn dann später die Abwärtstrendlinie nach oben durchbrochen wird, hätten auch die Vorsichtigen einen Grund zum Kauf. Warten Sie also noch eine Weile ab, bis Ihr persönliches Kaufsignal kommt - selbst wenn das Warten schwer fällt.
Alan Greenspan hat den Börsen ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk beschert. Besonders groß ist die Freude bei den entnervten High-Tech-Fans, von denen viele ihren Aktien bis zum Schluss eisern die Treue hielten. Für sie ist die Zinssenkung auch so etwas wie eine späte Rache. Eine Rache an den Shortys, die sich diesseits und jenseits des Atlantiks gerade dazu anschickten, die Kurse der Wachstumsunternehmen in einer neuen Verkaufsrunde weiter in den Keller zu schicken. Dabei haben sich nun einige von ihnen - auch ein paar Hedge-Fonds - blutige Nasen geholt. Sie mussten offene Positionen hastig schließen. Am Neuen Markt zum Beispiel drehte der Nemax 50 nach der Zinsentscheidung innerhalb der letzten Handelsstunde am Mittwoch von minus 8 Prozent auf plus 4,6 Prozent. Wer sich da als Bär zu früh in den Feierabend verabschiedet hatte, für den gab es später ein böses Erwachen.
Das Zinsgeschenk beweist auch aufs Neue, dass Greenspan bei seinen Entscheidungen mehr als jeder andere Notenbanker der Welt auf die Aktienmärkte schielt. Denn schließlich hat sich in der kurzen Zeit seit der letzten Notenbank-Sitzung in der amerikanischen Wirtschaft fundamental nicht viel geändert. O.k. - nach den Feiertagen kam ein schwacher Einkaufsmanager-Index heraus. Aber rechtfertigt der schon eine Zinssenkung außer der Reihe? Ich meine nein. Das einzige, was sich seit der letzten Sitzung weiter eingetrübt hat, ist die Stimmung an den Aktienmärkten, vor allem an der Nasdaq. Und so ist die Zinssenkung wohl auch als Zeichen dafür zu verstehen, dass Greenspan und seine Leute meinen, die Korrektur an der Nasdaq sei fürs Erste weit genug gegangen. Die Bullen sollen jetzt erst einmal in Ruhe ihre Wunden lecken.
Kampf noch nicht entschieden
Damit ist der Kampf zwischen Bullen und Bären in dieser Baisse aber noch nicht entschieden. Vor allem nicht am Neuen Markt, an dem gerade erst eine wichtige Unterstützung nach unten durchbrochen wurde: der Bereich um 2.600 Punkte im Nemax All Share. Hier lag nach der 4.000er Marke eine zweite wesentliche Auffanglinie, die den Index bei seinem Fall vom 8.000er Gipfel hätte aufhalten können. Hätte! Nach der Zinsentscheidung stellt sich jetzt allerdings die Frage, ob das nur eine Bärenfalle war. Wenn nicht, droht ein weiterer Abstieg bis in die Zone zwischen 1.600 und 1.700 Punkten. Erst hier liegt nämlich die nächste wesentliche Unterstützung, die aus dem Nemax-Tief vom Sommer 1998 resultiert.
Aber egal ob Bärenfalle oder nicht - man darf auf jeden Fall wieder hoffen. Denn selbst wenn der Index nach einer Zwischenerholung weiter abtauchen sollte, wäre das höchstwahrscheinlich der finale Ausverkauf. Erst wenn die letzten Optimisten aus dem Markt gedrückt werden, ist die Zeit reif für eine Wende, heißt es in einer alten Börsenweisheit. Und tatsächlich war die Stimmung in den letzten Monaten einfach noch zu gut. Zu viele Leute glaubten nämlich unverdrossen daran, dass sich der Markt bald wieder deutlich erholen würde: Sommerrally, Herbstrally, Weihnachtsrally, Neujahrsrally - viele Hoffnungen, die sich der Reihe nach in Nichts auflösten. Möglicherweise haben dadurch die letzten Bullen den Glauben an den Markt verloren. Das wäre ein gutes Zeichen.
Interessant wird jetzt sein, wie sich der Markt nach der nun angelaufenen Erholungsphase entwickelt: Fällt der Nemax in der anschließenden Abwärtsbewegung unter den vorangegangenen Tiefststand, bleibt die Baisse noch in voller Blüte und der Fall unter die 2000er Marke ist wahrscheinlich. Stoppt er dagegen über dem letzten Index-Tief, deutet sich damit eine Wende an. Und wenn dann später die Abwärtstrendlinie nach oben durchbrochen wird, hätten auch die Vorsichtigen einen Grund zum Kauf. Warten Sie also noch eine Weile ab, bis Ihr persönliches Kaufsignal kommt - selbst wenn das Warten schwer fällt.