Al-Qaida-Kämpfer sprengt sich in die Luft


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Al-Qaida-Kämpfer sprengt sich in die Luft

 
08.01.02 13:42
Al-Qaida-Kämpfer sprengt sich in die Luft

Die USA und ihre Verbündeten suchen jetzt verstärkt nach letzten Mitgliedern der Taliban-Miliz in Afghanistan. Bei einem missglückten Fluchtversuch kam ein arabischer al-Qaida-Kämpfer ums Leben. Mehrere Taliban-Führer stellten sich der Übergangsregierung.

 
AFP/DPA

Kandahar: Ein Anti-Taliban-Kämpfer neben dem toten Mohammad Rasool


Kabul/Kandahar - Der al-Qaida-Kämpfer namens Mohammad Rasool hatte nach Angaben eines örtlichen Kommandeurs im südafghanischen Kandahar versucht, aus dem Krankenhaus zu entkommen, in dem er sich seit mehr als einem Monat mit mehreren anderen Kämpfern verschanzt hatte. Der Mann sei kurz vor Morgengrauen aus einem Fenster im ersten Stock gesprungen, aber schon wenig später von Soldaten umstellt worden. Daraufhin habe er eine Granate gezündet, die ihn tötete. Weitere sechs al-Qaida-Kämpfer seien nach wie vor in dem Gebäude. Sie hätten Schusswaffen und Granaten bei sich.

Unter den Taliban-Mitgliedern, die sich der Übergangsregierung stellten, seien auch drei Minister des gestürzten Regimes, sagte ein Sprecher des Provinz-Gouverneurs von Kandahar, Gul Agha. Es handele sich um Verteidigungsminister Mullah Ubai Dullah, Justizminister Mullah Turabi und Industrieminister Mullah Saadudin.

Von Terrorchef Osama Bin Laden und Taliban-Führer Mullah Mohammad Omar fehlt jedoch nach wie vor jede Spur. Omar verstecke sich wahrscheinlich weiter im Norden der Provinz Helmand um die Stadt Baghran, sagte ein afghanischer Regierungssprecher. Zwar sei die Region sehr unzugänglich, und es werde schwer, ihn rasch zu finden, aber Omar könne nicht entkommen. Tausende Anti-Taliban-Kämpfer suchten nach ihm.

Operation Tora Bora ist fast beendet

Die USA gaben unterdessen bekannt, ihre Luftangriffe auf Ziele in Afghanistan fortsetzen zu wollen. Dabei konzentrieren sich die US-Streitkräfte nach Angaben von Pentagon-Sprecher John Stufflebeem jetzt auf Reste der Taliban-Miliz im ganzen Land.

Die Luftangriffe in den vergangenen Tagen richteten sich vor allem gegen einen Stützpunkt der al-Qaida in Sawar Kili nahe der Stadt Chost. "Wir sind dort noch nicht fertig", sagte Stufflebeem. Was an Zielen gefunden werde, werde angegriffen. Allein am Sonntag flog die US-Luftwaffe 118 Einsätze über Afghanistan, darunter vier Luftangriffe.

Die Durchsuchung des Höhlensystems von Tora Bora in Südostafghanistan wurde unterdessen weitgehend abgeschlossen. Die Militäraktion habe keinen Hinweis auf den Verbleib Bin Ladens erbracht, sagte General Tommy Franks der Nachrichtenagentur AP. Nach dem Abzug der US-Soldaten aus den Höhlen sollen Mitglieder von Spezialeinheiten in der Region bleiben, in den Dörfern Erkenntnisse über den Aufenthalt gesuchter Personen sammeln und Kontakt zu Stammesältesten halten.

Die Soldaten hätten Belege dafür gefunden, dass sich Bin Laden und hochrangige Offiziere der Taliban-Miliz in dem Höhlensystem aufgehalten hätten, sagte Franks. Falls Bin Laden nach Pakistan geflohen sei, werde er dort entweder von pakistanischen Kräften oder von US-Soldaten verfolgt. Die USA hätten Dorfbewohner auf Flugblättern davor gewarnt, flüchtigen al-Qaida-Kämpfern Zuflucht zu gewähren, meldete die Nachrichtenagentur AIP.


Wurde US-Soldat von einem Zwölfjährigen getötet?

Der erste US-Soldat, der in Afghanistan in einem Gefecht getötet wurde, soll von einem Zwölfjährigen erschossen worden sein. Vertreter der amerikanischen und afghanischen Regierung hätten von einem Stamm in der Provinz Chost im Osten des Landes die Auslieferung des verdächtigen Jungen verlangt, meldete die pakistanische Zeitung "Jang". Der Stamm habe die Forderung aber zurückgewiesen, bis Beweise vorlägen. Der 31 Jahre alte Texaner Nathan Chapman war am Freitag in der Nähe von Chost nahe der Grenze zu Pakistan getötet worden, als er den Zeitungsangaben zufolge ein Grab fotografierte. Ein CIA-Agent, der Chapman begleitete, wurde bei dem Schusswechsel verwundet.

SPIEGEL ONLINE - 08. Januar 2002, 11:30
URL: www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,175953,00.html
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