INTERVIEW: Bürger langfristig auf Kapitalmarkt angewiesen - Investmentstratege 17.02
FRANKFURT (dpa-AFX) - Ungeachtet der drastischen Kursverluste an den Finanzmärkten werden die Deutschen nach Expertenansicht auch künftig Geld in Aktien und andere Wertpapiere investieren. Trotz der schmerzhaften Erfahrungen werde sich der Durchschnittsbürger auf Dauer nicht vom Kapitalmarkt fern halten können, sagte Jens Schmitt, Investmentstratege der Fondsgesellschaft J.P. Morgan Fleming im Gespräch mit dpa-AFX. "Jeder Einzelne wird verstärkt gezwungen, sich nach zusätzlichen Einnahmequellen umzuschauen, da es in Zukunft keine ausreichend staatlich abgesicherte Altersversorgung mehr geben wird." Daher seien Geldanlagen nötig, die langfristig eine höhere Rendite abwürfen als das klassische Sparbuch.
Nach der extremen Enttäuschung mit der lange Zeit als Volksaktie gehandelten T-Aktie sei es zwar "inzwischen sehr schwer geworden, die Kleinanleger an den Aktienmarkt zurückzuholen", sagte Schmitt. Nach dem Platzen der Spekulationsblase im März 2000 verloren Kleinanleger Milliarden von Euro. Doch inzwischen seien viele Aktien wieder "billig": Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das aus dem aktuellen Marktkurs, geteilt durch den (prognostizierten) Gewinn des Unternehmens ermittelt wird, liege derzeit bei vielen Werten unter 10. "Billig ist eine Aktie auch dann, wenn die Dividendenrendite höher ist als diejenige Rendite, die am Rentenmarkt erzielt werden kann. Beides ist in Deutschland wieder in greifbare Nähe gerückt", so Schmitt.
Allerdings reiche es nicht aus, nur nach dem KGV zu sehen. "Ein gutes Management, eine effiziente Firmenstrategie, Gewinnwachstum und Produktivität sind wichtige Faktoren." Eine zentrale Fragen sei auch, welche Unternehmen am Markt dauerhaft überleben würden. Die Entwicklung des Börsenbarometers DAX oder anderer Indizes hingegen hält er für nicht mehr aussagekräftig. "Die großen und zugleich innovativen Unternehmen haben die besten Chancen", sagte der Anlagestratege. "Eine Geldanlage, etwa in die Allianz (KGV bei 6) , halte ich momentan wieder für interessant." AKTIEN UND RENTEN UND NICHT AKTIEN ODER RENTEN
Allgemein sei die Finanzbranche trotz ihrer doppelten Abhängigkeit vom Kapitalmarkt - als Aktiengesellschaft sowie als Käufer und Verkäufer von Aktien - augenblicklich "sehr attraktiv" bewertet. Vor allem die großen Unternehmen dürften in diesem Jahr wieder zu den Gewinnern gehören. Er bevorzuge dabei in erster Linie die Schweizer UBS sowie britische Banken-Titel.
"Eine für jeden Anleger empfehlenswerte Depotzusammensetzung gibt es nicht", sagte Schmitt. "Das Ziel dominiert die Struktur." Zehn Prozent des frei verfügbaren Geldes in Standardwerte anzulegen, sei langfristig betrachtet in jedem Fall empfehlenswert. "Auch muss es heißen Aktien und Renten und nicht Aktien oder Renten , um sich auf Dauer ein Vermögen zu sichern." Derzeit rät der Investmentstratege zu einem Verhältnis von Aktien zu Renten von 1 zu 9. "Ausgehend von 100 empfehle ich, 10 Prozent in Aktien und 90 Prozent in Festgeld anzulegen." Vor allem der Irakkonflikt verunsichere die Börsen weiter und sorge für hohes Risiko. "Aber 10 Prozent in Aktien lassen sich unabhängig von der Kriegsfrage investieren. Zwar kann der Aktienmarkt noch weiter verlieren, aber ich sehe eher die Chance einer positiven Überraschung", sagte er.
Den Rat des Börsenpapstes André Kostolany "Aktien kaufen und vergessen" aber könne er heutzutage nicht mehr empfehlen. "Das muss man sich leisten können." Es sei besser, Aktien zu kaufen und von Zeit zu Zeit den Bestand unter die Lupe zu nehmen. Schmitt: "Das macht zwar mehr Arbeit, aber erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein erfolgreicher Anleger zu werden."/ck/ari/aa ---Von Claudia Kahlmeier, dpa-AFX ----
FRANKFURT (dpa-AFX) - Ungeachtet der drastischen Kursverluste an den Finanzmärkten werden die Deutschen nach Expertenansicht auch künftig Geld in Aktien und andere Wertpapiere investieren. Trotz der schmerzhaften Erfahrungen werde sich der Durchschnittsbürger auf Dauer nicht vom Kapitalmarkt fern halten können, sagte Jens Schmitt, Investmentstratege der Fondsgesellschaft J.P. Morgan Fleming im Gespräch mit dpa-AFX. "Jeder Einzelne wird verstärkt gezwungen, sich nach zusätzlichen Einnahmequellen umzuschauen, da es in Zukunft keine ausreichend staatlich abgesicherte Altersversorgung mehr geben wird." Daher seien Geldanlagen nötig, die langfristig eine höhere Rendite abwürfen als das klassische Sparbuch.
Nach der extremen Enttäuschung mit der lange Zeit als Volksaktie gehandelten T-Aktie sei es zwar "inzwischen sehr schwer geworden, die Kleinanleger an den Aktienmarkt zurückzuholen", sagte Schmitt. Nach dem Platzen der Spekulationsblase im März 2000 verloren Kleinanleger Milliarden von Euro. Doch inzwischen seien viele Aktien wieder "billig": Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das aus dem aktuellen Marktkurs, geteilt durch den (prognostizierten) Gewinn des Unternehmens ermittelt wird, liege derzeit bei vielen Werten unter 10. "Billig ist eine Aktie auch dann, wenn die Dividendenrendite höher ist als diejenige Rendite, die am Rentenmarkt erzielt werden kann. Beides ist in Deutschland wieder in greifbare Nähe gerückt", so Schmitt.
Allerdings reiche es nicht aus, nur nach dem KGV zu sehen. "Ein gutes Management, eine effiziente Firmenstrategie, Gewinnwachstum und Produktivität sind wichtige Faktoren." Eine zentrale Fragen sei auch, welche Unternehmen am Markt dauerhaft überleben würden. Die Entwicklung des Börsenbarometers DAX oder anderer Indizes hingegen hält er für nicht mehr aussagekräftig. "Die großen und zugleich innovativen Unternehmen haben die besten Chancen", sagte der Anlagestratege. "Eine Geldanlage, etwa in die Allianz (KGV bei 6) , halte ich momentan wieder für interessant." AKTIEN UND RENTEN UND NICHT AKTIEN ODER RENTEN
Allgemein sei die Finanzbranche trotz ihrer doppelten Abhängigkeit vom Kapitalmarkt - als Aktiengesellschaft sowie als Käufer und Verkäufer von Aktien - augenblicklich "sehr attraktiv" bewertet. Vor allem die großen Unternehmen dürften in diesem Jahr wieder zu den Gewinnern gehören. Er bevorzuge dabei in erster Linie die Schweizer UBS sowie britische Banken-Titel.
"Eine für jeden Anleger empfehlenswerte Depotzusammensetzung gibt es nicht", sagte Schmitt. "Das Ziel dominiert die Struktur." Zehn Prozent des frei verfügbaren Geldes in Standardwerte anzulegen, sei langfristig betrachtet in jedem Fall empfehlenswert. "Auch muss es heißen Aktien und Renten und nicht Aktien oder Renten , um sich auf Dauer ein Vermögen zu sichern." Derzeit rät der Investmentstratege zu einem Verhältnis von Aktien zu Renten von 1 zu 9. "Ausgehend von 100 empfehle ich, 10 Prozent in Aktien und 90 Prozent in Festgeld anzulegen." Vor allem der Irakkonflikt verunsichere die Börsen weiter und sorge für hohes Risiko. "Aber 10 Prozent in Aktien lassen sich unabhängig von der Kriegsfrage investieren. Zwar kann der Aktienmarkt noch weiter verlieren, aber ich sehe eher die Chance einer positiven Überraschung", sagte er.
Den Rat des Börsenpapstes André Kostolany "Aktien kaufen und vergessen" aber könne er heutzutage nicht mehr empfehlen. "Das muss man sich leisten können." Es sei besser, Aktien zu kaufen und von Zeit zu Zeit den Bestand unter die Lupe zu nehmen. Schmitt: "Das macht zwar mehr Arbeit, aber erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein erfolgreicher Anleger zu werden."/ck/ari/aa ---Von Claudia Kahlmeier, dpa-AFX ----