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Die Theorie der Elliott-Wellen hat der Amerikaner Ralph Nelson Elliott [links](1871 – 1948) in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelt. Elliott hatte gute Kenntnisse der Dow-Theorie, die von Charles Henry Dow [rechts] (1852 – 1902) schon Ende des 20. Jahrhunderts formuliert wurde und als Grundlage für das gesehen werden kann, was wir heute unter Technischer Analyse verstehen.
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Schon Dow – der 1894 einen Aktienindex veröffentlichte, aus dem später der noch heute bekannte Dow Jones Industrial Average hervorging – erkannte, dass sich bestimmte Kursmuster immer wieder in ähnlicher Formation wiederholen. Während einer schweren Blutkrankheit analysierte Elliott über Monate hinweg akribisch den US-Aktienmarkt, vorwiegend den DJIA.
Fraktale Selbstähnlichkeit
Er erkannte, dass sich die Preisschwankungen und Kursmuster bei Aktienmärkten innerhalb von wenigen Tagen verblüffend mit den Verläufen über Monate oder Jahre hinweg ähnelten. Außerdem entdeckte er die zyklische und fraktale (selbstähnliche) Ausbreitung von Wellenmustern. Fraktale sind Objekte, die aus mehreren verkleinerten Kopien ihrer selbst bestehen.
Beispiele aus der Natur finden sich viele:
ähnlicher Aufbau von Sonnensystem und Atomstruktur
ein Baumzweig sieht ungefähr so aus wie ein verkleinerter Baum
das Teilstück eines Farns sieht in Vergrößerung ziemlich genauso aus wie das Blatt als Ganzes
der Romanesco (Pyramidenblumenkohl) weist in seinem Blütenstand fraktale Strukturen und Fibonacci- Spiralen auf
die Kochsche Schneeflocke
Farnblatt fraktaler Aufbau
Elliott und die Chaos-Theorie
Diese Grundidee wird heute noch durch Erkenntnisse der Chaosforschung gestützt. Einer der berühmtesten Verfechter dieser Theorie ist der Mathematiker Benoît Mandelbrot. Dieser erhielt neben dem Japan-Preis 2003 im Jahre 2004 auch den Wirtschaftsbuchpreis der Financial Times Deutschland (FTD) für sein Buch „The (Mis)Behavior of Markets“. Die deutsche Ausgabe ist 2007 unter dem Titel „Fraktale und Finanzen. Märkte zwischen Risiko, Rendite und Ruin“ erschienen.
Das Regelwerk füllt ein ganzes Buch
Elliott veröffentlichte schließlich seine Erkenntnisse und Regeln in dem 1938 erschienenen Buch „The Waves Principle“ (Das Wellen-Prinzip). Als eine der wichtigsten und grundlegendsten Informationen ist daraus zu entnehmen, dass Kurse Nachrichten machen. Die Marktteilnehmer suchen sich im Nachhinein eher diejenigen Nachrichten heraus, die zu den Kursen passen. Nachrichten machen also umgekehrt keine Kurse im ursächlichen Sinne, sondern sind nur der Auslöser einer Kursbewegung, die technisch fällig ist. Der verstorbene Altmeister der Börse, André Kostolany (1906 – 1999), war der Überzeugung: “Kurz- bis mittelfristig macht die Psychologie 90 Prozent an der Börse aus! Langfristig spielen dann die fundamentalen Gründe eine größere Rolle.”
Psychologie bestimmt den Markt zu jeder Zeit
Elliott ging sogar noch ein Stück weiter und stellte fest, dass die Psychologie, und nichts anderes, den Markt zu jeder Zeit bestimmt. Die fundamentalen Daten, die börsentäglich über die Ticker laufen, sind nicht der Auslöser von Verhaltensänderungen bei den Marktteilnehmern, sondern vielmehr die Folgen eines bereits veränderten Verhaltens. Zugegeben, eine fast schon provokative These in Zeiten, in denen wir täglich mit einer Nachrichtenflut konfrontiert sind. Wenn Sie sich jedoch mit dem Elliott Wellen-Prinzip über einen längeren Zeitraum auseinandersetzen und es auch halbwegs verinnerlicht haben, werden Sie merken, dass die fundamentale Nachrichtenlage keine tragende Rolle spielt.
Dow_Jones_Parkett
Mal ist es der vermeintliche Einfluss des zu hohen Ölpreises, mal die außerplanmäßige Zinssenkung der FED und ein anderes Mal die ach so schlechten Vorgaben des chinesischen Aktienmarktes, die beispielsweise den Dax in die Knie zwingen. Es stehen also jede Menge Gründe in x-beliebiger Kombination zur Verfügung, um Kursbewegungen an den Märkten im Nachhinein zu erklären. Das größte Manko bei dieser Methode ist, dass Sie erst nach der Kursbewegung durch die Medien gesagt bekommen, was dieses Mal der Auslöser dafür war. Irgendein Grund passt mit Sicherheit immer auf das aktuelle Geschehen.