Bei Affymetrix bleiben Zweifel
Auf den ersten Blick gut, auf den zweiten eher durchwachsen. Zwar hat der Weltmarktführer bei Biochips Affymetrix starke Zahlen für das zurückliegende vierte Quartal gemeldet.. Der Umsatz fällt mit 65,1 Millionen US-Dollar deutlich besser als erwartet aus. Analysten hatten im Schnitt nur mit 60 Millionen US-Dollar gerechnet. Auch der Gewinn je Aktie von einem Cent lag deutlich über den prognostizierten Verlust von fünf Cents. Doch die enttäuschenden Prognosen für 2002 wird die Aktie erst einmal weiter unter Druck setzen. Das Unternehmen rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem um Sonderfaktoren bereinigten Pro-forma-Ergebnis von drei bis fünf Millionen US-Dollar. Dieser Wert wird allerdings von Affymetrix nicht für den Gewinn pro Aktie umgerechnet. Das ist absolut unüblich. Affymetrix wird schon wissen, warum diese Vorgehensweise gewählt wurde. Denn ein Pro-forma-Ergebnis von drei bis fünf Millionen US-Dollar wurde bei der aktuellen Aktienzahl von 57,7 Millionen Aktien einen Gewinn pro Aktie von fünf bis neun US-Cent je Aktie entsprechen. Damit läge das Unternehmen deutlich unterhalb der bisherigen Analystenschätzungen von elf US-Cent je Aktie. Bewertung von Affymetrix ist zu hoch Doch auch ohne diese Prognosen macht die Bewertung von Affymetrix Kopfschmerzen. Das Unternehmen ist bei einem Kurs von 31 US-Dollar mit gut 1,8 Milliarden US-Dollar bewertet. Dem steht ein voraussichtlicher Gesamtumsatz von unter 300 Millionen US-Dollar für das laufende Geschäftsjahr gegenüber. Auf Basis der eigenen Ertragsprognosen wäre Affymetrix mit dem ungefähr 350 bis 630-fachen Gewinn bewertet. Das ist extrem teuer. Denn man darf nicht vergessen, dass es Affymetrix in erster Linie Biotechnologie-Zulieferer ist, nicht etwa ein Unternehmen, das nach innovativen Wirkstoffen zur Behandlung von Krankheiten forscht. Als Biochiphersteller stellt Affymetrix Verbrauchsmaterialien her, die beispielsweise in der Grundlagenforschung verwendet werden. In jedem Fall ist die Ertragsfantasie diesem Bereich deutlich niedriger als bei innovativen Medikamenten. So kommt Affymetrix im Biochipbereich auf eine Rohertragsmarge von gut sechzig Prozent, während mit vielen Medikamenten Rohertragsmargen von neunzig Prozent erwirtschaftet werden. Unter Rohertrag versteht man den Umsatz abzüglich der unmittelbaren Herrstellungskosten. Bisher gingen Analysten im laufenden Geschäftsjahr von einer Umsatzsteigerung von 33 Prozent aus. Das Unternehmen prognostiziert für den wichtigen Biochipbereich einen Umsatzanstieg von 25 Prozent. Affymetrix erwirtschaftet über 80 Prozent seines Umsatz mit Biochips. Daher ist es wahrscheinlich, dass Affymetrix auch die bisherigen Umsatzprognosen für das laufende Jahr verfehlt. Affymetrix ist ein sehr gutes Unternehmen mit einer überzeugenden Marktstellung. Doch das alleine wird kurzfristig nicht zu Kursgewinnen führen. Denn diese Fakten sind bereits mehr als genug im Aktienkurs enthalten. Solange sich nicht abzeichnet, dass Affymetrix im laufenden Geschäftsjahr deutlich besser als prognostiziert abschneidet, sind die Kursrisiken deutlich höher als die Kurschancen. © 2002 sharper.de