A. von Bülow: 11.9., ein Gau der Geheimdienste


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A. von Bülow: 11.9., ein Gau der Geheimdienste

 
22.02.02 18:04
[LPA] (de) 11.9. Weiteres Hintergund-Interview mit Andreas von Buelow
22.02.2002
Nachricht vom 21.02.02 weitergeleitet von LPA Berlin [lpa@free.de]



"Wer und was steckt hinter dem 11. September?" - Interviews mit Andreas von Buelow, Minister a.D. (Regierung Schmidt)

[...]

»Wer waren die Insider?« / KONKRET-Interview

Was weiss die CIA ueber den 11. September? Dass selbst der fruehere Bundesminister Andreas von Buelow ueber diese Frage nicht im »Spiegel«. oder »Stern« nachdenken darf, sondern bei KONKRET ein Refugium findet, spricht Baende ueber die Lage der Nation. Mit ihm sprach Juergen Elsaesser

KONKRET: Beim Terroranschlag auf das World Trade Center ist noch vieles nicht aufgeklaert. So gab es vor dem 11. September Warnungen sowohl des franzoesischen Geheimdienstes als auch des Mossad. Trotzdem waren die US-amerikanischen Behoerden offenbar voellig unvorbereitet: keine erhoehte Sicherheitsstufe auf den Flughaefen, eine voellig verschlafene und unprofessionelle Reaktion der Luftraumueberwachung und der Flugabwehr.

Von Buelow: Das Merkwuerdige ist, dass die Amerikaner bis zur Tat voellig ahnungslos waren und hinterher keine 48 Stunden brauchten, um der Weltoeffentlichkeit den Taeter zu praesentieren: Bin Laden und sein sagenumwobenes Terrornetz Al-Qaida. Was die Warnungen etwa des Mossad anging, wuerde man schon gerne wissen, was die gewusst und was sie weitergegeben haben. Das muss nicht immer dasselbe sein, wie zum Beispiel das Selbstmordattentat islamistischer Taeter auf eine US-Kaserne in Beirut Anfang der achtziger Jahre zeigt: Der Mossad wusste im voraus den genauen LKW-Typ samt Farbe, den die Taeter spaeter benutzten. An die CIA weitergegeben haben sie aber nur die Warnung im allgemeinen, ohne diese Details.


KONKRET: Warum?

Von Buelow: Begruendet wird diese Zurueckhaltung bei Geheimdiensten mit dem Quellenschutz: Gibt man die Details preis, sind Rueckschluesse auf den oder die Informanten moeglich. Daneben spielen die Geheimdienste, auch die westlichen, natuerlich oft gegeneinander, ein bisweilen bizarres Machtspiel.

KONKRET: Also wusste die CIA vielleicht auch diesmal gar nicht so viel?

Von Buelow: Das will ich damit nicht gesagt haben. Denken Sie etwa zurueck an den ersten Anschlag auf das World Trade Center im Jahre 1993. Damals wurde ja die ganze islamistische Bande geschnappt, die die Aktion durchgefuehrt hatte. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Kameraden schon lange vorher von CIA und FBI unterwandert waren. Der Bombenbastler war ein Agent provocateur des FBI, dessen Fuehrungsoffizier versprochen hatte, die zur Explosion notwendigen Chemikalien rechtzeitig gegen harmlose auszutauschen, so dass die Taeter zwar haetten in die Falle gelockt werden koennen, Schaden jedoch vermieden worden waere. Doch das Versprechen wurde seitens des FBI nicht eingehalten. 1.000 Verletzte und einige Tote waren die Folge. Noch eine Seltsamkeit: Die Mitglieder der Terrorgruppe hatten eigentlich Einreiseverbot in die USA gehabt, standen auf einer Liste des FBI und des State Department. Doch die CIA sorgte dafuer, dass dieses Verbot umgangen wurde. Das Grauen des 11. September ist ein Gau der amerikanischen Dienste. Insgesamt gibt es 26 an der Zahl, und sie stehen in Konkurrenz zueinander. Man kann sich schon vorstellen, dass Nichtzyniker an diesem Wirrwarr und Chaos verzweifeln. Wer seinem Staat Terroranschlaege vermeiden helfen will, findet sich in einem Sumpf sondergleichen wieder.

KONKRET: Also jeder gegen jeden, und die Terroristen profitieren davon?

Von Buelow: Die entscheidende Frage ist doch: Wer sind die Terroristen? Der fruehere Chef einer strategischen Einheit zur Bekaempfung der obersten Ebene des internationalen Drogenhandels sagte in einer Kongress-Anhoerung, er habe in seiner dreissig-jaehrigen Taetigkeit fuer die Drug Enforcement Agency keinen groesseren Fall erlebt, bei dem ihm nicht die CIA die Zuegel aus der Hand genommen haette.

Konkret: Aber am 11. September ging es nicht um ein Drogendelikt.

Von Buelow: Bin Laden ist ein Produkt der CIA, geschaffen zunaechst im Kampf gegen die Sowjetunion. Es ging dabei nicht nur um die Abwehr der sowjetischen Intervention in Afghanistan. Es ging um die Destabilisierung der UdSSR ueber ihre Teilstaaten mit muslimischer Bevoelkerung. Noch bevor die Kommunisten 1978 in Afghanistan an die Macht kamen, hatte die CIA Unruhen in Afghanistan unterstuetzt. Die Zentralregierung wurde nicht Herr der Lage. Die Kommunisten kamen ans Ruder, scheiterten ebenfalls und holten die sowjetischen Truppen ins Land. Damit waren sie in die Falle gelaufen, die der damalige US-Sicherheitsberater Brzezinski sich ausgedacht hatte und mit derer Hilfe er ihnen ein russisches Vietnam bereiten wollte. Nun wurden in einer Aktion, die die CIA zusammen mit den saudischen und pakistanischen Geheimdiensten ins Werk setzte und bei der die Finanzierung durch den Drogenhandel eine grosse Rolle spielte rund hunderttausend Freiheitskaempfer aus den muslimischen Laendern Nordafrikas und des Nahen Ostens als Soeldner zum Kampf gegen die gottlosen Sowjets angeworben Freiheitskaempfer - in Anfuehrungszeichen. In Wirklichkeit handelt es sich um die Taugenichtse und Raufbolde der gesamten islamischen Welt. Wo immer ein schwarze Schaf der Familie oder des Dorfes nicht gut tat, lockte der Ruf der Mudjaheddin an den Hindukusch - wo man sich gegen Oel- und Drogengeld nuetzlich machen konnte. Die Taliban selbst wurden aus den koranstrengen Waisenhaeusern Pakistans angeheuert. Osama Bin Laden war einer der Organisatoren des fundamentalistischen Werbefeldzuges, wobei ihm durchaus gestattet war, sein rund 10.000 Soeldner aus militant antiwestlichen, antiamerikanischen Kreisen anzulocken. Teile dieser Truppe wurden eigens in CIA-Lagern fuer spezielle Aufgaben trainiert. Es handelt sich folglich eher um Desperados als um hochreligioese Leute. So wie wenn wir die Radaubrueder unserer Fussballstadien zum heiligen Kampf gegen den Islam heranziehen wuerden. Doch fuer die Gehirnwaesche des westlichen Publikums mit dem Ziel, den neuen Feind Islamismus im Sinne des »Clash of Civilizations« einzuhaemmern, sind sie bestens geeignet.

KONKRET: Sie waren beim Einmarsch der Sowjets in Afghanistan Mitglied der Bundesregierung. Wie hat das Kabinett Schmidt ueber die Sache diskutiert?

Von Buelow: Kaum. Ich erinnere mich nur, dass Washington maechtig Druck auf uns ausuebte, wegen Afghanistan die Olympischen Spiele in Moskau zu boykottieren. Wie stark der Druck war, zeigt auch eine andere Episode: Anfang der achtziger Jahre draengte der amerikanische Viersterne-General und Nato-Oberbefehlshaber Haig mit aller Macht darauf, jedes noch so kleine nationale Manoever als Teil seiner grossen Nato-Herbstmanoever deklarieren zu koennen. So kam es, dass an einem Wochenende alles in allem von Norwegen bis zur Tuerkei rund eine satte Million Nato-Soldaten von Westen Richtung Osten in Bewegung war. Als Staatssekretaer erlaubte ich mir anzumerken, dass ich dies fuer problematisch hielte, zumal westlicherseits alle Warnlampen angingen, sollte der Warschauer Pakt uns ein aehnliches Szenario in Ost-West-Richtung bieten. Die kleine Kritik fand ein weltweites Echo, in den USA und bis nach Hawaii. Als ich kurz darauf dem Weissen Haus einen Besuch abzustatten hatte, lief mir scheinbar zufaellig Brzezinski ueber den Weg mit der Frage: »Are you the guy talking about manouvres in Europe?« Aus heutiger, Sicht zuendelte der Mann schon damals von der europaeischen wie der asiatischen Seite. Das geopolitische Spiel findet derzeit seine Fortsetzung in der Nato-Erweiterung bei gleichzeitigem Aufbau von militaerischen Positionen in den selbstaendigen asiatischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Ich entsinne mich im uebrigen, dass anlaesslich der Kontakte zwischen SPD und KPdSU die Sowjets mehrfach deutlich machten, dass sie lieber heute als morgen aus Afghanistan abziehen wuerden, jedoch das zu erwartende Sicherheitschaos der sich bekaempfenden afghanischen und pakistanischen War- und Drogenlords fuerchteten. Sie versuchten, die USA zu einem gemeinsamen Vorgehen zu gewinnen. Doch Washington blieb taub auf diesem Ohr.

KONKRET: Hatte nicht auch der BND seinen Anteil an der Afghanistanoperation der CIA?

Von Buelow: Hoechstens als Sekundant. Die Deutschen entwickeln zuweilen sentimentale Bindungen zu den leidgeprueften Voelkerschaften der Region. Bei Juergen Todenhoefer, dem inoffiziellen Afghanistanemissaer der CDU, kann ich mir durchaus vorstellen, dass er gemeinsam mit den Mudjaheddin am Lagerfeuer sass und Freiheitslieder sang. Die verdeckten Operateure der CIA verfolgen knallhart die verdeckten, demokratisch nicht legitimierten Ziele ihres Landes. Als die CIA einst den 30.000 kurdischen Kaempfern gegen Saddam Hussein nach jahrzehntelanger verdeckter Nutzung im Interesse des Schah-regierten Iran den Geld- beziehungsweise Drogenhahn zudrehte und Fuehrer und Mannschaften der Vernichtung durch den Diktator preisgab, meinte Henry Kissinger, der Vorgaenger Brzezinskis, man solle doch bitte verdeckte Operationen nicht mit Missionsarbeit verwechseln.

KONKRET: Zurueck zum 11.9. Mir scheint bemerkenswert, dass Praesident Bush am Tattag nicht nach New York kommen wollte - aus Angst, auch auf ihn beziehungsweise die Airforce One sei ein Attentat geplant. William Safire von der »New York Times« hat recherchiert, dass die Terroristen Informanten in den US- Geheimdiensten gehabt haben muessen.

Von Buelow: Das ist durchaus moeglich. Noch interessanter scheint mir die Interpretation eines britischen Flugingenieurs zu sein, der behauptet, die Linienmaschinen seien am 11. September nicht gekidnappt, sondern ueber eine »Hintertuer« in den Bordcomputern unter Ausschaltung der Piloten vom Boden aus in die Ziele gesteuert worden. KONKRET: Das Gegenteil liesse sich leicht beweisen, wenn die Ermittlungsbehoerden die Auswertung der Flugschreiber und Voice- Recorder der Flugzeuge drei und vier - die eine ist ins Pentagon gesteuert worden, die andere abgestuerzt - veroeffentlichen wuerden. Aber das passiert nicht.

Von Buelow: Es gibt eine Reihe ungeklaerter Abstuerze an der amerikanischen Ostkueste, etwa die Swissair-Maschine oder die der Egypt Air. Fuer die Version des britischen Flugingenieurs koennte auch sprechen, dass die angeblichen Flugzeugentfuehrer offensichtlich gar nicht in der Lage waren, eine Maschine zu steuern. Zeitungen aus Florida berichten, dass die Flugausbildung dieser Leute vollkommen gescheitert sei. Ueber einen der Verdaechtigten sagte die Flugschule, nach 600 Flugstunden haette man ihm noch nicht ein-mal eine Cessna anvertrauen koennen. Ueber einen anderen hiess es, er sei so dumm, dass Zweifel aufgekommen seien, ob er Ueberhaupt ein Auto zu steuern in der Lage sei.

KONKRET: Dabei muss man bedenken, dass zumindest Maschine Nummer drei ein ausserordentlich kompliziertes Flugmanoever durchgefuehrt hat.

Von Buelow: Sie steuerte zunaechst das Weisse Haus in Washington an und aenderte dann mit einem 270-Grad-Looping knapp ueber die Telegraphenleitungen hinweg ihren Kurs aufs Pentagon. Das erfordert Koennen und viel Flugerfahrung. Im uebrigen mache ich mir die Theorie des britischen Flugingenieurs ja nicht zu eigen. Ich behaupte nur, dass die Zweifel und Fragen, die er und andere formulieren, oeffentlich debattiert und fachmaennisch untersucht werden muessen.

KONKRET: Auch bei den Insider-Boersengeschaeften werden keine Fragen mehr gestellt.

Von Buelow: In der Tat. In der Woche vor dem Anschlag stieg der Umsatz mit Aktien, die spaeter infolge der Ereignisse im Kurs drastisch abstuerzen sollten, um 1.200 Prozent. Die Aktien wurden zum Kurs vor dem Ereignis teuer verkauft, sollten jedoch einige Zeit danach erst uebereignet werden. Man konnte sich so als Verkaeufer nachtraeglich zum Crashkurs eindecken und die Differenz als Gewinn einstreichen. Es handelte sich um Aktien der beiden Fluggesellschaften, aber auch der im World Trade Center in je 22 Stockwerken beherbergten Finanzinstitute Morgan Stanley und Merryll-Lynch. Ausserdem kauften diese lnsider amerikanische Staatsanleihen im Wert von fuenf Milliarden Dollar in der Erwartung, dass auf Grund der nationalen Katastrophe ihr Wert steil ansteigen werde. Wer waren die Insider, und ueber welche Kanaele gelangten sie zu ihrer Kenntnis? Und wo sind die Erkenntnisse der amerikanischen Finanzfahndung, die routinemaessig auffaellige Spekulationen auf kuenftige Terrorereignisse zur Gewinnung von Hinweisen auf Attentate erfasst?

KONKRET: Bush senior arbeitet ueber die Carlyle Group, eine internationale Anlagefirma, fuer die Familie Bin Laden in Saudi Arabien. »Die Vorstellung, dass der Vater des Praesidenten, auch er ein ehemaliger Praesident, Geschaefte mit einer Firma macht, die vom FBI wegen der Terroranschlaege am 11. September untersucht wird, ist schrecklich«, schrieb die US-amerikanische Antikorruptions-NGO »Judicial Watch«.

Von Buelow: Bush senior ist ein alter CIA-Mann. Er war 1976/77 Direktor der Ageney. Bekannt sind seine Verbindungen zum panamesischen Praesidenten Noriega, der auf seinem Staatsgebiet den Drogenhandel nach Amerika und die Landung von Flugzeugen voller Drogengeld zum Zwecke der internationalen Geldwaesche erlaubte. Seine jaehrlichen 200.000 Extra-Dollars aus CIA-Quellen ueberstiegen eine Zeitlang das Gehalt selbst des US-Praesidenten.

KONKRET: Es gibt Berichte, dass der Krieg gegen Afghanistan keine Reaktion der USA auf den Terror vom 11.9. ist, sondern bereits vorher geplant war. »Evidence suggests, that Washington hadplanned to move against Bin Laden in the summer«, schrieb der britische »Guardian«..

Von Buelow: Eine amerikanische Oel- und Gasgesellschaft will seit Jahren Oel aus dem Kaspischen Becken ueber eine milliardenschwere Pipeline durch Afghanistan zum indischen Ozean transportieren. Die CIA hoffte, die Taliban zum Schutz der Investition nutzen und zugleich die Trasse ueber das Territorium des »Ruepelstaates« Iran verhindern zu koennen. Moeglicherweise fuehrt ja der Krieg jetzt zu einer neuen Regierung in Kabul, die dem Vorhaben aufgeschlossen gegenuebersteht. Alles in allem kann man davon ausgehen, dass die strategischen Koepfe der C1A in aller Regel den geopolitischen Vorstellungen folgen, die der bereits erwaehnte Brzezinski in »Die einzige Weltmacht«. nieder-geschrieben hat. Dieses Buch ist zusammen mit Huntingtons »Clash of Civilizations«. die Blaupause fuer die verdeckte, letztlich massgebende US-Aussenpolitik der naechsten Jahre und Jahrzehnte: Brzezinski ueberprueft die wichtigsten Staaten der Reihe nach darauf hin, wer sich zum Gegner der US-Dominanz aufwerfen koennte. Es werden Ansaetze gesucht, wie diese potentiellen Gegner geschwaecht werden koennen - er sieht das Ganze als Schachspiel, in dem die Hauptfiguren als Staaten gegeneinander gesetzt werden und innerhalb der Staaten oft ethnische Minderheiten als Bauern Verwendung finden. Man foerdert die Scharfmacher unter den Fuehrern von Minderheiten, desavouiert die Friedfertigen, schuert die Leidenschaften, vermittelt Waffen, finanziert ueber Drogen. Sollte die jeweilige Zentralregierung sich dann gezwungen sehen, zur Erhaltung des Landfriedens etwas robuster vorzugehen, folgt die oeffentliche Anklage wegen Verletzung der Menschenrechte. Brzezinski ist wie besessen von der Frage nach der Beherrschung des eurasischen Raums zwischen Atlantik und Pazifik, fuer ihn der Schluessel zur globalen Dominanz. Und da der Mensch, fehlbar wie er nun einmal ist, hassen will und muss, bietet der Harvard-Professor Huntington den Islam als neuen Gegner des Westens, dem er das orthodoxe Christentum Osteuropas gleichordnet.

KONKRET: Welche Kontakte zwischen Bin Laden und der CIA gibt es aus der juengeren Vergangenheit?

Von Buelow: »Le Figaro« meint, Bin Laden habe sich noch im Juli dieses Jahres [2001] mit dem CIA-Chef in Dubai getroffen. Der CIA-Mann habe sich in seinem Bekanntenkreis dieses Treffens geruehmt.

KONKRET: Wenn Sie auf die Rolle der CIA und anderer westlicher Dienste in bezug auf den 11. September hinweisen, werden Sie sicherlich mit dem Vorwurf konfrontiert, Verschwoerungstheorien anzuhaengen.

Von Buelow: Nicht ich bin derjenige, der eine Verschwoerungstheorie vertritt. Vielmehr muessen diejenigen sich den Vorwurf gefallen lassen, die ohne stichhaltige Beweise - jedenfalls wurden bisher keine vorgelegt - eine Bin-Laden-Verschwoerung am Werke sehen. Dabei werden wieder die Medien zur Desinformation genutzt. Zum Beispiel las man in der »New York Times«, Bin Laden habe in einer Erklaerung die Attentate begruesst, die Taeter als »Helden« gelobt. Die Aeusserung wurde von einem in Afghanistan lebenden Palaestinenser uebermittelt, der weitergab, was ein Freund aus der Umgebung Bin Ladens ueber dessen Reaktion gehoert haben wollte. Zur gleichen Zeit uebersetzte der »Bonner Generalanzeiger« die von BBC uebermittelte Erklaerung Bin Ladens, in der er den Tod Unschuldiger am 11.9. bedauerte. Wieso waehlt die »New York Times« die mit hoher Wahrscheinlichkeit verfaelschte Nachricht? Ich behaupte jedenfalls nicht, dass ich Antworten haette auf Fragen, die in den Medien nicht gestellt werden - mit der Folge dass die Verantwortlichen sich zu ueberzeugenden Antworten nicht veranlasst sehen. Statt dessen werden Bilder vermittelt, die den im Sandsturm reitenden Bin Laden zeigen, den apokalyptischen Reiter, den unberechenbaren, hinterhaeltigen, grausamen neuen Feind!

KONKRET: Warum reagieren die Medien, auch in Deutschland, wie gleichgeschaltet?

Von Buelow: Lediglich Frankreich scheint einigermassen der Hysterie und der uneingeschraenkten Gefolgschaft zu trotzen. In der Politik wie in den Medien. Die Wellen der Gleichschaltung habe ich nun schon mehrfach erlebt. Bei der Neutronenwaffe hatte es noch nicht geklappt. Doch anlaesslich der Nachruestung von 100 Mittelstreckenraketen Anfang der achtziger Jahre wurde die Gleichschaltung bereits handgreiflich. Dann bei der Unterdrueckung jeder Wortmeldung ueber den angeblich schnellen Weg zu den bluehenden Landschaften. Mit am schlimmsten habe ich die Manipulation aus Anlass des Golfkrieges empfunden, wo Saddam Hussein nach massiver Aufruestung durch den Westen unter anderem in die Falle der amerikanischen Botschafterin lief, die ihm zugesichert hatte, dass Grenzstreitigkeiten mit Kuwait die USA nicht kuemmerten. Beim Krieg der Sterne unter Reagan und jetzt wieder Bush zeichnet sich dieselbe Tendenz auch in unserer Presselandschaft ab.

KONKRET: Sie haben das Phaenomen zutreffend beschrieben, aber noch nicht erklaert.

Von Buelow: Von einem Informanten in den USA weiss ich, dass in den groesseren Redaktionen und Nachrichtenagenturen eine Person des Vertrauens der CIA sitzt, die in der Lage ist, kritische Angelegenheiten im Zweifelsfall vom Transportband der Nachrichten zu nehmen oder das Totschweigen zu veranlassen. Ob der BND aehnliche Macht hat, weiss ich nicht. Die massgeblichen Medienzaren der USA sitzen in Beratungsgremien der Geheimdienste. Die CIA hilft auslaendischen Journalisten und Nachrichtenagenturen mit Geld auf die Spruenge. Im uebrigen stehen Journalisten oft im Klientelverhaeltnis zu den Diensten. Die heisse Story wird von dort herausgereicht zur angemessenen Verbreitung. Verlaesst der Journalist den Mainstream, bleiben die Lieferungen aus. Bleibt er jedoch auf Kurs, wird er zu Hintergrundgespraechen und Konferenzen eingeladen, oft an den schoensten Orten der Welt, in den besten Hotels, mit prominenten Gespraechspartnern. Wer als »Defense intellectual« gilt, hat ein schoenes Leben und exklusive Informationen - von Korruption will da keiner sprechen. Aber der Unterschied zu einem Journalisten, der etwa in Frankfurt- Bockenheim an seinem Schreibtisch sitzt und taeglich auf sich gestellt seine Informationen zusammensuchen muss, ist betraechtlich. Ein Weiteres kommt hinzu: Die wichtigste Aufgabe der Geheimdienste ist die Taeuschung der Oeffentlichkeit. Der eigentlichen Kausalkette soll niemand auf die Schliche kommen. Einen Bergstamm in Burma mit 30.000 Mann zum Kampf gegen den Vietcong zu gewinnen, ist nicht schwer, dazu reicht es, Geld und Waffen bereitzustellen. Viel schwieriger ist es, das Ganze so zu drehen, dass der Dienst nicht selbst als Verursacher und Auftraggeber in Erscheinung tritt. Also dirigiert und finanziert die CIA ueber raffinierte Umwege. Die mittelamerikanischen Contras bekamen Waffen und Geld ueber Drogenhaendler, die im Gegenzug geschuetzt vor Strafverfolgung ihre Ware in den USA oder Europa absetzen konnten. Die Waesche des eingenommenen Drogengeldes wird gedeckt, damit der geheime Kreislauf funktioniert. Alles wird so verwickelt arrangiert, dass jeder fuer verrueckt erklaert werden kann, der die wirklichen Zusammenhaenge erahnt oder darstellt. Um so kommoder ist die Welt eingerichtet fuer Journalisten, die auf dem Schoss der Geheimdienstleute sitzen und auf die Desinformation zum Fuellen ihrer Spalten warten.

KONKRET: Sie waren Staatssekretaer und Minister. Wie reagieren die Sozialdemokraten ihrer Generation - Leute wie Bahr und Schmidt - auf ihre Recherchen?

Von Buelow: Da gibt es keine Reaktion. Wer meine Analyse fuer richtig haelt, muesste auf Gegenkurs gehen. Wer sie fuer falsch haelt, muesste argumentieren koennen.


Andreas von Buelow Jahrgang 1937, hat seine Erfahrungen mit staatlicher Vertuschung gemacht. Im Schalck-Golodkowski-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages wurden ihm Erkenntnisse ueber die Stasi bereitwillig zur Verfuegung gestellt, doch sobald es um die Rolle der westlichen Geheimdienste ging, biss er auf Granit. Der fruehere Staatssekretaer im Verteidigungsministerium (1976-1980) und Bundesforschungsminister (1980-1982) hat ueber die »kriminellen Machenschaften der Geheimdienste« das Buch »Im Namen des Staates« verfasst und arbeitet heute als Anwalt.

Antworten
schmuggler:

gibt´s neue Folgen von Loriot? o.T.

 
22.02.02 18:17
Antworten
Schnorrer:

es wird nie wieder Folgen von Loriot geben

 
22.02.02 18:20
die Realität schlägt alles
Antworten
schmuggler:

Schnorrer

 
22.02.02 18:27
Frage an den Mann vom Fach: warum haben meine Weißweingläser immer einen weißen Schleier, wenn sie aus der Spülmaschine kommen? Die Rotweingläser sind dagegen vollkommen klar.


Schmuggler
Antworten
Schnorrer:

schmuggler

 
22.02.02 18:31
Ich nehme an, Du trinkst ausschließlich Rotwein.

Ich will jetzt aber nicht wissen, wozu Du Deine Weißweingläser benutzst.
Antworten
schmuggler:

Nein Schnorrer, ich wichse nicht in meine

 
22.02.02 18:35
Weißweingläser. Und Weißwein trinke ich gerne mal gegen den Durst
Antworten
Schnorrer:

Schade

 
22.02.02 18:38
das hätte vielleicht noch einen interessanten Thread ergeben.

Zu spät für Korrekturen.

GN8
Antworten
schmuggler:

Gute Nacht? o.T.

 
22.02.02 18:39
Antworten
Stox Dude:

Der Artikel spiegelt das wieder ,was ich

 
22.02.02 19:05
eigentlich von den Amis erwartet habe.
Seit Reagon tummelt sich der CIA verstaerkt im Mittleren Osten, Saddam wurde
von ihm mit Waffen beliefert, so auch Iran.
Die Republikaner sind bekannt dafuer eine Nahostkrise auszuloesen und
daran wird sich nichts aendern.
Der naechste Kriegsschauplatz wird Irak werden und das spaetestens
im Sommer diesen Jahres. Das Schlimme dabei ist, die Englaender folgen den
AMis wie Schosshuendchen und sagen zu allen Angriffen JA.
Die anderen europ. Laender, insbesondere die Deutschen, haben ueberhaupt
keine Aussagekraft.

Die Amis spielen , momentan mit den Israelis gemeinsam, Katz & Maus, und wir sehen taeglich deren "famous" Medienspektakel, CNN, CNBC, Wallstreet Journal,
New York Times, CBS usw, die uns genau das aufzeigen was die amerikanische
Regierung uns zeigen moechte, naemlich " die Islamisten" sind alle Terroristen
die wir im Zaum halten muessen. Seht euch mal BBC an, wieviel Stunden pro Tag
ueber Israel gesendet wird und dies in positiver Richtung.
Afghanistan und Irak Besetzungen werden den Rest der arabischen Welt fuer mehrere Jahre verstummen lassen (aus Angst),Israel erhaelt mehr Power in der Region, Palaestina wird nicht mehr von Arafat regiert werden usw.

Stellt euch einfach mal die Frage, was koennte fuer die Amis & evtl. Briten
an beiden Laendern so strategisch wichtig sein.
Antworten
Stox Dude:

schnorrer: hat Konkret eine website ?

 
22.02.02 19:13
 
Antworten
mod:

Für Stox Dude ..... mfG

 
22.02.02 20:58
www.konkret-verlage.de/redaktion/heft/heft.php4
Antworten
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