30.10.2000: TravelShop: Wann wieder nach oben?
Vom Dotcom-Verlierer wieder zur Wachstumsgesellschaft. Ein erster Bericht von einem mehrstündigen Gespräch der Redaktion mit den TravelShop-Vorständen Glenn Robertson und Robert Nichevich.
Die Kursabstürze, verbunden mit Negativmeldungen bei Internetfirmen zeigen, dass die besten Zeiten bei Dotcom-Aktien vorbei sind. Die Anleger sind mündiger geworden, hohe Verluste zur Wachstumsfinanzierung werden nicht mehr akzeptiert, die Frage nach Gewinnen stehen im Vordergrund.
Dementsprechend kritisch haben wir uns auf dieses Gespräch vorbereitet, hat doch die australische Travelshop Limited (ASX-Tickersymbol TVS, WKN 878.123) seit ihrem diesjährigen Höchststand über 80 Prozent Kursrückgang erlitten. Dies bedeutet andererseits für Neueinsteiger ein hohes Kurspotential, wenn man wieder mit einem Wiederaufleben des Internetbooms rechnet.
Brennend interessierte uns natürlich, wie das Unternehmen mit derzeit 80 Mitarbeitern (nach 120 Mitarbeitern im Hoch) auf die nunmehr geänderten Marktumstände reagiert, um wieder auf die Erfolgsstrasse zurückzukehren. Natürlich wollten wir auch eine bessere Investor Relation einmahnen, die unserer Meinung nach schwer im Argen liegt.
Am schärfsten in die Zange genommen haben wir naturgemäß den Vorstandsvorsitzenden, Mr. Glenn Robertson, der nun für die operative Führung der Gesellschaft verantwortlich ist. Seine Strategie kann man kurz mit „profitieren vom Internet bei gleichzeitigem starken Wachstum durch Akquisitionen von Reiseveranstaltern“ zusammenfassen. Da die Margen im Vertrieb äußerst gering sind und die laufenden Entwicklungen des e-Commerce bereits viel Geld verschlingen, erscheint das logisch. Auch ist der Wettbewerb in der Reiseindustrie enorm hoch, da viele Veranstalter (z.B. Fluglinien) ihr Angebot direkt ins Netz stellen oder große Reisebüroketten hohe Verluste in Kauf nehmen, nur um aggressiv im Internet Kunden zu akquirieren. Allerdings bleibt die Reiseindustrie eine der interessantesten Wachstumsbranchen, wie der Managing Director immer wieder hervorstreicht. Und Glenn Robertson weiß wovon er spricht! Immerhin bringt der ehemalige Profifußballer von einer Position als Geschäftsführer bei der zweiten großen australischen Fluglinie Ansett einiges an Erfahrung mit. Der aufgrund eines täglichen morgendlichen Joggings immer noch sehr sportlich wirkende 48järhige Manager überzeugt auch im Gespräch mit Ruhe und Kompetenz und reagiert auch auf scharfe Kritik mit Verständnis. Da er sich voll auf die Akquisition und das operative Geschäft stürzen möchte, verspricht er die baldige Einstellung eines IR- und PR-Managers, der die Gesellschaft aktiv nach außen vertritt. Dieser soll aus dem Investmentbanking kommen. Denn gleichauf mit einem Verbessern der Fundamentaldaten muss eine Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit kommen, damit der Aktienkurs wieder einmal nach oben laufen kann. Uns fehlen weiters Bankenanalysen.
Akquisitionen geplant
Über die angestrebten Akquisitionen zu berichten, ist ein relativ heikles Thema. Zum einen berichtet der Firmenboss freimütig über seine Strategie, zum anderen ersucht er um Verschwiegenheit, da die Verträge noch nicht unterschrieben sind. Wir glauben aber, dass eine ganz große Firmenübernahme vor der Türe steht. Aus vertraulichen Kreisen erfuhren wir, dass der Hauptgrund der Reise nach Europa darin bestand, mit Großinvestoren (vor allem aus der Schweiz!) die Finanzierung dieser Übernahme zu besprechen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Ad hoc-Mitteilungen der Gesellschaft akribisch zu verfolgen, um am Ball zu bleiben. Die Zeit für Firmenübernahmen erscheint jedenfalls günstig, erläutert Glenn Robertson. Aufgrund der schwierigen Marktsituation werden die nicht börsennotierten Reisefirmen derzeit so billig wie noch nie gehandelt!
Jedenfalls ist es das erklärte Ziel von Robertson, aus der TravelShop Limited eine auch international agierende, profitable Reisegruppe zu formen. Uns würde es jedenfalls freuen, wenn sich die Firma unter seiner Führung zu einer profitablen Wachstumsgesellschaft wandelt!
Viele weitere Fragen!
Wie wir uns im Rahmen einer Redaktionssitzung auf dieses Gespräch vorbereitet haben, tauchten von allen Seiten viele weitere Fragen auf. So interessierten uns u.a. die Umstände rund um die Entlassung vom vormaligen Vorstandsvorsitzenden Alan Dodson, der Einfluss der olympischen Spiele auf Travelshop, wie es mit der Coles Myer-Kooperation läuft, wie es rund um die Phil Asker-Übernahme aussieht und ob eine Europa-Expansion geplant ist. Nicht nur einmal verwies Glenn Robertson im Gespräch darauf, dass er erst im Juni bei TravelShop Limited angefangen hat und vor allem an einer positiven Neuausrichtung für die Zukunft arbeitet. Daran will er gemessen werden, für Fehler der Vergangenheit kann er nichts. Auch der TravelShop-Hauptaktionär Rob Nichevich, dessen Anteil in guten Zeiten weit über 30 Millionen Australische Dollar wert war und der den Herrn aus Melbourne angeheuert hat, steht voll hinter seinem neuen Top-Mann, wie er uns zusichert. „Glenn wird mir mein Geld zurückverdienen“, so tönt es vollmundig von Nichevich. Uns hat der charismatische Manager Glenn Robertson vorerst einmal positiv gestimmt und wir werden die weitere Entwicklung genau verfolgen.
Vom Dotcom-Verlierer wieder zur Wachstumsgesellschaft. Ein erster Bericht von einem mehrstündigen Gespräch der Redaktion mit den TravelShop-Vorständen Glenn Robertson und Robert Nichevich.
Die Kursabstürze, verbunden mit Negativmeldungen bei Internetfirmen zeigen, dass die besten Zeiten bei Dotcom-Aktien vorbei sind. Die Anleger sind mündiger geworden, hohe Verluste zur Wachstumsfinanzierung werden nicht mehr akzeptiert, die Frage nach Gewinnen stehen im Vordergrund.
Dementsprechend kritisch haben wir uns auf dieses Gespräch vorbereitet, hat doch die australische Travelshop Limited (ASX-Tickersymbol TVS, WKN 878.123) seit ihrem diesjährigen Höchststand über 80 Prozent Kursrückgang erlitten. Dies bedeutet andererseits für Neueinsteiger ein hohes Kurspotential, wenn man wieder mit einem Wiederaufleben des Internetbooms rechnet.
Brennend interessierte uns natürlich, wie das Unternehmen mit derzeit 80 Mitarbeitern (nach 120 Mitarbeitern im Hoch) auf die nunmehr geänderten Marktumstände reagiert, um wieder auf die Erfolgsstrasse zurückzukehren. Natürlich wollten wir auch eine bessere Investor Relation einmahnen, die unserer Meinung nach schwer im Argen liegt.
Am schärfsten in die Zange genommen haben wir naturgemäß den Vorstandsvorsitzenden, Mr. Glenn Robertson, der nun für die operative Führung der Gesellschaft verantwortlich ist. Seine Strategie kann man kurz mit „profitieren vom Internet bei gleichzeitigem starken Wachstum durch Akquisitionen von Reiseveranstaltern“ zusammenfassen. Da die Margen im Vertrieb äußerst gering sind und die laufenden Entwicklungen des e-Commerce bereits viel Geld verschlingen, erscheint das logisch. Auch ist der Wettbewerb in der Reiseindustrie enorm hoch, da viele Veranstalter (z.B. Fluglinien) ihr Angebot direkt ins Netz stellen oder große Reisebüroketten hohe Verluste in Kauf nehmen, nur um aggressiv im Internet Kunden zu akquirieren. Allerdings bleibt die Reiseindustrie eine der interessantesten Wachstumsbranchen, wie der Managing Director immer wieder hervorstreicht. Und Glenn Robertson weiß wovon er spricht! Immerhin bringt der ehemalige Profifußballer von einer Position als Geschäftsführer bei der zweiten großen australischen Fluglinie Ansett einiges an Erfahrung mit. Der aufgrund eines täglichen morgendlichen Joggings immer noch sehr sportlich wirkende 48järhige Manager überzeugt auch im Gespräch mit Ruhe und Kompetenz und reagiert auch auf scharfe Kritik mit Verständnis. Da er sich voll auf die Akquisition und das operative Geschäft stürzen möchte, verspricht er die baldige Einstellung eines IR- und PR-Managers, der die Gesellschaft aktiv nach außen vertritt. Dieser soll aus dem Investmentbanking kommen. Denn gleichauf mit einem Verbessern der Fundamentaldaten muss eine Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit kommen, damit der Aktienkurs wieder einmal nach oben laufen kann. Uns fehlen weiters Bankenanalysen.
Akquisitionen geplant
Über die angestrebten Akquisitionen zu berichten, ist ein relativ heikles Thema. Zum einen berichtet der Firmenboss freimütig über seine Strategie, zum anderen ersucht er um Verschwiegenheit, da die Verträge noch nicht unterschrieben sind. Wir glauben aber, dass eine ganz große Firmenübernahme vor der Türe steht. Aus vertraulichen Kreisen erfuhren wir, dass der Hauptgrund der Reise nach Europa darin bestand, mit Großinvestoren (vor allem aus der Schweiz!) die Finanzierung dieser Übernahme zu besprechen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Ad hoc-Mitteilungen der Gesellschaft akribisch zu verfolgen, um am Ball zu bleiben. Die Zeit für Firmenübernahmen erscheint jedenfalls günstig, erläutert Glenn Robertson. Aufgrund der schwierigen Marktsituation werden die nicht börsennotierten Reisefirmen derzeit so billig wie noch nie gehandelt!
Jedenfalls ist es das erklärte Ziel von Robertson, aus der TravelShop Limited eine auch international agierende, profitable Reisegruppe zu formen. Uns würde es jedenfalls freuen, wenn sich die Firma unter seiner Führung zu einer profitablen Wachstumsgesellschaft wandelt!
Viele weitere Fragen!
Wie wir uns im Rahmen einer Redaktionssitzung auf dieses Gespräch vorbereitet haben, tauchten von allen Seiten viele weitere Fragen auf. So interessierten uns u.a. die Umstände rund um die Entlassung vom vormaligen Vorstandsvorsitzenden Alan Dodson, der Einfluss der olympischen Spiele auf Travelshop, wie es mit der Coles Myer-Kooperation läuft, wie es rund um die Phil Asker-Übernahme aussieht und ob eine Europa-Expansion geplant ist. Nicht nur einmal verwies Glenn Robertson im Gespräch darauf, dass er erst im Juni bei TravelShop Limited angefangen hat und vor allem an einer positiven Neuausrichtung für die Zukunft arbeitet. Daran will er gemessen werden, für Fehler der Vergangenheit kann er nichts. Auch der TravelShop-Hauptaktionär Rob Nichevich, dessen Anteil in guten Zeiten weit über 30 Millionen Australische Dollar wert war und der den Herrn aus Melbourne angeheuert hat, steht voll hinter seinem neuen Top-Mann, wie er uns zusichert. „Glenn wird mir mein Geld zurückverdienen“, so tönt es vollmundig von Nichevich. Uns hat der charismatische Manager Glenn Robertson vorerst einmal positiv gestimmt und wir werden die weitere Entwicklung genau verfolgen.