Aktuelle Markteinschätzung: Der SPY schloss bei 773,26 Punkten, ein Plus von 0,61 %. Auf den ersten Blick wirkt das Umfeld „Risk-on“, doch die Details sind komplexer. Kurse, Stimmung und Gamma sind unterstützend, gleichzeitig zeigen Market-Tide- und Darkpool-Daten deutlichen Verkaufsdruck, insbesondere bei SPY und QQQ. Der makroökonomische Hintergrund war entscheidend: Nach den schwachen US-Arbeitsmarktdaten preist der Markt wieder stärker ein, dass die Fed möglicherweise nicht weiter straffen kann. Der S&P 500 schloss auf Rekordhoch, da die schwachen Beschäftigungsdaten die Sorgen vor weiteren Zinserhöhungen reduzierten. Die Beschäftigung sank unerwartet um 23.000 Stellen, wodurch die Treasury-Renditen fielen und Aktien unterstützt wurden. Der Markt wertete die schlechten Daten zunächst nicht als Rezessionssignal, sondern als Hinweis auf nachlassenden Fed-Druck. Dieses Gleichgewicht ist jedoch fragil. Gleichzeitig bleiben die geopolitischen Risiken rund um die Straße von Hormus und den Iran-Krieg bestehen. Vor allem steigende Ölpreise bleiben das wichtigste geopolitische Risiko für die Inflationsentwicklung.
Einige High-Beta-, KI- und Wachstumswerte entwickelten sich stark. Die Bewegung war daher nicht rein defensiv, allerdings gab es auch keine breit angelegte Jagd nach Calls. Die Führung durch KI- und Wachstumswerte versucht zurückzukehren, bleibt aber selektiv und ist noch kein gleichmäßig breites „Risk-on“-Signal.
Bei SPY zeigt Market Tide ein NPP von -338 Mio. und ein NCP von -170 Mio. Der Put-Aufschlag wird zwar abgebaut, gleichzeitig nimmt aber auch der Call-Aufschlag ab. Der Put-Druck lässt nach, doch Anleger verfolgen den Anstieg nicht aggressiv über neue Call-Nachfrage. Deshalb ist die Qualität des Anstiegs trotz höherer Kurse nicht uneingeschränkt stark. Zusammen mit den Darkpool-Verkäufen bei SPY und QQQ spricht dies eher für eine Kombination aus Zinserleichterung nach den schwachen Arbeitsmarktdaten, einer selektiven Erholung von Wachstumswerten und dem Abbau von Put-Positionen als für eine breite Rückkehr zu „Risk-on“.
Marktausblick: Die wichtigsten SPX-Marken liegen bei etwa 7.755 Punkten als aktuellem Niveau, 7.750 als Put Wall, 7.788,17 als Gamma Flip und 7.900 als Call Wall. Das Volatilitätsregime befindet sich im Übergang. Die Zone um 7.750 ist die wichtigste kurzfristige Unterstützung. Solange der SPX darüber bleibt, kann der Markt Rücksetzer auffangen und erneut 7.788/7.800 antesten. Da der Gamma Flip bei 7.788,17 liegt und der SPX noch nicht klar darüber ist, befindet sich der Markt weiterhin in einer Übergangszone. Kleine Nachrichten können deshalb kurzfristig starke Bewegungen in beide Richtungen auslösen. Ein Anstieg über 7.788/7.800 würde 7.900 wieder zum Hauptziel machen. Fällt 7.750, liegen die nächsten Unterstützungen bei 7.730/7.720 und anschließend 7.700. Ein Schlusskurs unter 7.700 könnte aus der kontrollierten Konsolidierung eine ernstere Korrektur werden lassen.
Die Zero-DTE- und Weekly-DTE-Struktur ist insgesamt schwächer als die Kursentwicklung. Die Aktienseite ist mit NPP -20,36 Mio. und NCP +5,41 Mio. relativ stärker, während die Indexseite mit NPP -2,03 Mio. und NCP -2,30 Mio. schwächer ist. Auch die ETF-Seite ist mit NPP -888.000 und NCP -12,22 Mio. schwach. Insgesamt zeigen die 0DTE- und Weekly-Daten daher keine besonders starke Bestätigung des Kursanstiegs.
Das Gamma unterstützt die Kurse: Open Interest, Volumen-Gamma und directionalisiertes Volumen sind positiv. Dadurch können Dealer Verkaufsdruck abfedern und eine Rückkehr zum Mittelwert begünstigen. Deshalb brechen Rücksetzer derzeit nicht leicht nach unten durch. Gleichzeitig befindet sich die Gamma-Struktur in einer Übergangsphase – weder besonders stabilisierend noch gefährlich verstärkend. Da der Kurs sehr nahe am Gamma Flip liegt, könnten kleine Katalysatoren schnell zu einem Regimewechsel führen. 7.750 bleibt die wichtigste Unterstützung, 7.788/7.800 die entscheidende Zone für eine bullischere Bestätigung und 7.900 das nächste größere Ziel.
Die Darkpool-Daten waren gemischt. Besonders wichtig: SPY verzeichnete 2,64 Mrd. USD Nettoverkäufe, QQQ 591,3 Mio. USD. Institutionelle Anleger verkaufen also weiterhin, während die Indizes steigen, und nutzen die Rally offenbar teilweise zur Gewinnmitnahme. Die Marktstimmung liegt mit 68 Punkten im Bereich „Greed“. Volatilität (85), Bond & Risk (81), Market Momentum (79,8) und Options Sentiment (73,9) sind weiterhin solide. Das interne Bild bleibt jedoch problematisch: Market Breadth liegt nur bei 36 und Stock Price Strength bei 32,2. Der Index steigt also, aber die Marktteilnahme ist nicht breit genug. Solange ein starker Trend anhält, muss das kein Problem sein; auf erhöhtem Kursniveau macht eine schwache Marktbreite den Markt jedoch anfälliger für eine Korrektur.
Der Premium Trend ist mit 100 sehr stark und unterstützt den Markt weiterhin. Wegen des negativen NCP in den heutigen Market-Tide-Daten sollte dies jedoch nicht als uneingeschränkt positives Signal interpretiert werden. Insgesamt bleibt die Stimmung positiv, während der kurzfristige Orderflow vorsichtig ist. Die großen Marktführer sind weiterhin stark, die interne Beteiligung ist jedoch schwach. Solange Volatilität, Bond & Risk, Momentum und Options Sentiment hoch bleiben, hat sich das grundlegende Risikoregime nicht verschlechtert und der Markt bleibt im „Buy-the-Dip“-Modus. Entscheidend wären in den kommenden Tagen eine Market Breadth von über 50 und ein wieder positiver NCP bei Market Tide.
Fazit: Der Markt signalisiert weiterhin „Risk-on“, gleichzeitig gibt es Anzeichen für Distribution im Hintergrund. Die schwachen Arbeitsmarktdaten reduzieren den Druck auf die Fed und stützen vor allem Wachstumswerte. Allerdings könnten anhaltend schwache Arbeitsmarktdaten später von einem positiven Fed-Signal zu einem Rezessionssignal werden. Noch ist dieser Punkt nicht erreicht. Das größte geopolitische Risiko bleibt die Straße von Hormus: Sollte der Ölpreis wegen neuer Unsicherheit deutlich steigen, könnte dies den positiven Inflationseffekt der schwachen Arbeitsmarktdaten wieder zunichtemachen und der Fed weniger Spielraum geben.
Kurzfristig kann die kontrollierte Aufwärtsbewegung weitergehen, für eine nachhaltige Rally muss sich jedoch das Hormus-/Ölrisiko entspannen. Insgesamt sieht der Markt gut aus: weniger Fed-Druck unterstützt Growth, die Gamma-Struktur kann Rücksetzer abfedern und die Stimmung bleibt stark. Gleichzeitig verhindern die Darkpool-Verkäufe bei SPY und QQQ, der negative NCP und die schwache Marktbreite ein uneingeschränkt positives Bild. KI bleibt führend, allerdings zunehmend selektiv. Daher wurde das Risiko leicht erhöht, während stabilisierende Positionen wie GLD und LLY zur Balance beitragen können. Bei Rücksetzern kann die Cash-Reserve eingesetzt werden. Entscheidend ist jedoch, nicht blind in High-Beta-Werte zu gehen, sondern starke Marktführer zu halten und bei schwächeren Titeln selektiv zu bleiben.
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