ftd.de, Mo, 8.4.2002, 2:00
2003 wieder mehr Dividende
Von Sven Scheffler
In diesem Jahr müssen viele Aktionäre von Dax-Firmen satte Dividendenkürzungen hinnehmen. Insgesamt wird ein Rückgang um 30 Prozent erwartet. Doch die Aussicht für das kommende Jahr ist schon wieder rosig.

Pünktlich zum Frühlingsbeginn traf Ron Sommers Breitseite vor allem einen: Bundesfinanzminister Hans Eichel. Gerade noch hatte Eichel den blauen Brief aus Brüssel wegen eines bedrohlich hohen Staatsdefizits in diesem Jahr abwehren können, da präsentierte ihm der Vorstandschef der Deutschen Telekom eine deutliche Dividendenkürzung. Angesichts des immensen Schuldenstandes und tiefroter Zahlen im operativen Geschäft kürzte der Bonner Telekomkonzern die Dividende um satte 40 Prozent. Für Hans Eichel, den Kassenwart des Hauptaktionärs, fallen so rund 420 Mio. Euro fest eingeplante Einnahmen weg, was ein neues großes Loch in den ohnehin schon löchrigen Bundeshaushalt riss. Bitter für den Sparkommissar.
Nicht minder heftig traf es zahlreiche Privatinvestoren. Vor allem Anleger, bei denen die verlässliche jährliche Ausschüttung wesentliches Anlagekriterium ist, schauen unter diesen Umständen in die Röhre. Und die Telekom steht mit ihrer Kürzung keineswegs alleine da. Insgesamt 13 der 30 Dax-Unternehmen schütten in der Dividendensaison 2002 - also bei ihren Dividendenzahlungen in diesem Jahr für das Geschäftsjahr 2001 - weniger Gewinn an die Aktionäre aus (siehe Tabelle unten). Drei Unternehmen, Epcos, Infineon und Deutsche Lufthansa, zahlen 2002 nach teilweise dramatischen Verlusten sogar gar nichts aus - und werden nach Schätzungen der Deutschen Bank auch nächstes Jahr nichts zahlen. Und auch bei ThyssenKrupp gibt es 2003 nichts zu holen.
MLP zahlt mehr
Immerhin: Nicht alle Blue Chips setzen Ihre Anteilseigner auf Diät. Zehn Unternehmen wollen gegen den Trend die Ausschüttungen an die Aktionäre erhöhen. Etwa der Finanzdienstleister MLP, der dieses Jahr 40 Prozent mehr Dividende zahlt als 2001 - und 2003 dann noch mal 13 Prozent mehr ausschütten will (siehe Tabelle). Die Deutsche Post wird am 8. April bekannt geben, wie viel Dividende sie zahlen will. Die Deutsche Bank geht von 0,37 Cent pro Aktie aus, was einer Steigerung im Vergleich zum Vorjahr von 37 Prozent gleichkäme.
Dennoch: Summa summarum sinken die Dividenden nach dem Rekordjahr 2001, in dem knapp 15 Mrd. Euro anfielen, um etwa 30 Prozent auf 10,6 Mrd. Euro. "Nach der schlechten Kursentwicklung ist der Dividendenausfall für viele Aktionäre eine weitere Enttäuschung", sagt Petra Kröll, Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Atmende Dividende

Die deutschen Großunternehmen stehen mit ihrer Dividendenpolitik vor einem Dilemma. Viele Kleinanleger schielen auf hohe Dividenden. Allerdings ist das nicht immer sinnvoll. "Die Dividende muss atmen können", sagt Aktienstratege Ralf Zimmermann von der Privatbank Sal. Oppenheim. Im Klartext: Wenn die Gewinne aus dem operativen Geschäft sinken oder gar Verluste gemacht werden, muss sich das auch bei der Gewinnbeteiligung bemerkbar machen. Eine mehr oder weniger konstante Dividende, die aus der Unternehmenssubstanz gezahlt wird, überzeugt Zimmermann wenig. "Bei der Telekom ging es immerhin um rund eine Mrd. Euro. Die Sparmaßnahme hilft nun, die Schuldenlast zu senken. Und die Reaktion des Marktes zeigt, dass genau das für Anleger im Vordergrund steht." Denn als die Dividendenkürzung Mitte März bekannt gegeben wurde, zog der Kurs der Telekom an.
In der Vergangenheit hat sich das Gros der Firmen meist für Dividendenkontinuität entschieden. "Viele Unternehmen hielten die Dividende trotz sinkender Erträge konstant", sagt Kröll. Doch auch für die Aktionärsschützerin ist die Kontinuität kein Wert an sich: "Die Zahlungen müssen die Ertragssituation widerspiegeln. Was nützen Aktionären ein paar Euro mehr, wenn die Firma dafür hohe Zinsen zahlen muss und seine Substanz aushöhlt."
So sind die Anleger gemessen am Gewinneinbruch vergleichsweise glimpflich davongekommen. Entscheidende Kennziffer ist das Pay-Out-Ratio. Dabei wird die Dividendenrendite in Relation zum Verlauf des Dax-Index betrachtet. Nachdem die Auszahlungsquote in den vergangenen Jahren konstant bei etwa 40 Prozent lag, steigt diese nun auf rund 70 Prozent an (siehe Charts oben rechts). Im Schnitt schütten die Dax-Firmen also zwei Drittel ihrer Gewinne aus. Einige Kandidaten greifen dabei sehr tief in die Schatulle: BASF bedient seine Aktionäre aus der Substanz: Die Pay-Out-Ratio beträgt 146 Prozent. Noch großzügiger zeigt sich die Commerzbank - trotz der von Analysten erwarteten Dividendenkürzung um 50 Prozent auf 40 Cents je Papier. Denn zugleich wird ein Gewinneinbruch von 97 Prozent erwartet. Damit ergibt sich eine Auszahlungsquote von 571 Prozent.
Signal für Finanzkraft
An den Finanzmärkten spielen Dividenden eine bedeutende Rolle. Theoretisch zeigt zwar das Miller-Modigliani-Theorem, dass die Dividendenpolitik keine Auswirkungen auf Anlageentscheidungen und den Unternehmenswert hat. Empirisch lässt sich die Korrelation zwischen Dividendenschritten und Aktienkurs aber belegen. "Die Dividende ist auch ein Signal an die Investoren über Finanzkraft und Cash-Flows", sagt Ingo Schmitz, Aktienstratege bei der Deutschen Bank. Denn mit der Dividendenzahlung wird signalisiert, so die Argumentation, dass es sich die Firma leisten kann auszuschütten, ohne den Geschäftsbetrieb in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen.
Dabei zeigt ein Blick ins Jahr 2003, dass sich die Anleger nach der diesjährigen Dividenden-Durststrecke durchaus Hoffnungen machen können auf wieder steigende Auszahlungen. "Die Unternehmensgewinne werden in diesem Jahr wieder zulegen", sagt Schmitz. Und mit den steigenden Gewinnen können Anleger auch wieder auf einträgliche Dividenden- und Kursgewinne spekulieren.
Vor allem der Wegfall der Kapitalertragssteuer seit Anfang dieses Jahres wird sich in den Bilanzen spürbar bemerkbar machen. Was den Dividendenzahlungen im kommenden Jahr auch Rückenwind verleihen dürfte. So erzielte Eon im Januar durch den Verkauf seiner Beteiligung an VAW Aluminium Erlöse von 1,1 Mrd. Euro - steuerfrei wohlgemerkt. Siemens platzierte weitere 40 Millionen Aktien von Infineon. Und die Deutsche Bank reduzierte ihre 27,6-prozentige Beteiligung an der Nürnberger Versicherungsgruppe auf unter fünf Prozent. "Die Bereinigung der Beteiligungsportfolios beschert den Firmen enorme Veräußerungsgewinne", sagt Schmitz.
Dividendenfavoriten im Dax

Im Schnitt werden die Dividenden 2003 wieder deutlich zulegen. Sogar beim Dividenden-Ausreißer MLP, der seine Ausschüttungen zum wiederholten Male erhöht hat, rechnen die Analysten der Deutschen Bank mit einem neuerlichen Dividendenplus. Weitere Top-Favoriten für steigende Dividende sind die Deutsche Post, Eon, Henkel, Linde, Münchener Rück und Fresenius Medical Care.
Bei der von der Luftfahrtkrise gebeutelten Lufthansa hingegen scheint trotz einer absehbaren Besserung des Geschäfts eine Rückkehr in die Gewinnzone fraglich. Die Dividende wird wohl auch im nächsten Jahr ausfallen. Auch bei den Siemens-Spin-Offs Epcos und Infineon bleibt Schmalhans Küchenmeister. Der anziehenden Konjunktur auf dem Halbleitermarkt zum Trotz bleiben etwaige Gewinnausschüttungen für 2002 Makulatur.
Bei den Banken ergibt sich hinsichtlich der Gewinnerwartungen ein diffuses Bild. Die Holzmann-Pleite und die unsichere Situation bei Kirch drohen 2002 tiefe Furchen in den Bankbilanzen zu hinterlassen. Zusätzlich droht ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH), die Bilanzen zu verhageln. Am 9. April verliest der BGH ein für die Banker brisantes Urteil. Darin nehmen die Rechtshüter zu der Frage Stellung, ob bei Immobilienkrediten, die an der Haustür geschlossen wurden, auch Jahre später ein Rücktrittsrecht gilt. Wenn der BGH diese Frage bejaht, kommen auf die Kreditinstitute immense finanzielle Risiken zu. Milliardenschwere Rückstellungen werden dann in diesem Jahr notwendig. Besonders betroffen ist dabei die HypoVereinsbank, die Anfang der 90er Jahre über 100.000 Kreditverträge mit einem Volumen von mehr als 13 Mrd. Euro über Vermittler abgeschlossen hat.
Das Gros der Dax-Werte hingegen lässt eine erfreuliche Dividendenentwicklung erwarten. Und im Portfolio von Hans Eichel mausert sich die Deutsche Post. Die Synergien des von Vorstandschef Klaus Zumwinkel geknüpften Logistik-Netzwerkes greifen. Und das staatlich geschützte Briefmonopol beflügelt die Gewinne ebenfalls. Bei der Deutschen Telekom wiederum dürften die Dividendenzahlungen 2003 wenigstens nicht zurückgehen. Neue Hiobsbotschaften für Hans Eichel werden börsenseitig also wohl ausbleiben.
2003 wieder mehr Dividende
Von Sven Scheffler
In diesem Jahr müssen viele Aktionäre von Dax-Firmen satte Dividendenkürzungen hinnehmen. Insgesamt wird ein Rückgang um 30 Prozent erwartet. Doch die Aussicht für das kommende Jahr ist schon wieder rosig.

Pünktlich zum Frühlingsbeginn traf Ron Sommers Breitseite vor allem einen: Bundesfinanzminister Hans Eichel. Gerade noch hatte Eichel den blauen Brief aus Brüssel wegen eines bedrohlich hohen Staatsdefizits in diesem Jahr abwehren können, da präsentierte ihm der Vorstandschef der Deutschen Telekom eine deutliche Dividendenkürzung. Angesichts des immensen Schuldenstandes und tiefroter Zahlen im operativen Geschäft kürzte der Bonner Telekomkonzern die Dividende um satte 40 Prozent. Für Hans Eichel, den Kassenwart des Hauptaktionärs, fallen so rund 420 Mio. Euro fest eingeplante Einnahmen weg, was ein neues großes Loch in den ohnehin schon löchrigen Bundeshaushalt riss. Bitter für den Sparkommissar.
Nicht minder heftig traf es zahlreiche Privatinvestoren. Vor allem Anleger, bei denen die verlässliche jährliche Ausschüttung wesentliches Anlagekriterium ist, schauen unter diesen Umständen in die Röhre. Und die Telekom steht mit ihrer Kürzung keineswegs alleine da. Insgesamt 13 der 30 Dax-Unternehmen schütten in der Dividendensaison 2002 - also bei ihren Dividendenzahlungen in diesem Jahr für das Geschäftsjahr 2001 - weniger Gewinn an die Aktionäre aus (siehe Tabelle unten). Drei Unternehmen, Epcos, Infineon und Deutsche Lufthansa, zahlen 2002 nach teilweise dramatischen Verlusten sogar gar nichts aus - und werden nach Schätzungen der Deutschen Bank auch nächstes Jahr nichts zahlen. Und auch bei ThyssenKrupp gibt es 2003 nichts zu holen.
MLP zahlt mehr
Immerhin: Nicht alle Blue Chips setzen Ihre Anteilseigner auf Diät. Zehn Unternehmen wollen gegen den Trend die Ausschüttungen an die Aktionäre erhöhen. Etwa der Finanzdienstleister MLP, der dieses Jahr 40 Prozent mehr Dividende zahlt als 2001 - und 2003 dann noch mal 13 Prozent mehr ausschütten will (siehe Tabelle). Die Deutsche Post wird am 8. April bekannt geben, wie viel Dividende sie zahlen will. Die Deutsche Bank geht von 0,37 Cent pro Aktie aus, was einer Steigerung im Vergleich zum Vorjahr von 37 Prozent gleichkäme.
Dennoch: Summa summarum sinken die Dividenden nach dem Rekordjahr 2001, in dem knapp 15 Mrd. Euro anfielen, um etwa 30 Prozent auf 10,6 Mrd. Euro. "Nach der schlechten Kursentwicklung ist der Dividendenausfall für viele Aktionäre eine weitere Enttäuschung", sagt Petra Kröll, Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Atmende Dividende

Die deutschen Großunternehmen stehen mit ihrer Dividendenpolitik vor einem Dilemma. Viele Kleinanleger schielen auf hohe Dividenden. Allerdings ist das nicht immer sinnvoll. "Die Dividende muss atmen können", sagt Aktienstratege Ralf Zimmermann von der Privatbank Sal. Oppenheim. Im Klartext: Wenn die Gewinne aus dem operativen Geschäft sinken oder gar Verluste gemacht werden, muss sich das auch bei der Gewinnbeteiligung bemerkbar machen. Eine mehr oder weniger konstante Dividende, die aus der Unternehmenssubstanz gezahlt wird, überzeugt Zimmermann wenig. "Bei der Telekom ging es immerhin um rund eine Mrd. Euro. Die Sparmaßnahme hilft nun, die Schuldenlast zu senken. Und die Reaktion des Marktes zeigt, dass genau das für Anleger im Vordergrund steht." Denn als die Dividendenkürzung Mitte März bekannt gegeben wurde, zog der Kurs der Telekom an.
In der Vergangenheit hat sich das Gros der Firmen meist für Dividendenkontinuität entschieden. "Viele Unternehmen hielten die Dividende trotz sinkender Erträge konstant", sagt Kröll. Doch auch für die Aktionärsschützerin ist die Kontinuität kein Wert an sich: "Die Zahlungen müssen die Ertragssituation widerspiegeln. Was nützen Aktionären ein paar Euro mehr, wenn die Firma dafür hohe Zinsen zahlen muss und seine Substanz aushöhlt."
So sind die Anleger gemessen am Gewinneinbruch vergleichsweise glimpflich davongekommen. Entscheidende Kennziffer ist das Pay-Out-Ratio. Dabei wird die Dividendenrendite in Relation zum Verlauf des Dax-Index betrachtet. Nachdem die Auszahlungsquote in den vergangenen Jahren konstant bei etwa 40 Prozent lag, steigt diese nun auf rund 70 Prozent an (siehe Charts oben rechts). Im Schnitt schütten die Dax-Firmen also zwei Drittel ihrer Gewinne aus. Einige Kandidaten greifen dabei sehr tief in die Schatulle: BASF bedient seine Aktionäre aus der Substanz: Die Pay-Out-Ratio beträgt 146 Prozent. Noch großzügiger zeigt sich die Commerzbank - trotz der von Analysten erwarteten Dividendenkürzung um 50 Prozent auf 40 Cents je Papier. Denn zugleich wird ein Gewinneinbruch von 97 Prozent erwartet. Damit ergibt sich eine Auszahlungsquote von 571 Prozent.
Signal für Finanzkraft
An den Finanzmärkten spielen Dividenden eine bedeutende Rolle. Theoretisch zeigt zwar das Miller-Modigliani-Theorem, dass die Dividendenpolitik keine Auswirkungen auf Anlageentscheidungen und den Unternehmenswert hat. Empirisch lässt sich die Korrelation zwischen Dividendenschritten und Aktienkurs aber belegen. "Die Dividende ist auch ein Signal an die Investoren über Finanzkraft und Cash-Flows", sagt Ingo Schmitz, Aktienstratege bei der Deutschen Bank. Denn mit der Dividendenzahlung wird signalisiert, so die Argumentation, dass es sich die Firma leisten kann auszuschütten, ohne den Geschäftsbetrieb in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen.
Dabei zeigt ein Blick ins Jahr 2003, dass sich die Anleger nach der diesjährigen Dividenden-Durststrecke durchaus Hoffnungen machen können auf wieder steigende Auszahlungen. "Die Unternehmensgewinne werden in diesem Jahr wieder zulegen", sagt Schmitz. Und mit den steigenden Gewinnen können Anleger auch wieder auf einträgliche Dividenden- und Kursgewinne spekulieren.
Vor allem der Wegfall der Kapitalertragssteuer seit Anfang dieses Jahres wird sich in den Bilanzen spürbar bemerkbar machen. Was den Dividendenzahlungen im kommenden Jahr auch Rückenwind verleihen dürfte. So erzielte Eon im Januar durch den Verkauf seiner Beteiligung an VAW Aluminium Erlöse von 1,1 Mrd. Euro - steuerfrei wohlgemerkt. Siemens platzierte weitere 40 Millionen Aktien von Infineon. Und die Deutsche Bank reduzierte ihre 27,6-prozentige Beteiligung an der Nürnberger Versicherungsgruppe auf unter fünf Prozent. "Die Bereinigung der Beteiligungsportfolios beschert den Firmen enorme Veräußerungsgewinne", sagt Schmitz.
Dividendenfavoriten im Dax

Im Schnitt werden die Dividenden 2003 wieder deutlich zulegen. Sogar beim Dividenden-Ausreißer MLP, der seine Ausschüttungen zum wiederholten Male erhöht hat, rechnen die Analysten der Deutschen Bank mit einem neuerlichen Dividendenplus. Weitere Top-Favoriten für steigende Dividende sind die Deutsche Post, Eon, Henkel, Linde, Münchener Rück und Fresenius Medical Care.
Bei der von der Luftfahrtkrise gebeutelten Lufthansa hingegen scheint trotz einer absehbaren Besserung des Geschäfts eine Rückkehr in die Gewinnzone fraglich. Die Dividende wird wohl auch im nächsten Jahr ausfallen. Auch bei den Siemens-Spin-Offs Epcos und Infineon bleibt Schmalhans Küchenmeister. Der anziehenden Konjunktur auf dem Halbleitermarkt zum Trotz bleiben etwaige Gewinnausschüttungen für 2002 Makulatur.
Bei den Banken ergibt sich hinsichtlich der Gewinnerwartungen ein diffuses Bild. Die Holzmann-Pleite und die unsichere Situation bei Kirch drohen 2002 tiefe Furchen in den Bankbilanzen zu hinterlassen. Zusätzlich droht ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH), die Bilanzen zu verhageln. Am 9. April verliest der BGH ein für die Banker brisantes Urteil. Darin nehmen die Rechtshüter zu der Frage Stellung, ob bei Immobilienkrediten, die an der Haustür geschlossen wurden, auch Jahre später ein Rücktrittsrecht gilt. Wenn der BGH diese Frage bejaht, kommen auf die Kreditinstitute immense finanzielle Risiken zu. Milliardenschwere Rückstellungen werden dann in diesem Jahr notwendig. Besonders betroffen ist dabei die HypoVereinsbank, die Anfang der 90er Jahre über 100.000 Kreditverträge mit einem Volumen von mehr als 13 Mrd. Euro über Vermittler abgeschlossen hat.
Das Gros der Dax-Werte hingegen lässt eine erfreuliche Dividendenentwicklung erwarten. Und im Portfolio von Hans Eichel mausert sich die Deutsche Post. Die Synergien des von Vorstandschef Klaus Zumwinkel geknüpften Logistik-Netzwerkes greifen. Und das staatlich geschützte Briefmonopol beflügelt die Gewinne ebenfalls. Bei der Deutschen Telekom wiederum dürften die Dividendenzahlungen 2003 wenigstens nicht zurückgehen. Neue Hiobsbotschaften für Hans Eichel werden börsenseitig also wohl ausbleiben.