ftd.de, Do, 13.9.2001, 11:03
Nato bereitet Militärschlag vor
Nach den Terroranschlägen mit wahrscheinlich mehreren tausend Toten bereiten sich die USA militärisch und diplomatisch auf einen Vergeltungsschlag vor. Dabei zeichnet sich eine weltweite Allianz ab.
Die US-Regierung hatte am Mittwochabend die offizielle Unterstützung der Nato bekommen. Russland und China schlossen ihre Unterstützung nicht aus. Nato-Generalsekretär George Robertson teilte am Mittwochabend nach einer Sondersitzung des Nordatlantikrates in Brüssel mit, die Allianz betrachte die Terroranschläge als Angriff auf das gesamte Bündnis. Damit wären zum ersten Mal alle Nato-Mitglieder zur gemeinsamen Verteidigung verpflichtet. Voraussetzung ist, dass die Anschläge von einem fremden Staat aus eingeleitet wurden.
In den USA verdichten sich die Anzeichen für einen bevorstehenden Vergeltungsschlag für die verheerenden Terroranschläge. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte in einer am späten Mittwochabend aufgezeichneten Botschaft an die Truppen: "Sehr, sehr viel wird von euch in den nächsten Wochen und Monaten verlangt werden. Das gilt vor allem für diejenigen draußen im Feld. Wir stehen mächtigen und schrecklichen Feinden gegenüber, und wir haben die Absicht, diese Feinde zu bezwingen."
"Aggressive Vorbereitungen"
Die Regierung habe "aggressiv" mit den diplomatischen und militärischen Vorarbeiten für einen Schlag, wahrscheinlich gegen den mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden und Afghanistan, begonnen, schrieb die "Washington Post" am Donnerstag. Die Bush-Regierung habe das benachbarte Pakistan bereits zu logistischer Unterstützung gedrängt.
Außenminister Colin Powell hatte am Mittwoch Kontakte mit den pakistanischen Behörden bestätigt, ohne Details zu nennen. "Wir bauen eine starke Koalition, um die Täter zu packen, aber auch um weit reichender gegen den Terrorismus anzugehen, wo immer wir ihn in der Welt finden", sagte Powell. Bush sprach von einem "monumentalen Kampf" zwischen Gut und Böse, der bevorstehe.
Militärische Gewalt nach Kriegsrecht
Bush hat mit dem Kongress über die Ermächtigung zu militärischer Vergeltung für die Terroranschläge vom Dienstag gesprochen. Wie verlautete, arbeiteten Regierung und Abgeordnete am Mittwoch an einem Gesetz, das den Einsatz von militärischer Gewalt nach dem Kriegsrecht (War Powers Act) genehmigt. Wann eine Abstimmung im Kongress zu erwarten sein würde, war nicht bekannt. Sowohl Demokraten als auch Republikaner äußerten sich aber zustimmend. Aus ranghohen Regierungskreisen verlautete, ein Angriff stehe nicht unmittelbar bevor, da die Ermittlungen noch andauerten.
In Telefongesprächen mit zahlreichen Staats- und Regierungschefs der Welt hat sich US-Präsident George W. Bush für eine "internationale Koalition im Kampf gegen den Terrorismus" eingesetzt. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, Bush habe zweimal mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), dem britischen Premierminiser Tony Blair, Frankreichs Staatschef Jacques Chirac sowie dem kanadischen Premier Jean Chrétien gesprochen.
Die Weltgemeinschaft müsse dieser Gefahr gemeinsam begegnen, sagten US-Präsident George W. Bush und der russische Präsident Wladimir Putin am Mittwoch. Beide Staaten haben eine enge Zusammenarbeit im Kampf gegen den internationalen Terrorismus vereinbart. Auch der US-Botschafter in Moskau, Alexander Vershbow, sagte, die Terrorwelle könne künftig zu einer verstärkten Kooperation beider Länder führen. Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow schlug ein außerplanmäßiges Treffen der weltweit größten Industriestaaten G-8 vor, wie die Nachrichtenagentur Itar-Tass meldete.
Bushs Sprecher Ari Fleischer sagte, der Präsident setze seine Kontakte fort, um "diese Koalition voranzutreiben" und klarzumachen, dass "alle freiheitsliebenden Menschen der ganzen Welt vereint gegen den Terrorismus kämpfen".
China schließt Beteiligung nicht aus
China hat eine Beteiligung an einer möglichen US-Vergeltungsoperation nicht ausgeschlossen. Voraussetzung sei jedoch, dass ein solcher Militäreinsatz durch ein breites internationales Votum, etwa der Vereinten Nationen, gestützt werde, sagte der chinesische Vize-Außenminister Wang Guangya in Peking. Die internationale Gemeinschaft müsse "resolut" auf den internationalen Terrorismus antworten. Diese Antwort müsse aber im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit erfolgen. Zugleich forderte Peking die Nato vor Vergeltungsmaßnahmen zu Konsultationen auf. Jegliche Folgehandlung nach den Anschlägen habe auch Auswirkungen auf andere Regionen, sagte Wang.
Auch Japan hat den USA wegen der Terroranschläge Unterstützung für den Fall von Vergeltungsmaßnahmen zugesagt. Diese Maßnahmen müssten jedoch mit der japanischen Verfassung übereinstimmen, sagte ein Regierungssprecher. Als Alliierter sei es eine Verpflichtung, alles zu tun, was Japan im Rahmen des Möglichen tun könne. Auf längere Sicht könnten die Terrorakte Auslöser für einen Krieg sein, sagte Regierungssprecher Yasuo Fukuda. Am Mittwoch hatte Ministerpräsident Junichiro Koizumi den USA die Unterstützung seines Landes zugesagt. Inwieweit Tokio Washington im Kriegsfall unterstützen könne, sei noch unklar, sagte Fukuda.
Unterstützung aus Australien und Neuseeland
Australien kündigte an, Washington im Rahmen des gemeinsamen Verteidigungsbündnisses militärisch zu unterstützen. Ähnlich wie bei der Nato verpflichtet der ANZUS-Pakt Australien und Neuseeland bei einem Angriff zum gegenseitigen Beistand. Der nationale Sicherheitsrat befasse sich derzeit mit dieser Frage, teilte Vize-Regierungschef John Anderson am Donnerstag in Canberra mit.
© 2001 Financial Times Deutschland
Nato bereitet Militärschlag vor
Nach den Terroranschlägen mit wahrscheinlich mehreren tausend Toten bereiten sich die USA militärisch und diplomatisch auf einen Vergeltungsschlag vor. Dabei zeichnet sich eine weltweite Allianz ab.
Die US-Regierung hatte am Mittwochabend die offizielle Unterstützung der Nato bekommen. Russland und China schlossen ihre Unterstützung nicht aus. Nato-Generalsekretär George Robertson teilte am Mittwochabend nach einer Sondersitzung des Nordatlantikrates in Brüssel mit, die Allianz betrachte die Terroranschläge als Angriff auf das gesamte Bündnis. Damit wären zum ersten Mal alle Nato-Mitglieder zur gemeinsamen Verteidigung verpflichtet. Voraussetzung ist, dass die Anschläge von einem fremden Staat aus eingeleitet wurden.
In den USA verdichten sich die Anzeichen für einen bevorstehenden Vergeltungsschlag für die verheerenden Terroranschläge. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte in einer am späten Mittwochabend aufgezeichneten Botschaft an die Truppen: "Sehr, sehr viel wird von euch in den nächsten Wochen und Monaten verlangt werden. Das gilt vor allem für diejenigen draußen im Feld. Wir stehen mächtigen und schrecklichen Feinden gegenüber, und wir haben die Absicht, diese Feinde zu bezwingen."
"Aggressive Vorbereitungen"
Die Regierung habe "aggressiv" mit den diplomatischen und militärischen Vorarbeiten für einen Schlag, wahrscheinlich gegen den mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden und Afghanistan, begonnen, schrieb die "Washington Post" am Donnerstag. Die Bush-Regierung habe das benachbarte Pakistan bereits zu logistischer Unterstützung gedrängt.
Außenminister Colin Powell hatte am Mittwoch Kontakte mit den pakistanischen Behörden bestätigt, ohne Details zu nennen. "Wir bauen eine starke Koalition, um die Täter zu packen, aber auch um weit reichender gegen den Terrorismus anzugehen, wo immer wir ihn in der Welt finden", sagte Powell. Bush sprach von einem "monumentalen Kampf" zwischen Gut und Böse, der bevorstehe.
Militärische Gewalt nach Kriegsrecht
Bush hat mit dem Kongress über die Ermächtigung zu militärischer Vergeltung für die Terroranschläge vom Dienstag gesprochen. Wie verlautete, arbeiteten Regierung und Abgeordnete am Mittwoch an einem Gesetz, das den Einsatz von militärischer Gewalt nach dem Kriegsrecht (War Powers Act) genehmigt. Wann eine Abstimmung im Kongress zu erwarten sein würde, war nicht bekannt. Sowohl Demokraten als auch Republikaner äußerten sich aber zustimmend. Aus ranghohen Regierungskreisen verlautete, ein Angriff stehe nicht unmittelbar bevor, da die Ermittlungen noch andauerten.
In Telefongesprächen mit zahlreichen Staats- und Regierungschefs der Welt hat sich US-Präsident George W. Bush für eine "internationale Koalition im Kampf gegen den Terrorismus" eingesetzt. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, Bush habe zweimal mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), dem britischen Premierminiser Tony Blair, Frankreichs Staatschef Jacques Chirac sowie dem kanadischen Premier Jean Chrétien gesprochen.
Die Weltgemeinschaft müsse dieser Gefahr gemeinsam begegnen, sagten US-Präsident George W. Bush und der russische Präsident Wladimir Putin am Mittwoch. Beide Staaten haben eine enge Zusammenarbeit im Kampf gegen den internationalen Terrorismus vereinbart. Auch der US-Botschafter in Moskau, Alexander Vershbow, sagte, die Terrorwelle könne künftig zu einer verstärkten Kooperation beider Länder führen. Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow schlug ein außerplanmäßiges Treffen der weltweit größten Industriestaaten G-8 vor, wie die Nachrichtenagentur Itar-Tass meldete.
Bushs Sprecher Ari Fleischer sagte, der Präsident setze seine Kontakte fort, um "diese Koalition voranzutreiben" und klarzumachen, dass "alle freiheitsliebenden Menschen der ganzen Welt vereint gegen den Terrorismus kämpfen".
China schließt Beteiligung nicht aus
China hat eine Beteiligung an einer möglichen US-Vergeltungsoperation nicht ausgeschlossen. Voraussetzung sei jedoch, dass ein solcher Militäreinsatz durch ein breites internationales Votum, etwa der Vereinten Nationen, gestützt werde, sagte der chinesische Vize-Außenminister Wang Guangya in Peking. Die internationale Gemeinschaft müsse "resolut" auf den internationalen Terrorismus antworten. Diese Antwort müsse aber im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit erfolgen. Zugleich forderte Peking die Nato vor Vergeltungsmaßnahmen zu Konsultationen auf. Jegliche Folgehandlung nach den Anschlägen habe auch Auswirkungen auf andere Regionen, sagte Wang.
Auch Japan hat den USA wegen der Terroranschläge Unterstützung für den Fall von Vergeltungsmaßnahmen zugesagt. Diese Maßnahmen müssten jedoch mit der japanischen Verfassung übereinstimmen, sagte ein Regierungssprecher. Als Alliierter sei es eine Verpflichtung, alles zu tun, was Japan im Rahmen des Möglichen tun könne. Auf längere Sicht könnten die Terrorakte Auslöser für einen Krieg sein, sagte Regierungssprecher Yasuo Fukuda. Am Mittwoch hatte Ministerpräsident Junichiro Koizumi den USA die Unterstützung seines Landes zugesagt. Inwieweit Tokio Washington im Kriegsfall unterstützen könne, sei noch unklar, sagte Fukuda.
Unterstützung aus Australien und Neuseeland
Australien kündigte an, Washington im Rahmen des gemeinsamen Verteidigungsbündnisses militärisch zu unterstützen. Ähnlich wie bei der Nato verpflichtet der ANZUS-Pakt Australien und Neuseeland bei einem Angriff zum gegenseitigen Beistand. Der nationale Sicherheitsrat befasse sich derzeit mit dieser Frage, teilte Vize-Regierungschef John Anderson am Donnerstag in Canberra mit.
© 2001 Financial Times Deutschland