BONN (dpa-AFX) - Das Bundeskartellamt geht erstmals im Mobilfunk gegen die
Preispolitik der Marktführer T-Mobile und Vodafone D2 vor. Gegen die
Unternehmen sei ein Missbrauchsverfahren wegen Ausnutzung einer
marktbeherrschenden Stellung eingeleitet worden, sagte ein Behördensprecher am
Donnerstag auf Anfrage und bestätigte damit frühere Angaben des Konkurrenten
E-Plus. Das Kartellamt untersucht, ob die beiden Unternehmen ihre Marktmacht bei
Tarifen für Gespräche innerhalb der Netze ausgenutzt haben. Kunden der
Mobilfunkanbieter können zu günstigen Preisen im gleichen Netz telefonieren.
T-Mobile und Vodafone kontrollieren mit jeweils rund 35 Millionen Kunden etwa 80
Prozent des deutschen Mobilfunkmarkts. Sprecher von T-Mobile und Vodafone wiesen
die Vorwürfe zurück: 'Wir halten die Vorwürfe für haltlos', sagte eine
Sprecherin der Telekom-Mobilfunktochter . Ein Vodafone-Sprecher verwies darauf,
dass die Preise für Handy-Telefonate deutlich gefallen seien. Dies zeuge von
einem regen Wettbewerb. 'Wir haben uns zu keinem Zeitpunkt wettbewerbsfeindlich
verhalten', sagte er. O2 äußerte sich nicht dazu.
UMFANGREICHEN FRAGENKATALOG
Das Kartellamt hat den vier Netzbetreibern - neben T-Mobile, Vodafone D2, E-Plus
auch O2 - in der vergangenen Woche einen umfangreichen Fragenkatalog
zugeschickt, den sie nun beantworten müssen. Abgefragt werden Daten aus den
Jahren 2003 bis 2007 sowie Anhaltspunkte für die Tarifgestaltung bei den vier
Netzbetreibern. Über die Dauer des Verfahrens machte der Kartellamtssprecher
keine näheren Angaben.
Angestrengt wurde das Verfahren vom kleineren Wettbewerber E-Plus, der sich
durch diese Tarife benachteiligt sieht. Die anhaltende Dominanz der Marktführer
verhindere einen 'fairen und dauerhaft schlagkräftigen Wettbewerb im deutschen
Mobilfunk', hatte E-Plus mitgeteilt. Der Mutterkonzern KPN stieß zudem ein
vergleichbares Verfahren in Belgien an.
E-Plus sieht sich bereits seit längerem gegenüber T-Mobile und Vodafone
benachteiligt. KPN-Mobilfunkchef Stan Miller hatte vor rund einem Jahr der
Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde Parteilichkeit zugunsten der Telekom
vorgeworfen. Zugleich hatte er eingeräumt, dass es innerhalb der Branchen eine
Absprache gegeben habe, die Terminierungsentgelte auf hohem Niveau zu halten.
Diese Entgelte erhalten die Unternehmen für Anrufe in ihr Netz und stellen eine
wichtige Einnahmequelle dar./mur/ls/tw