10.10.2006 15:47"Drillisch will sich ins Spiel bringen"
Der kleine Serviceprovider Drillisch hat fast zehn Prozent am wesentlich größeren Konkurrenten Mobilcom übernommen. Die Branche ist in Bewegung, wir haben uns darüber mit Thomas Friedrich von der HypoVereinsbank unterhalten.
Thomas Friedrich, HypoVereinsbank
boerse.ARD.de: Zunächst einmal ist es verwunderlich, dass ein so "kleines" Unternehmen wie Drillisch zehn Prozent am wesentlich größeren Mobilcom-Konzern kauft. Immerhin ist Mobilcom mit einer Marktkapitalisierung von 1,1 Milliarden Euro fast siebenmal so groß wie Drillisch. Was will die Firma?
Friedrich: Früher wäre eine derartige Transaktion in der Tat sehr verwunderlich gewesen. Momentan sehen wir allerdings viele interessante Schachzüge im Bereich Fusionen und Übernahmen, in allen möglichen Branchen. Ich glaube, dass Drillisch signalisiert, dass es gerne an einer Konsolidierung in der Branche beteiligt sein will. Die Firma möchte sich damit sozusagen ins Spiel bringen.
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boerse.ARD.de: Also keine Übernahme, wie auch spekuliert wird?
Friedrich: Nein, das scheint mir aus aktueller Sicht nicht möglich, dafür ist Drillisch meines Erachtens in diesem Fall deutlich zu klein. Das Ausmaß der Fremdkapitalaufnahme für den jetzt erworbenen Mobilcom-Anteil erscheint mir bereits recht hoch. Umso spannender ist daher die Frage was sich Drillisch und der Fremdkapitalgeber von dem Schritt erhoffen.
boerse.ARD.de: Die Serviceproviderbranche ist in Bewegung. Der Markt ist gesättigt, die Tarife niedrig, der Druck auf die Beteiligten, etwas zu tun, ist groß. Wie können die Unternehmen trotzdem noch Wachstum erzielen?
Friedrich: Lassen Sie mich das am Beispiel Mobilcom und Freenet erläutern: Die beiden Firmen haben ihren geplanten Merger fast abgeschlossen. Wenn das endlich durchgestanden ist, kommt die Frage: Wie geht es strategisch weiter? Angesichts der Marktsättigung im Mobilfunk ist organisches Wachstum per se eine Herausforderung. Im DSL-Geschäft ist Freenet im Vergleich zu seinen Mitbewerbern recht klein.
Eine Variante wäre es, sich im Bereich Serviceprovider zu vergrößern, eine andere zeigt der Konkurrent Debitel. Debitel verkauft in Kooperation mit QSC DSL-Anschlüsse. Über diese Art von Crossselling die Kundenbasis zu nutzen, halte ich für sehr vernünftig.
boerse.ARD.de: Welche Rolle spielt Drillisch in dem Karussell, das sich da dreht?
Friedrich: Das ist momentan schwer zu sagen. Drillisch hat selbst einmal gesagt, dass es aktiv an der Konsolidierung beteiligt sein will. Die Zeichen in der Branche stehen klar auf Konsolidierung. Der Druck auf alle Beteiligten ist sehr hoch. Wir sind sehr gespannt was da passiert. Die Mobilcom/Freenet-Fusion ist an sich schon ein guter Nährboden für Spekulationen. Dazu kommen noch eine hohe Cash-Position in der Bilanz sowie amerikanische Investmentfonds als Großaktionäre, es ist eine spannende Zeit.
boerse.ARD.de: Vor einem halben Jahr gab es Gerüchte, Debitel und Mobilcom wollten fusionieren. Für die kleinen Player wie Drillisch würde es dann eng werden, oder?
Friedrich: Drillisch hat ein paar innovative Angebote auf dem Markt. Trotz der verhältnismäßig kleinen Unternehmensgröße konnte die Firma sich im hochdynamischen Serviceprovidermarkt sehr gut behaupten und hohe Margen erzielen. Sie sollte sich daher auch im sich verstärkenden Wettbewerb gut schlagen. Für bedrohlich halte ich allerdings das Verhältnis zwischen Netzbetreibern und Serviceprovidern: Dass die Netzbetreiber die Anbieter von Billigtarifen fördern und den Vertrieb ihrer eigenen Tarife tendenziell stärker selbst in die Hand nehmen, belastet die Serviceprovider.
Das Gespräch führte Karsten Leckebusch