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Welche Auswirkungen hätte ein Regimewechsel in Venezuela auf den Ölmarkt?

Die Ölpreise reagierten verhalten auf die von US-Präsident Trump betriebene Entmachtung von Venezuelas Staatschef Maduro am Wochenende. Brent fiel kurzzeitig unter die Marke von 60 USD je Barrel, erholte sich dann aber wieder. Eine ähnliche Preisreaktion gab es bei WTI. Im weiteren Handelsverlauf drehten die Preise ins Plus. Brent stieg auf fast 62 USD. Denn der sich abzeichnende Regimewechsel in Venezuela hat unterschiedliche Implikationen auf das Ölangebot aus dem OPEC-Land, das über die weltgrößten nachgewiesenen Ölreserven verfügt. Diese unterscheiden sich in ihrer Wirkung abhängig von der Zeitachse und haben zudem entgegengesetzte Vorzeichen.

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Kurzfristig dürfte die Unsicherheit hoch bleiben. Offen ist, ob der nach wie vor bestehende Machtapparat des Maduro-Regimes die eigene Entmachtung akzeptiert oder Widerstand leistet. Für diesen Fall hat Trump mit weiteren Angriffen gedroht. Die seit Dezember bestehende Blockade venezolanischer Ölexporte wurde von Trump bislang nicht aufgehoben. Im Dezember sollen sich die Ölexporte Venezuelas bereits auf 500 Tsd. Barrel pro Tag nahezu halbiert haben, wie vorläufige Daten basierend auf Tankerbewegungen nahelegen. Chinesische Käufer haben informierten Personen zufolge auch in dieser Woche das ihnen angebotene venezolanische Öl abgelehnt. Der staatliche venezolanische Ölkonzern PDVSA hat einigen im Land tätigen Joint Ventures eine Drosselung der Ölproduktion angeraten, wie Reuters unter Berufung auf informierte Quellen berichtet. Hintergrund ist, dass die Lagerkapazitäten nahezu ausgeschöpft sind. Zudem soll PDVSA dem Bericht zufolge eine Substanz ausgehen, mit der das schwere zähflüssige venezolanische Öl verdünnt werden muss, bevor es transportiert und exportiert werden kann. Es ist daher zu erwarten, dass das Ölangebot aus Venezuela kurzfristig niedriger ausfällt, was per se für höhere Ölpreise spricht.

Dem steht die Aussicht auf eine leichte Steigerung der venezolanischen Ölproduktion in den kommenden Monaten gegenüber, falls Trump die Blockade gegen die Ölexporte wieder aufhebt und die Sanktionen lockert. Für diesen Fall müssten sich die Übergangspräsidentin Rodriguez, die gleichzeitig auch Ölministerin Venezuelas ist, und der Machtapparat kooperativ zeigen. Eine deutliche Ausweitung der Ölproduktion wäre aber auch dann nicht zu erwarten, weil die momentanen Produktionskapazitäten Venezuelas das nicht erlauben dürften. Diese liegen laut Angaben der IEA bei 1 Mio. Barrel pro Tag und damit nur leicht über dem aktuellen Produktionsniveau. Der Rückgang der venezolanischen Ölproduktion, vor zehn Jahren lag das Produktionsniveau noch bei knapp 2,5 Mio. Barrel pro Tag, war Folge von Misswirtschaft und der westlichen Sanktionen gegen das Maduro-Regime, die notwendige Investitionen in die Öl-Infrastruktur erschwerten (Abb. 1). Dass sich die Produktion vom Tief 2020 trotz der US-Sanktionen verdoppeln konnte, dürfte vor allem an den Käufen Chinas gelegen haben. Zudem erlaubte die US-Regierung einem US-Unternehmen, in begrenzten Mengen Öl in Venezuela zu produzieren und zu exportieren.

Damit die Produktionskapazitäten wieder steigen, müssten die westlichen Ölunternehmen in die marode Ölinfrastruktur in Venezuela investieren. Dafür benötigen sie hinreichend Investitionssicherheit. Erst wenn sie sicher sein können, dass das Land politisch stabil ist und ihre Investitionen sich langfristig amortisieren, werden sie in die Erschließung der weltgrößten Ölreserven investieren. Dafür ist auch ein hinreichend hohes Ölpreisniveau erforderlich. Ob dies beim aktuellen Preis der Fall ist, ist fraglich. Denn das Öl aus Venezuela dürfte aufgrund seiner größeren Dichte und des hohen Schwefelgehaltes mit einem beträchtlichen Abschlag gegenüber der Benchmark WTI gehandelt werden. Vergleichbares Öl aus Mexiko handelt aktuell mit einem Abschlag von 6 USD gegenüber WTI, die ebenfalls artverwandte kanadische Ölsorte WCS sogar mehr als 14 USD unterhalb des WTI-Preises. Da der Ölmarkt bereits reichlich versorgt ist, würde zusätzliches Öl aus Venezuela die Preise weiter unter Druck setzen, was die Unternehmen in ihrer Entscheidung berücksichtigen müssten. Die US-Regierung will sich noch in dieser Woche mit führenden Vertretern der US-Ölindustrie treffen, um über eine Steigerung der Ölproduktion in Venezuela zu sprechen, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle berichtet. Trump hat dabei Subventionen in Erwägung gezogen, um die Unternehmen zu Investitionen in Venezuela zu veranlassen.

Selbst wenn all diese Kriterien erfüllt wären, dürften Jahre vergehen, bis die Ölproduktion das frühere Niveau wieder erreichen würde. Als Beispiele könnten der Irak und Libyen gelten, deren Ölproduktion nach dem Sturz der Machthaber Saddam Hussein 2003 und Gaddafi 2011 einbrach (Abb. 2). Im Irak erholte sich die Ölproduktion 2003 zwar schnell, ebenso in Libyen 2011/12, wenn auch nur kurzzeitig. Dennoch dauerte es acht Jahre, bis im Irak das vorherige Produktionsniveau dauerhaft wieder erreicht wurde. In Libyen ist dies trotz eines Anstiegs in den letzten beiden Jahren bis heute nicht geschehen. Zudem wurde die Ölproduktion in Libyen in den letzten Jahren immer wieder durch kurzzeitige Unterbrechungen beeinträchtigt. Zwar könnte die Produktion in Venezuela etwas früher ihr ursprüngliches Niveau erreichen, da Bürgerkriege sowie Stammeskonflikte, die im Irak und in Libyen die Erholung behinderten, ausbleiben dürften. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Ölproduktion in Venezuela bereits vor dem Regimewechsel zurückging, was gegen eine V-förmige Produktionserholung spricht, wie sie in Irak und Libyen zunächst beobachten war. Eine baldige Rückkehr zu einem Produktionsniveau von mehr als 2 Mio. Barrel pro Tag ist aber auch in einem optimistischen Szenario aufgrund der oben skizzierten Einflussfaktoren unrealistisch. Es ist also unseres Erachtens nicht zu fürchten, dass der Ölmarkt demnächst von venezolanischem Öl überschwemmt werden könnte.

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