Ölpreis als Zins-Bombe: Warum die Märkte weiter zittern
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert steht für kompakte Nachrichten mit einem sicheren Gespür für relevante Marktthemen. Nach über 6 Jahren für wallstreetONLINE und ariva.de im Einsatz fühlt sich der Berliner in der Finanzwelt wie zu Hause. Seine Inhalte reichen querbeet von Value-Titeln und den Märkten in Asien über die US Big-Techs bis hin zu aktuellen Top-Performern auf dem globalen Börsenparkett. So entstehen informative News, die Anlegern echten Halt geben.
Der Nahostkrieg treibt Ölpreise, Inflation und Renditen. Die DZ Bank sieht die Federal Reserve in Wartestellung. Doch in Europa könnte der nächste Zinsschritt schon kommen.
Für dich zusammengefasst:
Der Krieg im Mittleren Osten belastet die Finanzmärkte.
Brent-Öl könnte in drei Monaten bei 90 US-Dollar liegen.
Die EZB plant möglicherweise eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte.
Der Krieg im Mittleren Osten bleibt das zentrale Thema an den Finanzmärkten. Christian Reicherter, Analyst der DZ Bank, rechnet trotz wiederholter Verstöße gegen die Waffenruhe weiter mit einer diplomatischen Lösung. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch der Iran hätten ein starkes Interesse daran, den Konflikt zu begrenzen.
Für US-Präsident Donald Trump wächst der politische Druck. Die Zwischenwahlen rücken näher. Zugleich belasten hohe Energiepreise die Verbraucher. Laut YouGov liegt Trumps Netto-Zustimmungswert bei minus 25 Punkten. 35 Prozent der Befragten unterstützen seine Politik. 60 Prozent lehnen sie ab.
Teheran unter Druck
Der iranische Staatshaushalt hängt stark von Öl- und Gaseinnahmen ab. Diese machen Schätzungen zufolge 30 bis 40 Prozent der Staatseinnahmen aus. Die geschlossene Straße von Hormus dürfte die Erlöse deutlich belastet haben.
Die DZ Bank erwartet deshalb innerhalb der kommenden drei Monate eine Annäherung zwischen Washington und Teheran. Die Straße von Hormus könnte dann wieder für den Schiffsverkehr öffnen. Brent-Öl sieht die Bank in drei Monaten bei 90 US-Dollar, in sechs Monaten bei 80 US-Dollar und in zwölf Monaten bei 70 US-Dollar.
Die Federal Reserve dürfte nach Einschätzung der DZ Bank vorerst abwarten. Einzelne Notenbanker warnen zwar vor einem länger anhaltenden Inflationsschub. Insgesamt deuten die jüngsten Aussagen aber nicht darauf hin, dass eine Zinserhöhung bereits ernsthaft erwogen wird.
Das aktuelle Zinsniveau gilt aus Sicht der Analysten als moderat restriktiv. Hohe Energiepreise könnten die Inflation kurzfristig weiter antreiben. Bei einer Deeskalation im Iran-Konflikt dürfte der geldpolitische Kurs aber ausreichen, um die Teuerung mittelfristig wieder in Richtung des Notenbankziels zu bringen.
Der US-Arbeitsmarkt bleibt robust. Im Mai entstanden 172.000 neue Stellen. Ein großer Teil entfiel allerdings auf Freizeit und Gastgewerbe. Reicherter sieht darin möglicherweise Vorzieheffekte durch die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft. Die Nachhaltigkeit dieses Impulses bleibt offen.
Am US-Anleihemarkt erwartet die DZ Bank weiter erhöhte Renditen. Für die zehnjährige Treasury-Rendite sieht sie in drei Monaten 4,60 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten rechnet sie mit 4,40 Prozent.
In Europa dürfte die Europäische Zentralbank im September noch einmal nachlegen. Die DZ Bank erwartet eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Die Inflation im Euroraum lag zuletzt bei 3,2 Prozent. Die Kerninflation stieg auf 2,5 Prozent.
Für das kommende Jahr rechnet die DZ Bank aber mit nachlassendem Inflationsdruck. Dann könnte die Europäische Zentralbank erstmals wieder lockern. Auf Sicht von zwölf Monaten erwartet die Bank eine Zinssenkung um 25 Basispunkte auf einen Einlagesatz von 2,25 Prozent.
Für die zehnjährige Bundrendite sieht die DZ Bank in drei Monaten 3,10 Prozent und zum Jahresende 3,20 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten senkt sie ihre Prognose auf 2,90 Prozent.
Für Anleger bleibt das Umfeld damit schwierig. Der Nahostkrieg treibt Energiepreise und Inflationssorgen. Die Federal Reserve dürfte abwarten. Die Europäische Zentralbank könnte erst straffen und später wieder lockern.
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