Sechs Kategorien der Gerechtigkeit
Die Studienautoren verweisen ausdrücklich darauf, dass das Gerechtigkeitsempfinden in vielerlei Hinsicht von persönlichen Präferenzen abhängt. Um dennoch einen möglichst objektiven Index aufzustellen, verglichen der federführende Ökonom Dominik Enste und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 43 einzelne Indikatoren in sechs Kategorien: Bedarfsgerechtigkeit, Regelgerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit, Chancengerechtigkeit, Einkommensgerechtigkeit und Generationengerechtigkeit. Das IW Köln wird hauptsächlich getragen von Wirtschafts- und Arbeitsgeberverbänden.
Unter das Stichwort Bedarfsgerechtigkeit etwa fällt die Deckung der menschlichen Grundbedürfnisse unabhängig vom Einkommen, unter Einkommensgerechtigkeit die Frage nach gleichmäßiger Verteilung von Einkommen und Lasten. Grundlage der Vergleiche waren Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat, der Weltbank, der OECD und anderer Organisationen zu Einkommen, Sozialfürsorge, Renten- und Bildungssystemen.
Geteilte Meinungen über die Gerechtigkeit
In einer begleitenden Umfrage kam heraus, dass die Vorstellungen zur Gerechtigkeit in der deutschen Bevölkerung auseinandergehen. Knapp 87 Prozent der 3.267 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Regelgerechtigkeit am wichtigsten, also der Gedanke, dass für alle Mitglieder einer Gesellschaft gleiches Recht gelten soll. Knapp 49 Prozent halten demnach möglichst gleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen für gerecht. Doch stimmten knapp drei Viertel - gut 74 Prozent - auch dem Satz zu: "Eine Gesellschaft ist gerecht, wenn Personen, die im Beruf viel leisten, mehr verdienen als andere."
Die auftraggebende Stiftung Familienunternehmen zog den Schluss, dass es in Deutschland kein grundlegendes Gerechtigkeitsproblem gebe. "Es ist gut, von Wissenschaftlern zu hören, dass es in Deutschland im Kern gerecht zugeht", sagte Vorstand Rainer Kirchdörfer./cho/DP/zb
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