Der Autobauer Volkswagen könnte laut Analysten von Citigroup vor einer strategischen Neuausrichtung stehen, die dem Konzern neuen Auftrieb verleihen könnte. Im Fokus steht ein Bericht der Financial Times über Gespräche mit dem israelischen Rüstungsunternehmen Rafael Advanced Defense Systems zur Produktion von Komponenten für Raketenabwehrsysteme.
Gespräche über Iron-Dome-Produktion
Volkswagen und Rafael sollen eine mögliche Umwidmung des Werks in Osnabrück prüfen, das bislang zur Schließung vorgesehen ist. Dort könnten künftig Teile für das "Iron Dome"-Raketenabwehrsystem gefertigt werden.
In einer aktuellen Analyse argumentieren Citigroup, dass eine Diversifizierung in wachstumsstarke Nicht-Automobilbereiche den angeschlagenen Konzern grundlegend stärken könnte.
"Die Umwidmung von investiertem Kapital in margenstärkere und wachstumsintensivere Bereiche könnte die Kapitalrendite von Volkswagen verbessern und eine neue, positivere Investmentstory liefern", so Citi.
Die Analysten sehen insbesondere im europäischen Verteidigungssektor erhebliches Potenzial – nicht zuletzt vor dem Hintergrund steigender Militärausgaben in der EU.
Werksschließung vermeiden, Wettbewerb bremsen
Ein möglicher Deal hätte laut Citi gleich mehrere Vorteile: Volkswagen könnte kurzfristige Kosten vermeiden, die durch die geplante Schließung des Osnabrücker Werks und den Abbau von rund 2.300 Arbeitsplätzen entstehen würden.
Zudem würde verhindert, dass Produktionskapazitäten an neue Wettbewerber – insbesondere aus China – veräußert werden. Gleichzeitig könnte die europäische Rüstungsindustrie ihre Produktionskapazitäten schneller ausbauen.
Operativer Druck wächst – Aktie tief im Minus
Die Überlegungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Volkswagen operativ stark unter Druck steht. Der Konzern meldete zuletzt einen Rückgang des operativen Gewinns um mehr als 50 Prozent und stellte Anleger auf ein weiteres schwieriges Jahr ein.
Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 18 Prozent verloren und liegt über fünf Jahre gesehen rund 60 Prozent im Minus.
Politische Risiken nicht zu unterschätzen
Trotz der potenziellen Chancen warnt Citi vor erheblichen politischen Risiken. Eine Zusammenarbeit mit einem israelischen Rüstungsunternehmen könnte in Europa kontrovers diskutiert werden.
Sollte Volkswagen tatsächlich in die Verteidigungsproduktion einsteigen, wäre dies kein Einzelfall. Mehrere Automobilhersteller sind bereits in diesem Bereich aktiv, darunter Renault (Renault Aktie), Mitsubishi (Mitsubishi Aktie) und Hyundai.
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