Im Zentrum von Volkswagens Kurswechsel steht der chinesische Markt. Statt auf Nvidia-Chips setzt Europas größter Autobauer nun verstärkt auf lokale Technologiepartner, um im Wettbewerb mit chinesischen Elektroautoherstellern aufzuholen.
"Für uns gibt es keinen Grund mehr, an Nvidia festzuhalten", erklärte Thomas Ulbrich, Technologiechef von Volkswagen Group China, in einem Interview mit CNBC.
Lokale Partnerschaften als Schlüsselstrategie
Ein zentraler Bestandteil der neuen Strategie ist die verstärkte Zusammenarbeit mit chinesischen Technologieunternehmen. Volkswagen arbeitet unter anderem eng mit dem Chipentwickler Horizon Robotics zusammen. Das Joint Venture "Carizon" soll in den kommenden drei bis fünf Jahren einen eigenen Hochleistungs-Automobilchip entwickeln.
Parallel dazu setzt der Konzern auf die Zusammenarbeit mit dem Elektroautohersteller Xpeng. Dessen selbst entwickelter "Turing"-Chip kommt bereits in Volkswagens neuestem Elektro-SUV, dem ID. UNYX 08, zum Einsatz.
China wird zum Innovationsmotor
Der Wettbewerb im weltweit größten Automarkt hat sich dramatisch verschärft. Lokale Hersteller wie BYD oder Xpeng treiben Innovationen schneller voran als westliche Konzerne.
Ulbrich betont, dass sich die Kaufentscheidungen chinesischer Kunden grundlegend verändert haben. Während früher die Marke dominierte, stehe heute die "Intelligenz des Fahrzeugs" im Mittelpunkt – also Software, Konnektivität und autonome Fahrfunktionen.
Volkswagen reagiert darauf mit einer tiefgreifenden Neuausrichtung seines China-Geschäfts, die bereits 2023 begonnen hat. Produktionszeiten wurden verkürzt, Kosten gesenkt und Entwicklungszyklen beschleunigt.
Ambitionierte Modelloffensive bis 2030
Die strategische Neuausrichtung zeigt sich auch in einer aggressiven Produktplanung. Allein im Jahr 2026 will Volkswagen 20 neue Modelle mit Batterie- oder Hybridantrieb in China auf den Markt bringen. Bis 2030 sollen es insgesamt 50 neue Fahrzeuge werden, darunter 30 vollelektrische Modelle.
Diese Fahrzeuge sind nicht nur für den chinesischen Markt gedacht. Volkswagen plant, erfolgreiche Modelle auch international zu exportieren.
Nvidia unter Druck im Automobilsegment
Für Nvidia bedeutet die Entwicklung einen Rückschlag. Das Unternehmen hatte große Hoffnungen in den Automobilsektor gesetzt und diesen als Milliardenmarkt identifiziert. Doch das Wachstum in diesem Segment hat zuletzt nachgelassen.
Ehemalige Partner in China entwickeln zunehmend eigene Chips und reduzieren damit ihre Abhängigkeit von externen Zulieferern. Volkswagens Schritt könnte diesen Trend weiter verstärken.
Künstliche Intelligenz zuerst in der Fabrik
Während autonome Fahrfunktionen weiterhin ein zentrales Ziel bleiben, sieht Volkswagen kurzfristig größere Fortschritte beim Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Produktion. Bereits heute integriert der Konzern KI-gestützte Anwendungen in seine Fertigungsprozesse.
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