Fast 200 Prozent Exportplus – doch Südkoreas Boom hat einen Haken

Nicolas Ebert Nicolas Ebert
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Nicolas Ebert steht für kompakte Nachrichten mit einem sicheren Gespür für relevante Marktthemen. Nach über 6 Jahren für wallstreetONLINE und ariva.de im Einsatz fühlt sich der Berliner in der Finanzwelt wie zu Hause. Seine Inhalte reichen querbeet von Value-Titeln und den Märkten in Asien über die US Big-Techs bis hin zu aktuellen Top-Performern auf dem globalen Börsenparkett. So entstehen informative News, die Anlegern echten Halt geben.

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Die Flagge von Südkorea. (symbolbild)
©unsplash.com
Südkoreas Chip-Exporte explodieren, doch der KI-Boom erreicht längst nicht alle. Samsung und SK Hynix kassieren Milliarden, während Konsum, Jobs und große Teile des Marktes zurückbleiben.
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Die südkoreanische Wirtschaft dürfte im zweiten Quartal deutlich langsamer gewachsen sein. Starke Exporte konnten die schwache Binnennachfrage nur teilweise ausgleichen. Das zeigt eine Reuters-Umfrage unter Ökonomen.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte gegenüber dem ersten Quartal saisonbereinigt um 0,4 Prozent gestiegen sein. In den ersten drei Monaten hatte Südkorea noch ein Wachstum von 1,8 Prozent erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr erwarten die Ökonomen ein Plus von 3,5 Prozent.

"Exporte und Investitionen sind wichtige Wachstumstreiber", sagte Nomura-Ökonom Jeong Woo Park. Der private Konsum bleibe jedoch schwach. Außerhalb der Chipindustrie bauten viele Unternehmen weiter Stellen ab.

Park spricht deshalb von einem K-förmigen Wachstum. Während die Halbleiterbranche boomt, bleiben große Teile der Wirtschaft zurück.

Werte aus dem Artikel:
Samsung (ADR) Aktie 3.080 € +3,18%
SK Hynix Aktie 1.065 € +3,40%

Die Exporte stiegen im Juni um rund 71 Prozent. Die Ausfuhren von Halbleitern sprangen durch den Boom rund um künstliche Intelligenz um fast 200 Prozent auf 44,8 Milliarden US-Dollar.

In der ersten Jahreshälfte erzielte Südkorea einen Handelsüberschuss von 138,3 Milliarden US-Dollar. Das Finanzministerium hob seine Wachstumsprognose für 2026 von zwei auf drei Prozent an. Die von Reuters befragten Ökonomen rechnen im Durchschnitt mit 2,8 Prozent.

Khoon Goh von der Bank ANZ hält dennoch ein Wachstum von mehr als drei Prozent für möglich. Die positiven Impulse durch künstliche Intelligenz würden sich zunehmend auch in der Gesamtwirtschaft zeigen.

James Syme von J O Hambro warnt jedoch vor einer sehr ungleichen Verteilung der Gewinne. Hauptprofiteure seien Samsung Electronics und SK Hynix. Beide Unternehmen nehmen zentrale Positionen in der Lieferkette für künstliche Intelligenz ein.

Der gemeinsame operative Gewinn der beiden Chiphersteller lag 2024 laut Marktschätzungen bei 41 Milliarden US-Dollar. Bis 2026 soll er auf 389 Milliarden US-Dollar steigen. Bei den übrigen 66 Unternehmen des MSCI Korea Index wird dagegen nur ein Anstieg von 130 auf 138 Milliarden US-Dollar erwartet.

"Der KI-Boom verlagert die Profitabilität auf wenige weltweit wettbewerbsfähige Konzerne", erklärte Syme.

Auch bei den Beschäftigten zeigen sich große Unterschiede. Samsung will seinen 78.000 Mitarbeitern im Halbleitergeschäft laut Syme Boni von jeweils rund 400.000 US-Dollar zahlen. Mitarbeiter außerhalb der Sparte sollen dagegen nur etwa 4.000 US-Dollar erhalten.

Für Anleger reicht es daher nicht, nur auf das Wirtschaftswachstum Südkoreas zu schauen. Entscheidend ist, bei welchen Unternehmen und Beschäftigten die Wertschöpfung durch künstliche Intelligenz tatsächlich ankommt.


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