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ServiceNow vor der Wende? Bank of America sieht keine KI-Gefahr, sondern viel Potenzial

Die Aktie von ServiceNow ist 2026 kräftig unter Druck geraten. Doch nun sorgt eine frische Kaufempfehlung von BofA Securities für neuen Schwung. Analyst Tal Liani sieht den Softwarekonzern nicht als KI-Verlierer, sondern als einen der großen Profiteure autonomer Unternehmensprozesse – und traut der Aktie deutlich mehr zu.
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BofA rät ServiceNow zu kaufen
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BofA ruft nach Kursrutsch die Wende aus

Nach einem schwachen Börsenjahr meldet sich ServiceNow eindrucksvoll zurück. Die Aktie des Softwarekonzerns sprang am Montag deutlich an, nachdem BofA Securities die Beobachtung des Titels mit einer Kaufempfehlung aufgenommen hatte. Analyst Tal Liani setzte das Kursziel auf 130 US-Dollar. Ausgehend vom Schlusskurs am Freitag bei 95,07 US-Dollar entspricht das einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von rund 37 Prozent. Zuvor hatte die Aktie seit Jahresbeginn etwa 38 Prozent an Wert verloren.

Die BofA-Einschätzung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Softwaretitel unter der Sorge leiden, Künstliche Intelligenz könne etablierte Geschäftsmodelle unter Druck setzen. Bei ServiceNow sieht die Bank jedoch das Gegenteil: Das Unternehmen könne gerade deshalb profitieren, weil seine Plattform tief in den Arbeitsabläufen großer Konzerne verankert ist.

Warum ServiceNow vom KI-Boom profitieren könnte

ServiceNow gilt als eine Art digitales Betriebssystem für Unternehmensprozesse. Über die Plattform werden Aufgaben gesteuert, Freigaben organisiert, Zuständigkeiten verteilt und Abläufe dokumentiert. Genau diese Rolle könnte in der Ära autonomer KI-Agenten noch wichtiger werden.

BofA argumentiert, dass Unternehmen mit zunehmendem KI-Einsatz mehr Orchestrierung, Berechtigungsmanagement, Genehmigungsprozesse, Richtliniendurchsetzung und Prüfbarkeit benötigen. Das sind aus Sicht der Analysten genau jene Bereiche, in denen ServiceNow bereits heute stark positioniert ist. KI würde den Konzern demnach nicht ersetzen, sondern die Nachfrage nach seiner Plattform eher erhöhen.

Diese These passt zur jüngsten Entwicklung des Unternehmens. Im ersten Quartal 2026 steigerte ServiceNow den Umsatz um 22 Prozent auf 3,77 Milliarden US-Dollar. Die vertraglich gesicherten Umsätze für die kommenden zwölf Monate, die sogenannten cRPO, stiegen um 22,5 Prozent auf 12,64 Milliarden US-Dollar.

Armis und Veza stärken die KI-Strategie

Besonders positiv bewertet BofA die strategische Erweiterung der Plattform. ServiceNow hat im März 2026 den Identitätsspezialisten Veza übernommen und im April die Übernahme des Cybersicherheitsunternehmens Armis abgeschlossen. Mit Armis will ServiceNow seine Reichweite im Bereich Cyber-Risiken, vernetzte Geräte und kritische Infrastrukturen massiv ausbauen; laut Unternehmen soll sich die Marktchance im Bereich Security und Risk dadurch mehr als verdreifachen.

Die Kombination aus Armis und Veza soll ServiceNow helfen, in einer KI-geprägten Unternehmenswelt nicht nur Prozesse zu automatisieren, sondern zugleich Identitäten, Zugriffsrechte, Assets und Risiken zentral zu steuern. Im Mai stellte der Konzern dafür die neue Plattform Autonomous Security & Risk vor, die genau diese Funktionen zusammenführt.

BofA rechnet mit hohem Wachstum und starken Cashflows

Für die Jahre 2026 bis 2028 erwartet BofA ein Umsatzwachstum von 18 bis 22 Prozent jährlich. Gleichzeitig sollen die Free-Cashflow-Margen bei 35 bis 37 Prozent liegen. Besonders interessant: Nach Einschätzung der Bank ist ServiceNow trotz dieses Wachstumsprofils an der Börse nicht überzogen bewertet. Die Aktie werde aktuell mit etwa dem 14-Fachen des für 2027 erwarteten Unternehmenswert-Free-Cashflow-Verhältnisses gehandelt.

Hinzu kommt, dass das Management für 2027 eine Ausweitung der operativen Marge und der Free-Cashflow-Marge um rund 100 Basispunkte in Aussicht stellt. Auch aus Unternehmenssicht soll sich die Marge nach den kurzfristigen Belastungen durch die Integration von Armis wieder normalisieren.

Die große Frage: Ist der Absturz übertrieben?

Die Neubewertung von BofA trifft auf eine Aktie, die bereits viel Skepsis eingepreist hat. Nach dem Kursrutsch der vergangenen Monate steht nun die Frage im Raum, ob der Markt die KI-Chancen von ServiceNow unterschätzt hat. Das Unternehmen wächst weiter deutlich zweistellig, erweitert seinen adressierbaren Markt durch große Zukäufe und positioniert sich als zentrale Steuerungsplattform für KI-gestützte Unternehmensprozesse.

Risiken bleiben dennoch. Die Armis-Integration belastet 2026 zunächst die Margen, und die hohe Erwartungshaltung an das KI-Geschäft muss operativ bestätigt werden. Sollte ServiceNow jedoch zeigen, dass autonome Agenten tatsächlich zusätzliche Nachfrage nach seinen Workflow- und Governance-Lösungen erzeugen, könnte die Aktie nach dem kräftigen Rücksetzer vor einer Neubewertung stehen.

Neue Chance

ServiceNow ist für BofA kein Opfer der KI-Welle, sondern einer ihrer möglichen Gewinner. Die Plattform sitzt tief in den Geschäftsprozessen großer Unternehmen, die Übernahmen von Armis und Veza stärken die Position in Sicherheit und Governance, und die Wachstumsperspektiven bleiben hoch. Nach dem deutlichen Kursrückgang könnte die Aktie damit wieder stärker in den Fokus der Anleger rücken.

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Redaktion Arriva/MW

 


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