- Die Talfahrt von Software-Aktien setzte sich fort.
- Progress Software verlor zeitweise mehr als die H
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SAP, Microsoft (Microsoft Aktie) & Co. enttäuschen: Wo liegen jetzt die Chancen?
Die Talfahrt von Software-Aktien setzte sich auch in der vergangenen Woche ungebremst fort. Während SAP auf ein neues Mehrjahrestief fiel und damit für ein weiteres Verkaufssignal sorgte, schürte Microsoft mit einem Einstellungsstopp in einigen Abteilungen Ängste, dass sich das Unternehmen hinsichtlich seiner KI-Expansion finanziell übernehmen könnte. Auch hier purzelten die Kurse in unvermindert hohem Tempo.
Mit den Kursen fallen unterdessen auch die Unternehmensbewertungen. Das zeigt erstmal nicht mehr und nicht viel weniger als eine Neubewertung der Branche an. Allerdings haben in den zurückliegenden Monaten durch den branchenweiten Abverkauf auch Titel erheblich an Wert eingebüßt, die aus fundamentaler Perspektive schon zuvor günstig zu haben waren. Dazu gehört beispielsweise die Aktie von Progress Software, die gegenüber dem Stand vor einem Jahr zeitweise mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren hat.
| Strategie | Hebel | |||
| Steigender Kurs |
Call
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5
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10
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20
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| Fallender Kurs |
Put
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5
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10
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20
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Die Unternehmensbewertung schreit "Kaufen" ...
Dadurch ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 auf 4,7 zurückgegangen – ein absurd niedriger Wert für einen Unternehmen, das seine Erlöse in den vergangenen Quartalen deutlich zweistellig steigern konnte und ein Gewinnwachstum von rund 10 Prozent bietet.
Zum Vergleich: Das 5-Jahres-Mittel liegt bei 11,8. Demgegenüber handelt Progress Software, das aufgrund seiner aggressiven, gleichzeitig aber finanziell verantwortungsbewussten Akquisitionsstrategie auch als "Mini-Berkshire" in der Software-Branche bezeichnet werden kann, mit einem Abschlag von 60 Prozent. Gegenüber der Vergleichsgruppe beträgt der Discount sogar fast 80 Prozent.
Dieser Trend setzt sich auch bei zahlreichen weiteren Kennzahlen fort, angefangen beim Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (0,93) über das EV/EBTIDA-Verhältnis (6,3) bis hin zur Cashflow-Rrendite, die über 20 Prozent beträgt. Aus diesen Werten ergibt sich eine strukturelle Unterbewertung von 45 bis 60 Prozent. Damit ist Progress Software innerhalb der Branche gegenwärtig einer der günstigsten Titel.
... doch es liegen auch einige Risiken vor
Einen ersten Haken stellt die Verschuldung dar, die abzüglich der liquiden Reserven 1,34 Milliarden US-Dollar beträgt und damit höher als der Börsenwert von 1,15 Milliarden US-Dollar ist. Die Verschuldung ist die Folge zahlreicher Übernahmen, die bislang jedoch alle erfolgreich in das bestehende Produktportfolio integriert werden konnten. Mit Blick auf das EBITDA von zuletzt 326,2 Millionen US-Dollar ergibt sich ein Verschuldungsgrad von 4,1. Das ist hoch, gilt aber als gut zu kontrollieren.
Der zweite Haken betrifft mit dem Produkt- und Dienstleistungsportfolio den Kern der Akquisitionsstrategie. Progress Software kauft vor allem sogenannte "Legacy Software", also technisch reife Software zu. Das bedeutet zwar die Gefahr der Obsoleszenz, aber auch die Chance darauf, sich Wachstum günstig hinzuzukaufen. Gleichzeitig ist die Sorge einer KI-Disruption hier umso gerechtfertigter, da ältere Software oft über kleinere Nutzergruppen verfügt und damit eine weniger starke Verankerung unter Geschäftskunden, was zu Ersetzbarkeit der angebotenen Programme und Dienstleistungen führt.
CEO erteilt KI-Sorgen eine Absage: "Deutlich übertrieben"
Allerdings verfügt das Unternehmen über eigene KI-Anwendungen und KI-gestützte Tools mit hoher Nachfrage. CEO Yogesh Gupta erteilte Disruptionssorgen auf der letzten Bilanzpressekonferenz daher eine Absage: "Kurzfristig sind die Befürchtungen meines Erachtens deutlich übertrieben, um ehrlich zu sein".
Was diese Einschätzung wert ist, muss Progress Software schon am kommenden Montag beweisen, wenn in der US-Vorbörse die Quartalszahlen für das abgelaufene Vierteljahr anstehen. Erwartet wird ein Umsatz in Höhe von 246,4 Millionen US-Dollar (+3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal) und ein bereinigter Gewinn von 1,57 US-Dollar je Anteil.

Quartalszahlen könnten für ersten Befreiungsschlag sorgen
Gegenüber ihrem bei 67 US-Dollar markierten Allzeithoch befindet sich die Aktie in einem mehrjährigen Abwärtstrend, der sich in den vergangenen Wochen noch einmal deutlich beschleunigt hat. Dadurch kam es zu dem tiefsten Stand seit dem Corona-Crash. Solche Mehrjahrestiefs stellen Verkaufssignale dar und lassen weitere Verluste befürchten.
Allerdings deuten der Relative-Stärke-Index (RSI) und der Trendstärkeindikator MACD auf überverkaufte Niveaus der Aktie hin. In beiden Indikatoren ist es gegenüber dem vergangenen Juli sogar zu bullishen Divergenzen gekommen, was nahelegt, dass es hier schon bald zu einer Gegenbewegung oder gar einer Trendwende kommen könnte.
Eine starke Kursreaktion der Aktie nach den Zahlen könnte hierzu einen weiteren Baustein liefern. Am Optionsmarkt ist eine Bewegung von bis zu 15,7 Prozent eingepreist. Bis zu einem ersten prozyklischen Kaufsignal, dem Überwinden der 50-Tage-Linie, ist es allerdings noch ein langer Weg. Neue Tiefs würden für weitere Verkaufssignale sorgen
Fazit: Eine Spekulation, die sich jetzt lohnen könnte
Vom Ausverkauf in der Software-Branche ist Progress Software überdurchschnittlich stark betroffen gewesen, was das Unternehmen mit seiner aggressiven Zukaufstrategie zu einem der aus fundamentaler Perspektive günstigsten und damit aussichtsreichsten Wert für eine Erholung in der Branche gemacht hat.
Den Chancen stehen zwar einige Risiken gegenüber, wie die Verschuldung sowie ein als veraltet geltendes Software-Portfolio, doch bislang haben sich diese in den Geschäftsergebnissen nicht materialisiert. Damit liegt ein asymmetrisches Chance-Risiko-Verhältnis zugunsten steigender Kurse vor, wenn das Management seine Strategie weiterhin sowohl operativ als auch finanziell erfolgreich umsetzt.
Mutige Antizyklikerinnen und Antizykliker greifen in Tranchen zu und warten ab, wie sich die Story mittel- und langfristig weiterentwickelt. Kurzfristig könnte es sogar zu einer Übernahme des Unternehmens kommen. Entsprechende Gerüchte kursierten vor zwei Wochen nach einem Bericht des als gut informiert geltenden Portals Betaville.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
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