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Mit Marschflugkörpern aus der Krise? Rheinmetall setzt auf neue Raketenfantasie

Ein seltenes Bild: Mit einem Minus von mehr als 20 Prozent zählt Rheinmetall zu den schwächsten Werten im DAX. Jetzt will der Rüstungskonzern noch in diesem Jahr in die Produktion von Marschflugkörpern einsteigen. Reicht die neue Waffenfantasie, um der Aktie wieder Schub zu geben?
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Rheinmetall produziert zukünftig Marschflugkörper
Quelle: - KI generiert mit DALL-E
Rheinmetall AG 1.180 € Rheinmetall AG Chart -3,15%
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Ausgerechnet Rheinmetall: Der große Gewinner der europäischen Rüstungsrallye zeigt plötzlich Schwäche. Mit einem Rückgang von mehr als 20 Prozent seit Jahresbeginn gehört die Aktie zu den schwächsten Titeln im DAX. Nach Jahren rasanter Kursgewinne fragen sich Anleger nun, ob dem Papier die Luft ausgeht oder ob eine neue Produktoffensive die Wende bringen kann. Genau dafür liefert Konzernchef Armin Papperger jetzt neuen Stoff.

Wie aus dem vorab veröffentlichten Manuskript seiner Rede für die Hauptversammlung am morgigen Dienstag hervorgeht, will Rheinmetall noch 2026 mit der Fertigung von Marschflugkörpern in Unterlüß beginnen. Papperger erklärt darin: "Noch in diesem Jahr werden wir damit beginnen, Cruise Missiles für Deep-Strike-Operationen in Unterlüss zu fertigen." Damit setzt der Konzern auf ein Segment, das militärisch wie politisch hochsensibel ist, aber gleichzeitig enormes Marktpotenzial verspricht.

Neuer Rüstungsschub aus Unterlüß

Im niedersächsischen Unterlüß betreibt Rheinmetall sein größtes Werk mit mehr als 4.000 Beschäftigten. Dort sollen künftig Marschflugkörper mit vergleichsweise großer Reichweite entstehen. Partner ist das niederländische Rüstungsunternehmen Destinus. Dessen neues System Ruta 2 soll bei einer Nutzlast von 250 Kilogramm auf eine Reichweite von 700 Kilometern kommen. Bei der Zielerkennung kommt Künstliche Intelligenz zum Einsatz.

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Für Rheinmetall ist das mehr als nur ein neues Produkt. Der Einstieg in die Fertigung von Cruise Missiles erweitert das Portfolio in Richtung Deep-Strike-Fähigkeiten – also Waffensysteme, die Ziele tief im gegnerischen Hinterland treffen können. In einem geopolitischen Umfeld, das von dem Krieg in der Ukraine und dem Aufbau europäischer Abschreckung geprägt ist, dürfte das Interesse an solchen Systemen hoch sein.

Destinus bringt Tempo, Rheinmetall bringt die Größe

Die Partnerschaft mit Destinus ist dabei strategisch sinnvoll. Das Unternehmen ist bereits im Markt aktiv und fertigt nach eigenen Angaben schon heute rund 2.000 Marschflugkörper pro Jahr. Gemeinsam wollen beide Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen Rheinmetall Destinus Strike Systems gründen. Geplant ist die Herstellung, Vermarktung und Lieferung von Marschflugkörpern sowie ballistischer Raketenartillerie.

Für Rheinmetall liegt der Reiz auf der Hand: Der Konzern kann seine industrielle Schlagkraft und seine Kundenbeziehungen in Europa einbringen, während Destinus technologische Erfahrung beisteuert. Sollte sich das Gemeinschaftsunternehmen rasch hochfahren lassen, könnte daraus ein neuer Wachstumstreiber entstehen – gerade dann, wenn europäische Nato-Staaten ihre Abhängigkeit von US-Systemen verringern wollen.

Kein Tomahawk-Ersatz, aber ein starkes Signal

Ganz ohne Einschränkung ist die Fantasie allerdings nicht. Die geplanten Systeme bleiben bei der Reichweite klar unter amerikanischen Tomahawk-Marschflugkörpern, denen bis zu 2.500 Kilometer zugeschrieben werden. Die gemeinsam mit Destinus geplanten Systeme wären also kein vollwertiger Ersatz für US-Mittelstreckenwaffen.

Trotzdem ist der Vorstoß politisch und militärisch relevant. Denn Europa sucht zunehmend nach eigenen Fähigkeiten, um auf neue Bedrohungslagen zu reagieren. Wenn die USA unter Präsident Donald Trump ihre sicherheitspolitischen Zusagen neu priorisieren oder frühere Stationierungspläne nicht weiterverfolgen, steigt der Druck auf europäische Anbieter wie Rheinmetall nur noch weiter.

Reicht das für die Aktie?

Genau an diesem Punkt wird es für Anleger spannend. Operativ ist die Nachricht stark: ein neues Produktfeld, eine klare industrielle Perspektive und zusätzliche Fantasie durch europäische Aufrüstung. Börsianer wissen aber auch: Eine gute Story allein reicht nicht immer aus, wenn die Aktie charttechnisch angeschlagen ist.

Und genau das ist bei Rheinmetall aktuell der Fall. Nach dem starken Rücksetzer hat das Papier die wichtige Unterstützungszone bei 1.250 Euro nach unten durchbrochen. Das ist ein Warnsignal. Damit hat sich das technische Bild zunächst deutlich eingetrübt. Neue Projekte wie die Marschflugkörper-Produktion können die langfristige Investmentstory zwar stützen, kurzfristig muss der Markt aber erst beweisen, dass er wieder Vertrauen fasst.

Einstieg drängt sich nicht auf

Rheinmetall liefert mit dem Einstieg in die Marschflugkörper-Produktion neuen Stoff für die Bullen. Strategisch ergibt der Schritt Sinn: Der Konzern baut sein Portfolio aus, stärkt seine Rolle in der europäischen Rüstungsarchitektur und erschließt sich mit Destinus einen spannenden Zukunftsmarkt.

Für die Aktie allein reicht das kurzfristig aber noch nicht als Kaufsignal. Nachdem der Titel die Unterstützung bei 1.250 Euro nach unten durchbrochen hat, sollten Anleger zunächst abwarten. Erst wenn diese Marke zurückerobert wird, wird die Aktie wieder interessanter.

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Redaktion Ariva/MW 

 


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