Anthropic verdrängt OpenAI – und Microsoft profitiert am meisten

Julian Schick Julian Schick
Julian Schick Julian Schick
Julian Schick schreibt seit 2020 über die Themen, die Anleger bewegen – mit einem besonderen Fokus auf Aktienanalysen, Dividendenstrategien und ETFs. Der ausgebildete Journalist absolvierte die Kölner Journalistenschule und sammelte Erfahrungen unter anderem beim Handelsblatt, der Financial Times Deutschland sowie Euronews und WDR5. Für Ariva bringt er fundiertes Marktwissen und einen klaren Blick für das Wesentliche mit.

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Die Niederlassung von Microsoft.
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Der KI-Überflieger aus San Francisco könnte Microsofts Cloud-Sparte Azure bis 2030 mit fast 45 Milliarden US-Dollar jährlich beflügeln. Warum die Partnerschaft mit Anthropic alles verändert.
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Microsoft steht vor einem historischen Umsatzschub – und der Treiber kommt von unerwarteter Seite. Der Chatbot-Entwickler Anthropic, bislang im Schatten von OpenAI, ist im vergangenen halben Jahr so rasant gewachsen, dass Analysten der Großbank HSBC nun eine radikale Neubewertung der Microsoft-Aktie für gerechtfertigt halten. Ihr Kursziel: 571 US-Dollar – rund 36 Prozent über dem aktuellen Kurs von gut 418 US-Dollar.

Der Kern der These ist einfach: Anthropic braucht gewaltige Rechenkapazitäten, um seine KI-Dienste zu betreiben. HSBC rechnet damit, dass der Konzern bis 2030 rund 60 Prozent seiner Erlöse in Cloud-Infrastruktur investieren wird. Bei einem prognostizierten Jahresumsatz von rund 241 Milliarden US-Dollar wäre das ein Markt von über 140 Milliarden Dollar (Dollarkurs) – allein für Rechenleistung. Wenn Microsofts Cloud-Plattform Azure davon rund 30 Prozent sichert, landen knapp 43 Milliarden US-Dollar jährlich beim Windows-Konzern.

Zum Vergleich: Heute ist der Beitrag von Anthropic zu Microsofts Auftragsbestand noch marginal. OpenAI macht nach HSBC-Schätzungen derzeit rund 46 Prozent der sogenannten Remaining Performance Obligations aus, Anthropic gerade einmal fünf Prozent. Die Schere dürfte sich schließen. Anthropics annualisierter Umsatz hat sich von rund neun Milliarden Dollar Ende 2025 auf etwa 40 Milliarden US-Dollar im Mai 2026 mehr als vervierfacht – ein Tempo, das selbst erfahrene Technologieanalysten verblüfft.

Getragen wird dieses Wachstum vor allem von zwei Produkten: dem KI-Programmiertool Claude Code sowie den Unternehmenslizenzen unter dem Sammelbegriff Claude for Enterprise. Claude Code erzielte laut HSBC im Mai 2026 einen hochgerechneten Jahresumsatz von knapp acht Milliarden US-Dollar – noch vor neun Monaten war das Produkt praktisch nicht existent. Gleichzeitig wächst der Markt für KI-gestützte Büro-Assistenten rapide: Die HSBC-Analysten schätzen, dass solche Copilot-ähnlichen Werkzeuge im Mai 2026 branchenweit auf einen annualisierten Umsatz von 26 Milliarden US-Dollar kommen.

Werte aus dem Artikel:
Microsoft Aktie 463,54 $ +2,95%

Für Azure selbst laufen die Geschäfte ohnehin auf Hochtouren. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres legte der Cloud-Dienst um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Microsoft investiert massiv: Allein im vierten Quartal plant der Konzern Investitionsausgaben von über 40 Milliarden US-Dollar, für das Gesamtjahr 2026 könnten es laut HSBC mehr als 190 Milliarden US-Dollar werden. .

Trotz dieser Aussichten notiert die Aktie auf einem historisch niedrigen Bewertungsniveau. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate liegt mit rund 21 deutlich unter dem Fünfjahresdurchschnitt von knapp 29. Für HSBC ist das eine Einstiegsgelegenheit – das Votum lautet Kaufen.

Autor: Julian Schick



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