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ROUNDUP 3: Streik der Crews zwingt Lufthansa an den Boden

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Zeitgleiche Streiks von Piloten und Flugbegleitern haben die Lufthansa (Lufthansa Aktie) zu großen Teilen auf den Boden gezwungen. Deutschlands größte Fluggesellschaft musste am Donnerstag nach eigenen Angaben knapp 800 Flüge mit zusammen rund 100.000 Fluggästen streichen.

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Der Ausstand sollte noch den gesamten Tag bis Mitternacht andauern. Besonders stark waren die Auswirkungen an den Drehkreuzen München und Frankfurt spürbar. Eine Lösung der Konflikte, die hinter den Streiks stehen, zeichnet sich nicht ab.

Zusatzflüge von Eurowings

"Der ganztägige Streik der Gewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit (VC) am heutigen Donnerstag, 12. Februar, trifft unsere Fluggäste extrem hart und unverhältnismäßig", teilte das Unternehmen am Mittag mit. Es wies darauf hin, dass bei den nicht bestreikten Töchtern Eurowings, Discover und City Airlines rund 400 Flüge stattgefunden haben. Eurowings hatte zudem Zusatzflüge von Düsseldorf und Hamburg nach München angeboten.

Die aufrufenden Gewerkschaften hatten schon am Vormittag von einem erfolgreichen Anlauf ihrer Aktionen berichtet. "Der Streik läuft, wie wir es erwartet haben", sagte Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger am Frankfurter Flughafen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ging von einer hohen Arbeitskampfbereitschaft ihrer Mitglieder aus. "Wir sehen in Frankfurt eine sehr gute Beteiligung", sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro am Flughafen.

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VC: Aktionen nicht abgestimmt

Die VC will für rund 4.800 Pilotinnen und Piloten höhere Betriebsrenten erreichen, während die Kabinengewerkschaft Ufo mit einem Warnstreik neue Verhandlungen bei der Lufthansa-Kerngesellschaft und der von der Schließung bedrohten Regionaltochter Cityline erzwingen will. Dort stehen 800 Jobs auf dem Spiel. Pinheiro bestritt, dass die zeitgleichen Aktionen unter den Gewerkschaften abgestimmt seien.

Nach Angaben des Flughafenbetreibers wurden allein in Frankfurt 450 von 1.117 geplanten Flügen abgesagt. Die Zahlen beziehen sich auf sämtliche Airlines, die große Masse der Ausfälle ist aber der Lufthansa zuzurechnen. In München wurden von 920 geplanten Flügen 275 gestrichen. Auch an anderen Flughäfen kam es zu Ausfällen.

Am Frankfurter Flughafen war insbesondere im Terminalbereich A deutlich weniger los als sonst. Dieser Abschnitt wird ausschließlich von Lufthansa genutzt. An den Umbuchungsschaltern bildeten sich längere Schlangen, während an den Anzeigetafeln nur vereinzelte Flüge aufgerufen wurden. Weil alle übrigen Airlines aber nicht bestreikt wurden, herrschte in den anderen Abschnitten reger Publikumsverkehr.

"Das ist schlechter Service!"

Betroffene Passagiere reagierten teils verzweifelt: "Ich bin hier gestrandet und mein Gepäck ist verloren gegangen", sagt ein Passagier, der auf dem Weg aus Houston in den USA nach Sevilla in Spanien ist. Dort müsse er dringend hin, um bei einer Hochzeit dabei sein zu können. "Das ist ein großes Problem."

Deutlicher wird ein Mann, der nachts von Addis Adeba in Äthiopien nach Frankfurt geflogen ist und nun erst am nächsten Tag nach Norwegen weiterkommt. "Ich brauche eine Dusche, ich muss essen und schlafen und ich bin krank, ich brauche einen Arzt. Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll", sagt er. Der Streik sei ein internes Problem der Lufthansa und er verstehe nicht, warum er dies ausbaden müsse. "Das ist schlechter Service."

Die diversen Tarifkonflikte im Lufthansa-Konzern scheinen festgefahren zu sein. VC-Chef Pinheiro jedenfalls schloss weitere Streiks für höhere Betriebsrenten nicht aus. "Als Gewerkschaft haben wir nicht viele Mittel außer dem Arbeitskampf. Wenn es kein Angebot gibt, dreht sich die Eskalationsspirale immer weiter." Alles andere sei "kollektives Betteln".

8.400 Euro Rente im Monat

Dass Lufthansa-Piloten im Schnitt schon nach den bisherigen Regelungen mit einer weit überdurchschnittlichen Rente von monatlich 8.400 Euro in den Ruhestand gehen, stört den Gewerkschafter nicht. Im Vergleich mit den Kollegen anderer europäischer Airlines befänden sich die Lufthansa-Piloten im unteren Mittelfeld. Zudem hätten sie eine "Leuchtturmfunktion" inne für die anderen Beschäftigten im Lufthansa-Konzern und der gesamten europäischen Airline-Industrie.

Lufthansa-Arbeitsdirektor Michael Niggemann hatte die Forderungen beider Gewerkschaften bereits am Mittwoch als unbezahlbar zurückgewiesen und auf die schlechte wirtschaftliche Performance der Lufthansa-Kerngesellschaft hingewiesen. Die größte Airline der Gruppe steckt mitten in einer harten Sanierung, nachdem sie 2024 in die Verlustzone geflogen war.

Niggemann sagte: "Wir brauchen den konstruktiven Dialog, nicht die Eskalation - nur so erzielen wir tragfähige Lösungen. Ein Streik hilft den Zukunftsperspektiven unserer Beschäftigten nicht und trifft vor allem unsere Fluggäste." Die Gewerkschaften trügen auch eine Mitverantwortung für die Zukunft des Unternehmens.

Streit um die Strategie

Die Chancen auf eine umfassende Einigung scheinen gering: Das fliegende Personal reibt sich seit Jahren an der Strategie, mit neu gegründeten Flugbetrieben (AOC) die etablierten Airlines samt ihrer gut dotierten Arbeitsplätze unter Druck zu setzen. Aus Sicht des Unternehmens ist gerade die Kerngesellschaft Lufthansa zu teuer. Die neuen AOCs sollen touristische Flüge (Discover) und Zubringerverkehr (City Airlines) mit billigeren Crews kostengünstiger gestalten. Dort werden dann auch neue Flugzeuge eingesetzt oder sogar von den Altgesellschaften hin verlagert.

Neben den Konflikten mit VC und Ufo verhandelt Lufthansa derzeit auch mit Verdi über die Arbeitsbedingungen von rund 20.000 Bodenbeschäftigten. Auch diese Berufsgruppe hat in der Vergangenheit den Flugbetrieb mit Warnstreiks häufiger lahmgelegt./ceb/DP/stk

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