Europas größter Luftfahrtkonzern Lufthansa erwartet zwar Zusatzkosten von rund 1,7 Milliarden Euro für Treibstoff im Jahr 2026, hält jedoch unbeirrt an seinem Gewinnziel fest. Die Lufthansa-Aktie legt am Mittwoch nach Vorlage der Zahlen um 3,2 Prozent zu.
Hintergrund der Energiebelastung ist die anhaltende Krise im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Transportrouten für Öl- und Kerosinlieferungen weltweit. Branchenexperten warnen bereits vor einer akuten Treibstoffknappheit in Europa.
Trotz dieser Risiken präsentierte Lufthansa für das erste Quartal deutlich verbesserte Geschäftszahlen. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um acht Prozent auf 8,75 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Verlust verringerte sich trotz Streikbelastungen um 15 Prozent auf 612 Millionen Euro und fiel damit besser aus als von Analysten erwartet.
Konzernchef Carsten Spohr sprach von einem starken Jahresauftakt, warnte jedoch zugleich vor den geopolitischen Risiken. "Im ersten Quartal haben wir unsere finanziellen Ergebnisse gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert. Doch die anhaltende Krise im Nahen Osten, steigende Treibstoffpreise und operative Einschränkungen stellen enorme Herausforderungen dar – für die Weltwirtschaft, den globalen Luftverkehr und auch für unser Unternehmen", erklärte Spohr.
Milliardenbelastung durch explodierende Kerosinpreise
Lufthansa zufolge wird die Kerosinrechnung gegenüber der ursprünglichen Planung um 1,7 Milliarden Euro auf insgesamt 8,9 Milliarden Euro steigen. Zwar hat der Konzern rund 80 Prozent seines Treibstoffbedarfs abgesichert, doch der verbleibende Anteil trifft das Unternehmen nun mit voller Wucht.
Nach Angaben der International Air Transport Association verteuerten sich die Preise für Flugzeugtreibstoff bis Ende März um mehr als 100 Prozent gegenüber dem Vormonat. Gleichzeitig verschärft sich die Versorgungslage in Europa zunehmend.
Rund 75 Prozent des europäischen Kerosins stammen aus Raffinerien im Nahen Osten. Zusätzliche Lieferungen müssten nun kurzfristig aus den USA und Nigeria organisiert werden, während asiatische Staaten ihre Exporte teilweise eingeschränkt hätten.
Mit Blick auf die bevorstehende Urlaubssaison erwartet die IEA einen weiteren Nachfrageanstieg. Der Bedarf an Flugtreibstoff dürfte demnach rund 40 Prozent höher liegen als noch im März.
Lufthansa kürzt Flüge und spart massiv Treibstoff
Um gegenzusteuern, hat Lufthansa bereits drastische Maßnahmen eingeleitet. Der Konzern strich 20.000 Kurzstreckenflüge, um rund 40.000 Tonnen Kerosin einzusparen und unprofitable Verbindungen aus dem Flugplan zu nehmen.
Auch das Wachstum wird gedrosselt. Statt das Angebot wie ursprünglich geplant um vier Prozent auszuweiten, soll die Kapazität nun nur noch um maximal zwei Prozent steigen.
Trotz der Belastungen hält der Konzern an seiner Prognose fest. Das bereinigte operative Ergebnis soll den Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro weiterhin um mehr als zehn Prozent übertreffen.
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