Gestapelte Kupferrohre (Symbolbild).
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Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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Kupfer-Rallye auch 2026? Wie KI, Minenkrisen und geopolitische Spannungen die nächste Preiswelle auslösen

Kupfer verzeichnete 2025 den stärksten Preisanstieg seit der Finanzkrise – getrieben von KI-Investitionen, Minenproblemen und globalen Spannungen. Auch 2026 könnte die Rally weitergehen, denn strukturelle Angebotsrisiken und geopolitische Unsicherheiten bleiben bestehen.
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Kupfermarkt im Ausnahmezustand – Versorgungsengpässe und Technologietrends treiben den Preis auf historische Höhen

Rekordjahr für Kupfer: 2025 im Zeichen steigender Nachfrage und schrumpfenden Angebots

Mit einem Preisanstieg von über 36 % im Jahr 2025 hat Kupfer das erfolgreichste Jahr seit 2009 verzeichnet. Der Dreimonatskontrakt an der London Metal Exchange (LME) kletterte zeitweise auf ein Rekordhoch von 12.960 US-Dollar pro Tonne. Ein Wert, den das Industriemetall zuletzt während der Erholung von der globalen Finanzkrise übertraf. Auch in New York verzeichnete Kupfer ähnliche Zugewinne und knackte mehrfach psychologisch wichtige Preismarken.

Die Kombination aus strukturellen Versorgungsengpässen, makroökonomischer Stabilisierung in China, einem schwächeren US-Dollar und wachsender Investitionstätigkeit im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) hat eine dynamische Preisrally ausgelöst, die sich laut Einschätzung vieler Analysten auch 2026 fortsetzen könnte.

Strategische Bedeutung von Kupfer in der Dekarbonisierung und Digitalisierung

Kupfer ist als Leitmetall für die Energiewende von zentraler Bedeutung: Stromnetzausbau, Elektrofahrzeuge und Windkraftanlagen kommen ohne das leitfähige Metall nicht aus. Doch 2025 wurde die Nachfrage durch einen weiteren, schnell wachsenden Bereich zusätzlich befeuert: den globalen Ausbau von Rechenzentren – insbesondere für KI-Anwendungen.

Diese Rechenzentren, die enorme Mengen an Energie verbrauchen, benötigen Kupfer für Stromleitungen, Kühltechnologien und Notstromsysteme. Ian Roper, Rohstoffstratege bei Astris Advisory Japan KK, betont: „Die Geschichte des Kupfers wurde in den letzten Jahren durch die grüne Energie getrieben,  jetzt kommt die KI als zweiter starker Nachfrageimpuls hinzu.“

Prognosen für 2026: Anhaltende Preisstärke durch strukturelle Knappheit

JPMorgan prognostiziert für das zweite Quartal 2026 mit weiteren Aufwärtspotenzialen bei anhaltenden Angebotsrisiken einen durchschnittlichen Kupferpreis von 12.500 US-Dollar pro Tonne. Langfristig sieht die US-Bank einen stabilen Aufwärtstrend, mit einem möglichen Preisdurchschnitt von 12.075 USD für das Gesamtjahr 2026.

Goldman Sachs dagegen geht kurzfristig von einer Konsolidierung aus. Die Analysten erwarten LME-Preise zwischen 10.000 und 11.000 USD pro Tonne – getragen durch starke industrielle Nachfrage in strategischen Sektoren wie KI und Verteidigung. Langfristig bleibt man jedoch bullisch und sieht den Kupferpreis bis 2035 auf 15.000 USD steigen.

Angebotsengpässe und geopolitische Unsicherheiten als zentrale Risikofaktoren

Die starke Preisentwicklung 2025 war nicht nur durch Nachfragefaktoren getrieben, sondern auch durch eine Reihe von Angebotsschocks. Produktionsausfälle in wichtigen Minen – unter anderem durch einen Erdrutsch in Indonesien – und strukturelle Probleme in alternden Minen wie Escondida in Chile haben das globale Angebot spürbar eingeschränkt.

Zudem ist ein erheblicher Teil der Kupferbestände durch sogenannte Repo-Transaktionen in den USA gebunden. Händler nutzen Arbitragemöglichkeiten zwischen Kassapreisen und Terminpreisen und binden damit physisches Kupfer über Monate hinweg. Michael Widmer, Rohstoffstratege bei Bank of America (Bank of America Aktie), spricht von einem „verfügbaren, aber nicht erreichbaren“ Markt. In Europa seien die Lager praktisch leer – ein Faktor, der die Volatilität des Marktes weiter anheizen könnte.

China: Nachfrage unter Druck, aber keine Einbrüche

China bleibt der weltweit größte Nachfrager nach Kupfer. Während der Immobiliensektor schwächelt, wurden in den vergangenen Jahren massive Investitionen in Stromnetze und erneuerbare Energien getätigt. Diese Impulse könnten 2026 jedoch etwas abflachen, da das neue Preismodell für Strom in China die Investitionsanreize im Bereich der grünen Energie verringert. Dennoch erwartet Widmer einen moderaten Nachfragestabilisator durch mögliche fiskalische Maßnahmen im Wohnungsbau.

Die Analysten von Bank of America gehen für China von einem minimalen Nachfrageanstieg um 0,5 % aus, was dem niedrigsten Niveau seit 1988 entspricht. Gleichzeitig wächst das weltweite Angebot kaum schneller: +0,6 % für 2026. Die Folge: Der globale Kupfermarkt dürfte auch im aktuellen Jahr in einem strukturellen Defizit verharren.

Industriemetalle im Aufwind: Lithium und Kobalt mit ähnlicher Dynamik

Nicht nur Kupfer, auch andere strategische Metalle erleben 2025 eine Renaissance. Kobalt, ein essenzieller Bestandteil von Batterien, hat sich im Jahresverlauf mehr als verdoppelt. Hintergrund sind Exportbeschränkungen der Demokratischen Republik Kongo – dem mit Abstand größten Produzenten weltweit. Die Regierung will die Marktpreise durch ein künstlich verknapptes Angebot stabilisieren und hat die Exportquoten drastisch reduziert.

Auch Lithium – 2022 noch auf Rekordhoch, danach stark gefallen – zeigt Anzeichen einer Erholung. Vor allem die Energiespeicherindustrie in China treibt die Nachfrage nach Lithiumkarbonat wieder an. Die Analysten erwarten für 2026 ein mögliches kleines Angebotsdefizit, was die Preise weiter stabilisieren könnte.

Ausblick 2026: Engpässe bleiben – Preisvolatilität dürfte zunehmen

Die Versorgungslage bei Industriemetallen (vor allem bei Kupfer) bleibt angespannt. Sinkende Erzgehalte, geopolitische Unsicherheiten, Infrastrukturinvestitionen und der zunehmende Bedarf durch Digitalisierung und Dekarbonisierung wirken als strukturelle Preistreiber. Kurzfristige Produktionsausfälle oder politische Entscheidungen wie mögliche US-Zölle könnten die Preisentwicklung 2026 zusätzlich beeinflussen.

Mit Blick auf das aktuelle Jahr ist von einer Fortsetzung der hohen Preisniveaus auszugehen. Jedoch sollte mit potenziell erhöhten Schwankungen gerechnet werden. Eine vollständige Normalisierung des Kupfermarktes ist mittelfristig kaum zu erwarten, solange sich das globale Angebot nicht spürbar erhöht oder die Nachfrage deutlich nachlässt. Außerdem wird der Bedarf durch die zunehmende Digitalisierung und der damit verbundenen Nachfrage nach Hardwarelösungen wohl auch in diesem Jahr weiter zunehmen. 


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