DAX: Erneuter Test des langfristigen Aufwärtstrends
Liebe DaxDaily Leser,
etwas mehr als 26 Jahre ist es her, dass der Deutsche Aktienindex, den es in der Struktur des DAX bestehend aus 30 Einzeltiteln seit 1988 gibt, seinen beschleunigten Aufwärtstrend startete. Nach einer über 20jährigen Seitwärtsphase zwischen 330 und 660 Punkten markierte der Wechsel von einer sozialliberalen zu einer konservativliberalen Regierung den Startschuss für eine große Hausse. Erst wieder knapp 20 Jahre später, im Juni 2002, wurde der langfristige Aufwärtstrend nach unten durchbrochen. Die im März 2000 eingeleitete, große Abwärtsbewegung dauerte ziemlich genau drei Jahre und kann im Nachhinein als erste Konsolidierungsbewegung auf den zuvor vollzogenen Aufschwung interpretiert werden. Von März 2003 bis Ende 2007 etablierte sich einer neuer Aufwärtstrend, an dessen Ende ein Scheitern an dem im März 2000 etablierten Hoch stand. Vom Februar 2006 bis Mai 2008 gelang es den Bullen sogar, den Index in den alten Aufwärtstrend zurückkehren zu lassen. Durch die aktuell laufende, zweite Abwärtsbewegung gehört der alte Aufwärtstrend aus dem Jahr 1982 endgültig der Vergangenheit an. Stattdessen begründen das Tief der ersten Abwärtsbewegung aus dem Jahr 2003 und der Ausgangspunkt der großen Hausse aus dem Jahr 1982 einen jetzt noch immer gültigen Aufwärtstrend, der aktuell bei 3.300 Punkten verläuft.
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Normale Aktienbaisse dauert im Durchschnitt 15 Monate
Es ist naheliegend, dass die Bären nun versuchen werden, den gültigen Aufwärtstrend zunächst einmal auf seinen Bestand hin zu testen. In der Regel kommt es nach dem erfolgreichen Test langfristiger Trendlinien zu kräftigen Gegenbewegungen, eine Garantie für die künftige Widerstandsfähigkeit der Unterstützung ist damit aber noch nicht gegeben. Da die wichtige 200-Tage-Linie bei knapp 6.000 Punkten liegt, wäre eine anschließende Erholung bis in diesen Bereich nicht als ungewöhnlich einzustufen. Nach den statistischen Auswertungen verschiedener US-Investmentbanken gab es in den USA in den vergangenen 100 Jahren 19 Bärenmärkte. Da der deutsche Aktienmarkt sehr stark von Investoren aus dem anglo-amerikanischen Raum abhängig ist, wird sich eine Erholungsbewegung im DAX erst dann entfalten können, wenn eine Entspannung am US-Markt bereits ins Laufen gekommen ist. Europa hat seit Beginn der siebziger Jahre fünf Baisse-Märkte erlebt: währen der ersten Ölkrise 1973/1974, im Oktober 1987, während des ersten Irak-Krieges 1990/91, 1997/1998 im Rahmen der Asien-und Russlandkrise und 2000 bis 2003 nach dem Platzen der Internetblase. Die durchschnittliche Dauer dieser Abwärtsbewegungen betrug 15 Monate, die durchschnittlichen Verluste gemessen an den vorherigen Hochpunkten lagen bei 38 Prozent. Der Ausgleich der entstandenen Verluste dauerte im Durchschnitt 31 Monate. Eine Ausnahme bildete nur die Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren, mit der die aktuelle Krise bereits verglichen wird. Ob dieser Vergleich stand hält wird sich aber erst in der Nachbetrachtung zeigen. Bisher lässt sich noch hoffen, dass die bisherigen Prognosen eine hohe Fehlerquote aufweisen. Immerhin haben sich mit der Zunahme der medialen Einflüsse auch die Zyklen von Auf- und Abwärtsbewegungen stark beschleunigt.
Börsen-Tiefpunkt liegt etwa sechs Monate vor dem realwirtschaftlichen Tiefpunkt
Auch wenn ständig betont wird, dass diese ökonomische Krise nicht mit „normalen" Maßstäben zu bewerten sei und die bisher genutzten Instrumentarien zur Erstellung einer Prognose für die weitere Entwicklung nur bedingt geeignet seien, lässt sich doch festhalten, das einige Kriterien nach wie vor gelten. Dazu gehört, dass die Aktienmärkte den realwirtschaftlichen Tiefpunkt in etwa sechs bis neun Monate vorwegnehmen. Auf die aktuelle Situation bezogen, dürfte demnach nicht vor dem Beginn des Jahres 2010 mit einer wirtschaftlichen Erholung gerechnet werden. Zudem lässt der Blick auf den langfristigen MACD noch keine Trendwende erwarten, der Test des langfristigen Aufwärtstrends könnte deshalb noch im ersten Quartal 2009 stattfinden. Dafür spricht, dass langsam auch die Nerven der institutionellen Investoren blank liegen. Die kontinuierliche Anpassung der von Analysten formulierten Kursziele für Einzeltitel nach unten sowie nur noch wenige ausgesprochene Kaufempfehlungen weisen auf zunehmende Hoffnungslosigkeit der Profis hin. Je stärker sich der Eindruck einer Kapitulation der Käufer verfestigt, desto näher rückt ein möglicher Wendepunkt. Gültigkeit besitzt zudem immer noch die Regel, dass eine Baisse-Bewegung mit einem klassischen Ausverkauf unter hohen Umsätzen endet. Die Umsatzspitzen des Tiefpunktes aus dem November 2008 sollten deshalb deutlich überschritten werden. Da auch viele Leer-Verkäufer in dem aktuellen Markt unterwegs sind, könnte ein solcher Ausverkauf zusätzlich die eine oder andere Schieflage bei einzelnen Standardwerten bereinigen. Erst wenn sich eine Mehrheit der Bären ernsthaft die Finger verbrannt hat, können die Bullen die laufende Abwärtsspirale vielversprechend beenden.
