Vom Highflyer zum Schnäppchen: Warum Ottobock plötzlich wieder interessant wird
Seit dem Börsengang hat Ottobock rund 30 Prozent an Wert verloren – obwohl die Zahlen stimmen. Jetzt stuft die UBS die Aktie hoch, und die Papiere setzen zur Kurswende an.
Beim deutschen Prothesen- und Bioniktechnik-Hersteller Ottobock klafft eine ungewöhnliche Lücke zwischen operativer Entwicklung und Börsenbewertung. Die Großbank UBS hat das zum Anlass genommen, ihre Einschätzung zur Aktie grundlegend zu revidieren.
Ottobock mit Sitz in Duderstadt ist Weltmarktführer im sogenannten Human-Bionics-Markt – einem Segment, das Prothesen, Exoskelette und digitale Orthopädietechnik umfasst. Das Unternehmen ist in 45 Ländern direkt aktiv und bedient Kunden in mehr als 140 Staaten. Im Kerngeschäft mit Fachhandel und Sanitätshäusern (B2B) hält Ottobock einen Marktanteil von rund einem Drittel; im direkten Patientengeschäft (B2C) baut das Unternehmen seine Position durch Zukäufe schrittweise aus. Die Gründerfamilie hält weiterhin die Mehrheit.
Trotz solider Ergebnisse hat der Kurs seit dem IPO massiv nachgegeben und notiert aktuell bei rund 49 Euro – deutlich unter dem Ausgabepreis. Das Bewertungsniveau ist damit auf das Niveau des breiten europäischen Medizintechniksektors gesunken: etwa das 16-Fache des für 2026 erwarteten Gewinns. Zum Vergleich: Beim Börsengang wurde noch ein Aufschlag von rund 20 Prozent auf die Branche bezahlt.
Genau hier setzt die neue Analyse an. Die UBS-Analysten argumentieren, dass Ottobock trotz des gleichen Bewertungsniveaus wie der Sektor deutlich höhere Wachstumsraten bietet: für den Umsatz über acht Prozent jährlich bis 2030, beim Gewinn je Aktie sogar rund 16 Prozent – fast doppelt so viel wie der Branchendurchschnitt. Das Kursziel liegt bei 74 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von mehr als 50 Prozent entspricht. Die Einstufung wurde von Neutral auf Kaufen angehoben.
Am Markt wurde die Hochstufung mit Erleichterung aufgenommen. Am Dienstagnachmittag liegen die Papiere fast 9 Prozent im Plus.
Ein zentrales Argument der UBS-Analysten: das defensive Geschäftsmodell. Ottobocks Produkte werden überwiegend von staatlichen Kostenträgern erstattet, die Nachfrage gilt als konjunkturunabhängig. Hinzu kommt eine seltene Eigenschaft im Gesundheitssektor – Ottobock ist Preissetzer, kein Preisnehmer. Die Preise werden produktweise mit den Erstattungsstellen verhandelt, nicht in Ausschreibungen gedrückt. Historisch stiegen die Preise im Schnitt um zwei Prozent jährlich. "In einer Welt wachsender Unsicherheit sollte Ottobocks defensives und preisflexibles Geschäftsmodell für Investoren attraktiver, nicht unattraktiver sein", heißt es in der Analyse.
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