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USD: Der Wandel vom Petrodollar zum Silicon-Dollar

Im Juli 1974 stiegt der damalige US-Finanzminister William Simon in ein Flugzeug Richtung Saudi-Arabien. Die USA hatten wenige Jahre zuvor die US-Dollar Bindung zu Gold aufgehoben und das OPEC Öl-Embargo von 1973 war vor kurzem zu Ende gegangen. Finanziell standen die USA aber nicht besonders gut da. Der ehemalige Anleihehändler William Simon flog also nach Saudi-Arabien und machte das wohl wichtigste Anleihegeschäft der Geschichte. Im Gegenzug zu US-Sicherheitsgarantien würde Saudi-Arabien versprechen, Öl nur in US-Dollar zu handeln und ihre Leistungsbilanzüberschüsse aus den Ölverkäufen in US-Dollar anzulegen. Der Petrodollar war geboren.

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Mit dem Dritten Golfkrieg kommt diese Vereinbarung aber nun ins Wanken. Die Saudis und auch die anderen Golfstaaten sehen, dass die USA nicht gewillt oder nicht fähig sind, sie vor den Angriffen der iranischen Regierung zu schützen, in einem Krieg, den die USA begonnen haben. Und nun droht der US-Präsident zudem damit, die US-Truppen wieder abzuziehen, egal ob es ein Abkommen mit dem Iran gibt oder nicht, egal ob die Straße von Hormus wieder passierbar ist oder nicht. Ein Ende des Petrodollars wird bereits befürchtet.

Das Geniale an der Petrodollar-Vereinbarung für die USA war, das Öl jeder braucht. Und indem man die Vereinbarung mit dem damals größten Ölproduzenten Saudi-Arabien traf, setzte man gleichzeitig den globalen Standard. Eine Währung hat drei Eigenschaften. Sie muss als Tauschmittel gegen Waren, als Wertanlage und als Maßeinheit dienen. Indem Öl nun global in US-Dollar gehandelt wurde, wurden alle drei Eigenschaften für den US-Dollar international zementiert. Jeder in der Welt musste Öl kaufen, dafür den US-Dollar als Tauschmittel nutzen, wissen wie viel Öl gerade in US-Dollar kostet und die Golfstaaten legten ihre US-Dollar in US-Staatsanleihen an.

Ist ein mögliches Ende des Petrodollar also das Ende der US-Dollars als Weltleitwährung? Ich habe meine Zweifel. Der Grund ist: Der Petrodollar ist inzwischen ein bisschen ein Ding der Vergangenheit.

Denn erstens ist die Golfregion nicht mehr so wichtig für den globalen Ölhandel wie sie einmal war. Während 1980 noch rund 55% aller globalen Ölexporte aus der Golfregion kamen, waren es 2024 nicht einmal mehr 35%. Die USA selbst haben Saudi Arabien bereits in 2020 als größten Exporteur der Welt abgelöst. Und zudem ist Öl als global gehandeltes Gut auch nicht mehr so wichtig. Der Ölpreis selbst schwankt natürlich stark und macht deswegen Vergleiche in US-Dollar gerechnet schwierig. Schaut man aber auf die Menge, so haben die globalen Ölexporte bereits 2016 ihren Höhepunkt erreicht und haben seitdem bestenfalls stagniert.

In den Jahren 2020 und 2021, als die Ölnachfrage aufgrund der Pandemie niedrig war, wurden global schon einmal in US-Dollar gerechnet weltweit mehr Integrierte Schaltungen, also Computerchips, exportiert als Rohöl. Ein steigender Ölpreis konnte dies 2022 und 2023 zwar noch einmal ändern. 2024 und damit im letzten Jahr, für das globale Daten verfügbar sind, wurden aber bereits wieder mehr Computerchips exportiert als Öl. Und gemessen daran, dass die Semiconductor-Exporte des wichtigsten Exportlandes Taiwan im vergangenen Jahr um mehr als 25% gewachsen sind, während die Ölexporte Saudi-Arabiens stagnierten, dürfte sich dies 2025 nicht geändert haben.

Für den US-Dollar ist daher inzwischen wichtiger, dass Computerchips in US-Dollar gehandelt werden, als dass das Öl aus der Golfregion in Öl gehandelt wird. Der Leistungsbilanzüberschuss Taiwans betrug im letzten Jahr fast 20% des taiwanesischen BIPs. Bereits 2024 lag der taiwanesische Leistungsbilanzüberschuss in US-Dollar gerechnet fast so hoch wie der der gesamten Golfregion zusammen. Nicht verwunderlich also, dass laut Daten des US-Finanzministeriums Taiwan inzwischen auch fast so viele US-Staatsanleihen besitzt wie Kuwait, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate gemeinsam.

Ein Ende des Petrodollar wäre für den US-Dollar sicherlich ein Rücksetzer. Ein Ende des US-Dollars als Weltleitwährung wäre es allerdings vermutlich nicht. Dafür hat sich die Welt inzwischen zu stark gewandelt. Dass Taiwan über 90% seiner Exporte allerdings in US-Dollar abrechnet, könnte auch mit einer impliziten Sicherheitsgarantie zu tun haben. Und wer weiß, ob die Sicherheitsgarantie in der Taiwanstraße nicht auch einen Kratzer abbekommt, sollte die Sicherheitsgarantie in der Straße von Hormus weniger wert sein als gedacht.

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