
TUI: Ist dieser Abverkauf über sein Ziel hinausgeschossen?
Hinter den Anlegerinnen und Anlegern von Europas größtem Reise- und Touristikkonzern liegt bislang ein von hoher Volatilität geprägter Jahresverlauf. Nach einer Konsolidierung auf hohem Niveau und einem neuen Mehrjahreshoch – eigentlich ein technisches Kaufsignal – setzte in den vergangenen Wochen eine scharfe Korrekturbewegung ein. Aktuell steht gegenüber dem Jahreswechsel ein Minus von über 24 Prozent zu Buche.
Zu diesen Verlusten führte einerseits ein Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr, der von Investoren als (zu) vorsichtig empfunden wurde. Andererseits sorgten die Ölpreisexplosion und der Iran-Krieg für Gegenwind: Höhere Energiekosten bedeuten schwächere Margen, während die im Arabischen Golf festsitzenden "Mein Schiff"-Boote zu schlechter Presse und der Furcht vor sinkenden Buchungszahlen führte.
Seit Herbst 2023 befindet sich die Aktie von TUI ein einem mehrjährigen Aufwärtstrend, wenngleich dieser von anhaltend hoher Volatilität geprägt war. Insofern stellt die Abwärtsbewegung der vergangenen Wochen nur eine von vielen Konsolidierungen in den vergangenen zweieinhalb Jahren dar.
Wenngleich dabei die beiden gleitenden Durchschnitte deutlich unterschritten wurden, was ein technisches Verkaufssignal darstellt, sollte der Abverkauf vorerst als korrektiv und noch nicht als Zeichen eines neuen, dauerhaften Abwärtstrends interpretiert werden – auch weil der Abstand zu den 52-Wochen-Tiefs noch deutlich ist und die Aktie bei 6,50 und 6,00 Euro über weitere Unterstützungen verfügt.
... das birgt die Chance auf eine rasche Gegenbewegung
Trotzdem ist die jüngste Verschlechterung des Chartbildes nicht von der Hand zu weisen, was das Risiko weiterer Verluste birgt. Die technischen Indikatoren signalisieren eine deutliche Schwäche. Die allerdings stellt zugleich eine Chance auf eine Erholung dar.
Im zeitweise stark überverkauften Relative-Stärke-Index (RSI) ist es trotz fallender Kurse zu einer Bodenbildung gekommen. Dadurch liegen erste bullishe Divergenzen vor, die als Vorboten von Trendwenden gelten.
Unterdessen zeigt der Trendstärkeindikator MACD zwar einen dynamischen Abwärtstrend an, auch hier setzt aber insofern Entspannung ein, als dass der freie Fall gestoppt wurde und sich ein Sprung über die (rote) Signallinie abzeichnet. Das genügt nach scharfen Abwärtsbewegungen häufig bereits für eine Bewegung in die Gegenrichtung. Im Kursverlauf ist es unterdessen zu einem fallenden Keil gekommen. Das gilt wie bullishe Divergenzen auch als Indikator für eine zeitnah bevorstehende Trendwende.
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Fazit: Die (neue) operative Stärke jetzt kaufen!
Die ist auf operativer Basis längst gelungen, was den Abverkauf in der aktuellen Höhe nicht gerechtfertigt erscheinen lässt. Für 2026 ist TUI mit dem 5-Fachen seiner erwarteten Gewinne bewertet. Selbst wenn die Ölpreise dauerhaft erhöht bleiben und die operative Marge einen Rückgang verzeichnet, bietet ein solch niedriges KGV Aufwertungschancen – erst recht, weil Mitbewerber wie Carnival, Norwegian Cruise Line und Royal Caribbean deutlich höher bewertet sind.
Mutige Anlegerinnen und Anleger können daher die Kombination aus ersten technischen Entspannungssignalen und günstiger Unternehmensbewertung kaufen und mit dem Aufbau einer Position beginnen. Solange sich nicht abzeichnet, dass Verbraucherinnen und Verbraucher nun doch auch bei ihren Reiseplänen den Rotstift ansetzen, dürften die Buchungszahlen und damit die Finanzergebnisse von TUI stark bleiben.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross