Um diese Lücken zu schließen, setzt die EZB auf eine Doppelstrategie. Das Projekt “Pontes” soll bereits im dritten Quartal 2026 starten und DLT-Plattformen direkt mit den TARGET-Diensten verknüpfen, um Transaktionen in einer CBDC zu ermöglichen. Langfristig soll die Initiative “Appia” bis 2028 einen umfassenden Bauplan für ein integriertes Ökosystem liefern.
Cipollone betonte in seiner Rede die Dringlichkeit der technologischen Souveränität: “Das Zeitfenster, in dem Europas frühe Vorteile in eine dauerhafte Führungsrolle verwandelt werden können, wird nicht ewig offen bleiben.”
Privaten Lösungen wie Stablecoins oder tokenisierten Bankeinlagen spricht der EZB-Direktor die Fähigkeit ab, den Markt eigenständig zu skalieren. Forschungsergebnisse zeigten, dass selbst Fiat-gestützte Stablecoins selten exakt zum Nennwert gehandelt würden. Die EZB sieht sich hier als notwendigen Garanten: “Dieses Vertrauen kann nicht auf privaten Abwicklungs-Assets allein beruhen. Digitales Zentralbankgeld wird die Brücke sein, die private Assets untereinander konvertierbar macht.”
Technologie allein könne die rechtliche Zersplitterung in 27 Mitgliedstaaten nicht lösen. Cipollone regte daher einen dedizierten EU-Rechtsrahmen an, der über das bisherige DLT-Pilotregime hinausgeht. Er warnte davor, die technologische Ambition durch juristische Trägheit zu bremsen: “Wir laufen Gefahr, eine fortschrittliche Abwicklungsinfrastruktur auf einem Flickenteppich von Vorschriften aufzubauen, ohne die Vorteile voll ausschöpfen zu können.”
Abschließend zog er einen historischen Vergleich zur Einführung des Euro: Europa habe bereits einmal bewiesen, dass es eine gemeinsame Währung schaffen könne – nun müsse dasselbe für einen digitalen Finanzmarkt gelingen.

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