Starke Wirtschaft, leere Kasse: Kolumbien klopft beim Währungsfonds an
Nicolas Ebert
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Fast 13 Prozent Rendite, aber die Staatskasse blutet aus: Kolumbien sucht Hilfe beim Währungsfonds. Ein Fondsmanager verrät, wie Sie trotzdem von den hohen Zinsen profitieren und welche Falle Sie meiden sollten.
Für dich zusammengefasst:
Kolumbiens Staatsdefizit könnte 2027 9,5 Prozent erreichen.
Die Nettoverschuldung wird bis 2027 auf 67,3 Prozent steigen.
Der Währungsfonds senkte die Wachstumsprognose für Kolumbien.
Kolumbiens Wirtschaft trotzt den Erwartungen, doch die Staatskasse gerät aus den Fugen. Zu diesem Urteil kommt Michael Vander Elst, Fondsmanager beim Vermögensverwalter DPAM. Das Haushaltsdefizit könnte 2027 auf rund 9,5 Prozent der Wirtschaftsleistung klettern. Damit stehe die Glaubwürdigkeit des Landes auf dem Spiel. Rückendeckung erhält er vom Internationalen Währungsfonds. Der warnte am Freitag, das Sparen sei in vielen Ländern Lateinamerikas ins Stocken geraten.
Im zweiten Quartal wuchs Kolumbiens Wirtschaft schneller. Den Schub lieferte vor allem der Konsum. Zugleich zieht die Inflation wieder an und lag im September laut nationalem Statistikamt bei 6,29 Prozent. Vander Elst nennt die kräftige Erhöhung des Mindestlohns, die lockere Haushaltspolitik und das Wetterphänomen El Niño als Treiber. Die Zentralbank hob den Leitzins Ende September auf 12,25 Prozent. Zinssenkungen sind laut Vander Elst nicht in Sicht.
Staatsfinanzen: Das Loch wird größer
Die Ausgaben wachsen deutlich schneller als die Einnahmen. Die Nettoverschuldung dürfte bis 2027 auf 67,3 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Das liegt knapp unter der gesetzlichen Grenze von 71 Prozent, aber weit über dem Ziel von 55 Prozent. Selbst nach geplanten Einsparungen müsste der Staat rund 180 Billionen Pesos über Kapitalmärkte und offizielle Geldgeber einsammeln. Präsident Abelardo de la Espriella sucht deshalb das Gespräch mit dem Währungsfonds. "Mehr Transparenz allein löst allerdings noch nicht das Finanzierungsproblem", betont Vander Elst.
Region: Währungsfonds mahnt zur Eile
Kolumbien steht mit seinen Sorgen nicht allein. In ganz Lateinamerika steige die Staatsverschuldung weiter, sagte Nigel Chalk, Chef der Amerika-Abteilung des Währungsfonds, laut Reuters. Die günstigen Finanzierungsbedingungen seien "möglicherweise nicht von Dauer".
Für Lateinamerika und die Karibik senkte der Fonds seine Wachstumsprognose auf 2,3 Prozent in diesem und 2,5 Prozent im nächsten Jahr. Kolumbien traut er nur 2,2 Prozent für 2026 zu. Während die Inflation in den meisten Ländern bis Ende 2027 zum Ziel zurückkehren soll, rechnet der Fonds für Kolumbien 2027 noch mit 5,7 Prozent.
Anleihen: Kurz statt lang
Am Anleihemarkt hat die Sorge längst einen Preis. Zehnjährige Staatsanleihen rentieren laut Trading Economics bei 12,89 Prozent. Vander Elst setzt auf kurze Laufzeiten mit begrenztem Zinsänderungsrisiko. Das sei derzeit "der umsichtigste Ansatz".
Fazit
Kolumbien lockt mit hohen Renditen und soliden Institutionen wie einer unabhängigen Zentralbank. Ohne einen glaubwürdigen Sparkurs über mehrere Jahre droht jedoch ein weiterer Vertrauensverlust. Die Warnung des Währungsfonds zeigt, dass das Zeitfenster für Reformen kleiner wird. Wer investiert, fährt laut DPAM mit kurzen Laufzeiten besser.
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