Chipaktien im Sinkflug: Kann Meta am Mittwoch die Rallye retten?
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert steht für kompakte Nachrichten mit einem sicheren Gespür für relevante Marktthemen. Nach über 6 Jahren für wallstreetONLINE und ariva.de im Einsatz fühlt sich der Berliner in der Finanzwelt wie zu Hause. Seine Inhalte reichen querbeet von Value-Titeln und den Märkten in Asien über die US Big-Techs bis hin zu aktuellen Top-Performern auf dem globalen Börsenparkett. So entstehen informative News, die Anlegern echten Halt geben.
Chipaktien rutschen ab. Schuldensorgen bei CoreWeave verunsichern die Märkte. Am Mittwoch muss Meta liefern. Die DZ Bank sieht im Markt noch Luft nach oben, warnt aber vor einem gefährlichen Risiko für 2027.
Für dich zusammengefasst:
Die Chipbranche hat im Oktober stark nachgelassen.
Am Mittwoch legen Meta, Lam Research und Texas Instruments Zahlen vor.
Der Philadelphia Semiconductor Index verlor im Oktober rund acht Prozent.
Die Chipbranche durchlebt einen stürmischen Oktober. Nun steht der Boom rund um künstliche Intelligenz vor seinem nächsten Härtetest. Am Mittwoch legen Meta, Lam Research und Texas Instruments Zahlen vor. Ein Ende der Rallye sieht Sören Hettler von der DZ Bank trotz der jüngsten Verluste nicht. Er spricht von einer selektiven Neubewertung.
Halbleiter: Zinsen und Zweifel
Mehrere Faktoren treffen zusammen. Steigende Renditen setzen vor allem Geschäftsmodelle unter Druck, die stark auf Kredit gebaut sind. Dazu zählen sogenannte Neoclouds wie CoreWeave, die Rechenleistung vermieten. Der Anbieter sitzt laut Reuters auf rund 50 Milliarden US-Dollar Schulden. In dieser Woche brach die Aktie ein.
Neue Konkurrenz aus China und erste Anzeichen für langsameres Wachstum verstärken die Skepsis. So habe sich etwa das Umsatzwachstum von Anthropic zuletzt deutlich verlangsamt, schreibt Hettler. Auch die Strategen der Deutschen Bank und von RBC Capital Markets nahmen ihre Empfehlungen für Technologiewerte zurück.
Noch hält sich der Schaden in Grenzen. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor im laufenden Oktober rund acht Prozent, liegt seit Jahresbeginn aber weiterhin gut 60 Prozent im Plus. Der S&P 500 notiert dagegen nur rund ein Prozent unter seinem Rekord. "Dieser Markt funktioniert im Grunde wie ein Ein-Aus-Schalter", sagt Garrett Melson von Natixis Investment Managers Solutions. Laufe es bei künstlicher Intelligenz gut, sauge sie den anderen Sektoren den Sauerstoff ab.
Berichtssaison: Meta macht den Anfang
Laut LSEG sollen die Unternehmen im S&P 500 ihre Gewinne im dritten Quartal um mehr als 30 Prozent gesteigert haben. Nach Schätzung von Goldman Sachs dürften fünf große Cloudanbieter, darunter Meta, ihre Investitionen im nächsten Jahr auf rund 1,2 Billionen US-Dollar hochfahren. Entscheidend sei, ob ihre Gewinne schneller wachsen als ihre Ausgaben, sagt Kevin Shea von BNY Wealth. Meta ist an der Börse rund 1,9 Billionen US-Dollar wert und legte zuletzt nach dem Start seines Assistenten Muse zu. Nach Meta folgen Intel am 29. Oktober und Nvidia am 17. November.
Hettler bleibt für die kommenden Wochen zuversichtlich. Die Cloudriesen hätten wenig Anreiz, ihre Investitionen zu kürzen. "Wer heute zu wenig investiert, riskiert, dauerhaft zurückzufallen", schreibt er. Starke Zahlen dürften die Skepsis rasch vertreiben. Enttäuschungen könnten bei den hohen Bewertungen dagegen heftige Kursreaktionen auslösen.
Ausblick: 2027 wird es ungemütlich
Deutlich unruhiger dürfte das kommende Jahr werden. Hohe Bewertungen, ehrgeizige Gewinnerwartungen und hohe Renditen belasten. Anleihen werden zur echten Konkurrenz für Aktien. Die US-Notenbank dürfte die Zinsen laut Terminmarkt spätestens im Dezember ein zweites Mal in diesem Jahr anheben. Als größtes Risiko nennt Hettler eine mögliche Ansteckung, falls ein großer Neocloud-Anbieter ausfällt.
Fazit
Die Korrektur trifft vor allem hoch bewertete und hoch verschuldete Nischen. Konzerne mit starken Gewinnen und Cashflows stehen deutlich stabiler da. Die Zahlen von Meta am Mittwoch geben die Richtung vor. Kurzfristig sieht die DZ Bank weiter Luft nach oben. Spätestens 2027 muss sich zeigen, ob die Milliarden für künstliche Intelligenz echte Gewinne bringen.
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