BERLIN (dpa-AFX) - Deutschland muss aus Sicht von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt auch aus Sicherheitsgründen dringend seinen Rückstand bei Künstlicher Intelligenz aufholen. Auf die jüngst verhängte Sperre der US-Regierung für eine KI zur Aufdeckung von Software-Schwachstellen angesprochen, sagt der CSU-Politiker, man lebe aktuell in einem Zeitalter des KI-Wettrüstens. In so einer Situation sei es gut, wenn man in der Lage sei, technologische Innovationen mitzugestalten. Ansonsten könne es passieren, "dass man sehr schnell zu den Opfern gehört".
Für dich zusammengefasst:
Deutschland hat einen Rückstand bei Künstlicher Intelligenz.
Die US-Regierung blockiert den Zugang zu KI-Modellen.
Die EU-Kommission bemüht sich seit Wochen um Zugang.
US-Regierung beschränkt Zugang zu wirkmächtiger Software
Das US-Unternehmen Anthropic hatte am Samstag nach einer Anordnung der Regierung den Zugang zu seiner erst kürzlich veröffentlichten Top-Software mit Künstlicher Intelligenz blockiert. Regierungsbehörden hätten Anthropic unter Verweis auf die nationale Sicherheit angewiesen, den Zugang aller Ausländer zu den KI-Modellen Fable 5 und Mythos 5 zu unterbinden, teilte das Unternehmen mit. Das KI-Modell gilt als besonders geeignet, Schwachstellen und Sicherheitslücken in Software aufzuspüren. Deutschland hat bisher keinen Zugang zu diesem KI-Modell, war jedoch nach Angaben der Bundesregierung dazu in Gesprächen mit dem Hersteller.
EU-Kommission seit Wochen um Zugang bemüht
In der EU obliegt die Regulation von Künstlicher Intelligenz primär der Europäischen Kommission, alle Anbieter müssen sich etwa an das europäische KI-Gesetz halten. Die Brüsseler Behörde war seit Wochen in Gesprächen mit Anthropic und bemüht darum, Zugang zu den neusten Modellen zu bekommen. Ein Kommissionssprecher sagte, diese Gespräche gingen ungeachtet der US-Sperre weiter. Tatsächlich hatte die US-Firma demnach bereits Gespräche mit der EU-Cybersicherheitsagentur ENISA begonnen.
Der Sprecher der EU-Kommission sagte, getroffene Vorsichtsmaßnahmen sollten keine Benachteiligung von Partnern zur Folge haben. "Wir stellen fest, dass Technologie zunehmend zu einem strategischen Wert wird, und Europa muss in der Lage sein, nach seinen eigenen Grundsätzen zu handeln", sagte er.
Schwachstellen-Scan der neuen Generation bald auch in China?
Es sei gut möglich, dass vergleichbare Fähigkeiten demnächst auch in China zur Verfügung stünden, sagte Dobrindt, der in Berlin ein Gemeinsames Zentrum von Bund und Ländern zur Abwehr hybrider Bedrohungen aus der Taufe hob. Für Europa sei es besser, sich auf den Weg zu machen, um sich eine ähnliche Fähigkeit anzueignen, anstatt sich auf Partner und Freunde zu verlassen.
BSI wies frühzeitig auf potenzielle Risiken hin
Die Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Claudia Plattner, hatte bereits kurz nach der Vorstellung von Claude Mythos Preview im April erklärt, das BSI erwarte mit Blick auf das neue KI-Tool "Umwälzungen im Umgang mit Sicherheitslücken und in der Schwachstellenlandschaft insgesamt". Es stellten sich auch "Fragen nationaler und europäischer Sicherheit und Souveränität"./abc/DP/stw
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