Anleihen: Abwärtstendenz gestoppt
Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche ihre Abwärtstendenz gestoppt und sich deutlich erholt. Wie auch an der Aktienbörse war dies vor allem auch auf den Kursverlauf am Freitag zurückzuführen. Hier sorgten überraschend schlecht ausgefallene US-Arbeitsmarktzahlen für Hoffnungen, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen nicht bereits im Oktober weiter erhöhen wird. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe sank im Wochenvergleich um 17 Hundertstel auf 3,45 Prozent. Die Umlaufrendite blieb dagegen mit 3,55 Prozent unverändert.
USA: Neue Allzeithochs bei KI-Werten
Die US-Aktienmärkte haben sich in der vergangenen Woche ähnlich wie die deutschen Börsen entwickelt. Während vor allem KI- und andere High-Tech-Werte gerade auch nach guten Zahlen von Micron (+0,4 Prozent) gesucht waren, und beispielsweise Nvidia (+5,3 Prozent) und AMD (+1,8 Prozent) auf neue Allzeit-Hochs kletterten, gaben auf der anderen Seite traditionelle Standardwerte eher nach. Allerdings profitierten auch sie am Freitag von schwachen US-Arbeitsmarktdaten und der daraus resultierenden Hoffnung, dass die Fed zunächst nicht weiter an der Zinsschraube drehen wird. Insgesamt verbesserte sich der tech-lastige Nasdaq-Composite-Index im Wochenvergleich um 0,5 Prozent auf 27.190,86 Punkte. Im Verlauf des Freitag-Geschäfts war er dabei sogar auf ein neues Rekordhoch gestiegen, gab dann aufgrund steigender Anleiherendite aber wieder etwas nach. Der marktbreite S&P-500-Index verlor 0,3 Prozent auf 7,722.72 Punkte. Der Dow-Jones-Index rutschte um 1,3 Prozent auf 51,176.46 Zähler ab.
Ausblick: Öl, Zinsen, Inflation und Konjunktur bestimmen die Märkte
Zwar bereiten sich viele Marktteilnehmer bereits auf die in der kommenden Woche voll anlaufende Quartalsberichtsaison vor – und auch die für den 3. November angesetzten Midterms in den USA werfen immer mehr ihren Schatten voraus, aber zumindest in den kommenden Handelstagen dürfte sich die Kursentwicklung an den Aktienmärkten nach allgemeiner Auffassung wieder einmal daran festmachen lassen, wie sich die Lage bei den Themen Öl, Zinsen, Inflation und ihre Auswirkungen auf die Konjunktur darstellt.
Die erste Frage dabei ist, wie der Ölpreis auf die am Freitag verkündete Freigabe von 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel durch die G7-Staaten reagiert. Fällt er oder reagiert er überhaupt nicht? Denn auch wenn 100 Millionen Barrel zunächst nach viel klingt, haben etliche Marktbeobachter die Freigabe bereits lediglich als „Tropfen auf den heißen Stein“ bezeichnet.
Erhöht die Fed schon im Oktober die Zinsen?
Zweite Frage ist die nach der weiteren Zinsentwicklung. Hier haben die jüngsten schwachen US-Arbeitsmarktzahlen zwar für eine gewisse Entspannung gesorgt. Andererseits erwartet aber immer noch eine Mehrheit der Analysten in den USA, dass die Fed bereits im Oktober ein weiteres Mal die Leitzinsen erhöht. Am Mittwoch könnte es neue Anhaltspunkte geben, die dafür oder dagegen sprechen. Denn dann wird das Protokoll der letzten Offenmarktsitzung der Fed veröffentlicht. Und das gibt üblicherweise doch einige Hinweise darauf, wie die Stimmung unter den US-Notenbankern tatsächlich war bzw. ist. Ähnlich interessant dürften die „Accounts“ zur jüngsten EZB-Ratssitzung werden, die am Donnerstag veröffentlicht werden.
Bleibt die Frage nach der Konjunktur. Setzt sich der Aufschwung in Deutschland fort? Am Ende der Woche dürften wir deutlich mehr darüber wissen, denn sowohl am Montag (HCOB Einkaufsmanagerindex) als auch am Dienstag (Werkaufträge), Mittwoch (Industrieproduktion) und am Donnerstag (Handelsbilanz) gibt es neue Zahlen zu diesem Thema.
Quartalsberichterstattung wirft ihre Schatten voraus
Und auch wenn die Quartalsberichtssaison erst in der kommenden Woche so richtig startet, gibt es in den nächsten Tagen zudem einige interessante Unternehmens-Termine. So führen die Deutsche Telekom an diesem Montag und Porsche am Mittwoch einen Kapitalmarkttag durch. Darüber hinaus publiziert der Halbleiter-Riese TSMC am Donnerstag seinen Umsatz für September. Die offiziellen Zahlen für das dritte Quartal folgen zwar erst Mitte Oktober. Da TSMC aber regelmäßig monatliche Umsatzzahlen berichtet, steht damit bereits am Donnerstag fest, ob der taiwanesische Konzern seine selbst gesteckten Umsatzziele erreicht hat. Der erste echte Quartalsbericht folgt am Freitag. Dann berichtet Delta Air Lines über den Geschäftsverlauf zwischen Anfang Juli und Ende September. Die Zahlen dürfte der Markt auch als Hinweis darauf sehen, was von den anderen großen Fluggesellschaften für diesen Zeitraum zu erwarten ist.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
- Montag, 05.10: HCOB Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen und HCOB Einkaufsmanager Gesamtindex für Deutschland und die Eurozone; Erzeugerpreisindex Eurozone; ISM Einkaufsmanagerindex für die USA; ISM Index Auftragseingänge nicht produzierendes Gewerbe USA; S&P Global Einkaufsmanagerindex USA.
- Dienstag, 06.10: Entwicklung der Werkaufträge in Deutschland; Einzelhandelsumsätze Eurozone; ADP Beschäftigungsänderung USA.
- Mittwoch, 07.10: Entwicklung der Industrieproduktion in Deutschland; FOMC-Protokoll (USA).
- Donnerstag, 08.10: Deutsche Handelsbilanz; EZB-Accounts – Zusammenfassung der geldpolitischen Sitzung des Rats der EZB; Erstanträge zur Arbeitslosenunterstützung in den USA;
- Freitag, 09.10: EcoFin-Treffen; Verbraucher-Stimmungsindex der Universität Michigan.