
Nordex: Der Börsenstar, mit dem kaum jemand gerechnet hat
Die Nordex-Aktie gehörte im vergangenen Jahr zu den Stars des deutschen Aktienmarktes. Die Anteile des Hamburger Herstellers von Windkraftanlagen verteuerten sich in den zurückliegenden 12 Monaten um rund 213 Prozent auf neue Mehrjahreshochs.
Das Unternehmen profitiert vom weltweit stark steigenden Energiebedarf sowie dem Ausbau von Erneuerbaren Energien. Außerdem hat Nordex sein jahrelang größtes Problem erfolgreich adressiert und an den Unternehmensmargen gearbeitet, sodass der Konzern endlich deutlich schwarze Zahlen schreibt.

Eine Korrektur zeichnet sich jetzt immer deutlicher ab
Übergeordnet befindet sich die Nordex-Aktie in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Diesen konnten die Käuferinnen und Käufer in der Vergangenheit mehrfach verschärfen, was zur starken Performance und einem 23-Jahre-Hoch bei 46,90 Euro beigetragen hat. Solche markanten Mehrjahreshochs gelten eigentlich als technische Kaufsignale.
Doch dieses konnte sich in den vergangenen Wochen nicht entfalten. Hierfür gibt es zwei technische und zwei fundamentale Gründe. Aus technischer Perspektive war die Aktie Ende Februar / Anfang März mit RSI-Werten deutlich über 80 (auf Tageskursbasis) klar überkauft. Außerdem konnten die jüngsten Hochs technisch nicht bestätigt werden. Sowohl im RSI als auch im MACD liegen inzwischen bearishe Divergenzen und Abwärtstrends vor.
Fundamental ist die Unternehmensbewertung – dazu gleich mehr – inzwischen sehr weit fortgeschritten. Außerdem belasten die Pläne von CDU-Wirtschaftsministerin Katharina Reiche zum künftigen EEG-Ausbau das Sentiment, da sie gerade in besonders ertragreichen Windkraftregionen den Zubau neuer Anlagen zum Erliegen bringen könnten.
Offene Kurslücke als Abwärtsmagnet
Aufgrund dieser Gemengelage ist es im Bereich von 45 Euro zu einer Top-Bildung gekommen, die sich in Anbetracht der rasch nachlassenden technischen Stärke in fallenden Kursen niederschlagen dürfte – nicht zuletzt auch deshalb, weil im Bereich von 35 bis 37 Euro eine noch zu schließende Kurslücke offen ist.
Anlegerinnen und Anleger sollten sich daher in den kommenden Wochen auf eine Korrektur bis mindestens in diesen Bereich einstellen. Das wäre gleichbedeutend mit der Rückkehr in den zuletzt nach oben verlassenen Aufwärtstrendkanal.
Es könnte durchaus weit nach unten gehen
Sollte die Dynamik der Aktie auch darüber hinaus nachlassen, ist ein Test der 200-Tage-Linie bei aktuell 27,43 Euro denkbar. Hier verläuft aktuell die Unterkante des flacheren der beiden Aufwärtstrendkanäle und stellt damit ebenfalls ein legitimes Korrekturziel dar. Viel tiefer als bis hier dürfte es im schlimmsten Fall jedoch nicht gehen, da die Aktie durch die starken operativen Fortschritte des Unternehmens abgesichert wird.
Für neue Perspektiven zur Oberseite muss die jüngste Konsolidierung wie dargestellt mehrwöchig abgebaut werden. Alternativ kommt es zu einem überraschenden Ausbruch zur Oberseite mit trendbestätigenden Hochs in den technischen Indikatoren. Dieses Szenario lässt sich aus dem Chart jedoch nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit ableiten.
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Fazit: Jetzt Gewinne mitnehmen und später wieder einsteigen
Auch aus fundamentaler Perspektive würde die Aktie von einer Konsolidierung profitieren, denn für 2026 ist Nordex bereits mit knapp dem 25-Fachen seiner erwarteten Gewinne bewertet. Im darauffolgenden Jahr soll das KGV dann auf 21,6 sinken, was einen branchenüblichen Wert darstellt. Für 2026 sind die dänischen Mitbewerber Vestas (23,8) und Orsted (17,6) jedoch attraktiver bewertet.
Anlegerinnen und Anleger, die bereits investiert sind, sollten auf den aktuellen Niveaus über Gewinnmitnahmen nachdenken und die Aktie gegebenenfalls später wieder günstiger zurückkaufen. Wer interessiert ist, sollte hingegen niedrigere Kurs- und damit auch Bewertungsniveaus abwarten. Grundsätzlich dürfte die Nordex-Story intakt bleiben.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
