Anleihen: Frankreich weiter unter Druck

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Der Risikoaufschlag französischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen erreicht den höchsten Stand seit Ende 2011. Vor den Sitzungen von Fed und EZB in der kommenden Woche rechnen Experten trotz anhaltender Inflationsrisiken zunächst mit einer Zinspause.

23. Oktober 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Die Anleihemärkte entwickeln sich höchst unterschiedlich. Während die Renditen deutscher und US-amerikanischer Staatsanleihen in dieser Woche nachgaben, setzte sich der Anstieg in Frankreich fort. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren am Freitag mit 3,36 Prozent nach 3,41 Prozent vor einer Woche. Zu Wochenbeginn waren es sogar bis zu 3,47 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries sank auf Wochensicht von 5,09 auf 4,97 Prozent. Französische Staatsanleihen gleicher Laufzeit werfen inzwischen rund 5,10 Prozent ab. So hoch waren die Renditen zuletzt im Mai 2002.„Die Angst vor einer Korrektur an den Aktienmärkten treibt Anleger in sichere Staatsanleihen und drückt die Renditen“, erklärt Tim Oechsner von der Steubing AG. Die verstärkte Nachfrage nach Bundesanleihen und US-Treasuries bestätigt auch Raffaele Antacido von der ICF Bank. Französische Staatsanleihen bleiben hingegen unter Druck. Gründe sind die hohe Staatsverschuldung, Haushaltsprobleme und politische Instabilität.

Käufe trotz Frankreich-Krise

Der Renditeaufschlag zehnjähriger französischer Staatsanleihen gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen weitete sich am Donnerstag zeitweise auf knapp 1,78 Prozentpunkte aus. Das ist der höchste Wert seit Ende 2011, als die Euro-Schuldenkrise die Märkte erschütterte. Am Freitagabend steht nun die Überprüfung der Kreditwürdigkeit Frankreichs durch Moody's an. Die Ratingagentur bewertet das Land derzeit mit Aa3 und negativem Ausblick. 

Trotz der angespannten Lage finden sich an der Frankfurter Käufer für französische Staatsanleihen. Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichtet von „mutigen Anlegern“, die in kleiner Stückzahl in eine bis 2057 laufende Frankreich-Anleihe (FR0014016CV2) eingestiegen sind. Deren Kurs ist innerhalb von vier Monaten von 100 Prozent auf 84 Prozent gesunken. Die Rendite liegt aktuell bei 5,5 Prozent. Ebenfalls Interesse besteht an einer französischen Staatsanleihe mit Fälligkeit im Jahr 2038, die bei 90 Prozent notiert und eine Rendite von 5,2 Prozent abwirft (FR0010371401).

Fed und EZB dürften zunächst abwarten

Die hohen Energiepreise und die zunehmenden Spannungen am Staatsanleihemarkt erschweren den Notenbanken die nächsten Entscheidungen. Am kommenden Mittwoch (28. Oktober) entscheidet die US-Notenbank Fed über ihre Leitzinsen, einen Tag später folgt die Europäische Zentralbank (EZB). Robert Greil von Merck Finck erwartet zunächst keine weiteren Zinsschritte. „Wir rechnen kommende Woche sowohl bei der Fed als auch bei der EZB mit keiner Zinsänderung, halten je eine weitere Erhöhung im Dezember allerdings weiter für wahrscheinlich“, erklärt der Chefstratege. In den USA spreche die anhaltend hohe Inflation eigentlich für eine Zinserhöhung. Angesichts der nur sechs Tage später anstehenden Zwischenwahlen dürfte sich die Fed jedoch zurückhalten.

Wie unterschiedlich die weitere Zinsentwicklung eingeschätzt wird, zeigt eine aktuelle Bloomberg-Umfrage. Die Mehrheit der befragten Ökonomen erwartet, dass die EZB den Einlagensatz im Dezember ein letztes Mal in diesem Zyklus um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent anhebt. An den Märkten werden hingegen für das kommende Jahr noch drei weitere Zinserhöhungen eingepreist.

Telekom- und Fresenius-Anleihen rege gehandelt

Im Handel mit Unternehmensanleihen meldet Antacido hohe Umsätze in einer bis 2034 laufenden Schuldverschreibung der Deutschen Telekom (XS2024716099) mit einer Rendite von 3,9 Prozent. Gesucht waren außerdem Anleihen von L'Oréal (FR0014014A46) und der Volkswagen Bank (XS2617456582).

Oechsner nennt weitere rege gehandelte Unternehmensanleihen. Dazu zählt er eine bis 2031 laufende Schuldverschreibung von Fresenius (XS3435668325), die aktuell mit 4,1 Prozent rentiert. 

Auf dem gleichen Renditeniveau liegt eine 2027 fällige Anleihe von Fraport (XS2198879145). Häufig gehandelt wurde zudem ein Bond von E.ON (XS2673536541) mit einer Laufzeit bis 2029 und einer Rendite von 3,5 Prozent. 

Die Zeichnung der neuen Katjesgreenfood-Anleihe (NO0013759555) ist mittlerweile beendet. Das bis 2031 laufende Papier mit einem Kupon von 8,0 Prozent wird seit dem 20. Oktober per Erscheinen gehandelt und wurde bereits mehrfach gekauft.

Von Thomas Koch, 23. Oktober 2026, © Deutsche Börse AG


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