BERLIN (dpa-AFX) - Im Streit um die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren hat Rentenkommissionschefin Constanze Janda den Vorschlag einer Abschaffung verteidigt. "Sie ist wirklich zentral, weil diese Rentenart jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe mit sich bringt und das Geld dringend anderweitig gebraucht wird", sagte die Rechtswissenschaftlerin dem "Tagesspiegel".
Für dich zusammengefasst:
Janda verteidigt die Abschaffung der Rente nach 45 Jahren.
Die Rentenkommission schlägt Übergangsfristen vor.
Die Abschaffung wird von Politikern wie Schwesig kritisiert.
Die Empfehlung zur Abschaffung sei keineswegs nur eine unter vielen. "Wenn man mich fragen würde, welche der 33 Empfehlungen nicht so wesentlich ist, wäre mir die zur abschlagsfreien Rente auf gar keinen Fall eingefallen", sagte Janda. Dabei nutze die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren überhaupt nicht den Menschen, für die sie gedacht gewesen sei: Der Dachdecker zahle quasi für den früheren Ruhestand gut situierter Büroangestellter.
Janda ist Rektorin der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer. Die Rentenkommission unter dem Vorsitz von Janda und dem Ex-Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hatte im Juni die Abschaffung der beliebten Rentenart - früher "Rente mit 63" - vorgeschlagen. Demnach soll es Vertrauensschutz und Übergangsfristen geben - sowie einen "vereinfachten Zugang zu einer Rente" für jene, die nicht mehr arbeiten können. Dennoch ist der Vorschlag aus den Reihen von CDU und SPD immer schärfer kritisiert worden, etwa von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) im zurückliegenden Landtagswahlkampf.
"Das ist sehr unreflektiert"
Janda sagte, die Verantwortlichen in der Politik würden es sich zu einfach machen. "Die Wählerinnen und Wähler finden bestimmte Aspekte ungerecht, also lassen wir es bleiben und fertig. Das ist sehr unreflektiert." Für die Finanzierung der neuen, kapitalgedeckten Säule seien ohnehin zwei zusätzliche Beitragspunkte eingeplant. "Das kann nur funktionieren, wenn nicht auch noch die abschlagsfreie Rente Milliardensummen auffrisst." Laut der Rentenkommission soll das Absicherungsniveau der gesetzlichen Rente durch die Kapitalerträge langfristig nicht nur stabil bleiben, sondern sogar über den heutigen Wert von 48 Prozent steigen. Wegen des Anstiegs der Zahl der Babyboomer im Rentenalter ist das Absicherungsniveau bedroht./bw/DP/men
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