BERLIN (dpa-AFX) - Der Bundesvorsitzende der SPD-Jugendorganisation Jusos, Philipp Türmer, teilt die Bedenken gegen eine mögliche Koalition von Linken, SPD und Grünen in Berlin nicht. "Berlin ist eine progressive Stadt und braucht auch eine progressive Koalition", sagte Türmer der Nachrichtenplattform "The Pioneer". "Am Ende ist es eine Entscheidung der Parteien vor Ort, aber die Weltuntergangsszenarien, die jetzt überall beschworen werden, wenn Rot-Grün-Rot regieren würde, erscheinen mir stark übertrieben. Ich glaube, diese Koalition könnte genauso eine Chance sein."
Für dich zusammengefasst:
Der Juso-Chef sieht in Berlin eine progressive Koalition.
Die Linke wurde stärkste Kraft bei der Abgeordnetenhauswahl.
Es gibt Kritik an einer möglichen Linke-geführten Regierung.
Der Juso-Chef sagte, er verschließe nicht die Augen "vor dem Antisemitismus-Problem" in Berlin. "Wer Antisemitismus ernsthaft bekämpfen will, muss aber anerkennen: Das Problem ist größer als ein Bezirksverband oder eine einzelne Partei", sagte Türmer. "Da sind Neuköllner Linke, die antisemitischen Rappern eine Bühne bieten."
Juso-Chef: Verantwortung für jüdisches Leben
Für alle Parteien gilt nach Auffassung des Juso-Bundesvorsitzenden, dass sie Verantwortung für jüdisches Leben hätten. "Ich bin überzeugt, auch ein rot-grün-rotes Bündnis kann deutlich machen, dass zu progressiver Politik auch der unumstößliche Schutz für Jüdinnen und Juden dazu gehört", sagte Türmer.
Die Linke wurde bei der Abgeordnetenhauswahl am Sonntag stärkste Kraft. Sie könnte für eine Dreierkoalition mit Grünen und SPD ein Bündnis schmieden. Die Berliner Linke beziehungsweise Teile von ihr stehen wegen ihrer Positionen zum Nahostkonflikt und zum Antisemitismus in der Kritik. Die Parteispitze hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.
Kritik in der SPD
Bei einer Wahlparty des Kreisverbands Neukölln waren eine bekannte Clan-Größe sowie ein umstrittener propalästinensischer Aktivist anwesend. Ende August soll ein Rapper bei einer Veranstaltung der Partei ein Lied gegen den Krieg Israels in Gaza mit Zeilen wie "Yalla Yalla Intifada Westbank, Palästina, Gaza" sowie "Death to the IDF" (Tod der israelischen Armee) gesungen haben.
In der SPD gibt es Kritik an einer möglichen Linke-geführten Regierung. Die beiden ehemaligen Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Walter Momper (beide SPD) sind gegen Gespräche mit der Linken, aber auch Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke hat Bedenken./vr/DP/zb
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