IAB-Forscher Weber: Geringverdiener werden wenig entlastet
NÜRNBERG (dpa-AFX) - Der Wirtschafts- und Arbeitsmarktexperte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht die Entlastungsversuche der Bundesregierung kritisch. Aus Erfahrungen der Inflationsausgleichsprämie in den Jahren 2022 bis 2024 gehe ein eindeutiges Risiko hervor, betonte Weber: "Wer wenig verdient, wird auch wenig entlastet."
Insgesamt hätten damals 80 Prozent aller Beschäftigten eine Prämie erhalten. Aber im Gastgewerbe, wo allgemein eher wenig verdient wird, waren es nur 11,6 Prozent. Auch auf dem Bau, im Handel, in der Verkehrsbranche und in der Landwirtschaft seien wenige Prämien geflossen. Die volle Prämie von 3.000 Euro hätten dagegen 100 Prozent der Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung, bei der Sozialversicherung und in der Verteidigungsbranche erhalten - Bereiche, in denen ohnehin gut verdient wird.
Raucheranteil bei Geringverdienern am höchsten
Hinzu komme, dass der Ausgleich über die Tabaksteuer erfolgen soll. Einerseits könne man argumentieren, wer rauche, sei selbst schuld. "Aber der Anteil von Rauchern ist in einkommensschwachen Haushalten nun mal mit Abstand am höchsten", erklärte Weber.
Der Arbeitsmarktexperte schlug zudem vor, Arbeitgeber, die den Bonus bezahlen und dies nicht im Paket mit Tarifvereinbarungen verbinden können, zu entlasten - etwa über einen doppelten Abzug der Kosten bei der Gewerbesteuer. "Die meisten Inflationsausgleichsprämien wurden 2023 und 2024 gezahlt. Das war Teil von Tarifverhandlungen, in denen die Prämien in Paketen mit entsprechender Entlastung der Arbeitgeber bei den Lohnsteigerungen eingesetzt wurden", sagte er. Dies werde diesmal schon zeitlich knapp, wenn die Prämien nur im Restjahr 2026 möglich seien.
Als weitere Maßnahme schlägt Weber vor, die Einkommensteuer-Progression für geringe Verdienste zu senken. Dies würde zu mehr "Netto vom Brutto" führen und setze Anreize, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen./dm/DP/stw
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