Hermès stürzt Tief – ist Luxus out oder nur kurzfristig aus der Mode?
Markus Weingran
Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.
Hermès erlebt den stärksten Börsenrückgang seiner Geschichte. Die Aktie hat massiv an Wert verloren, doch die Geschäfte laufen weiter glänzend. Ist der Luxuskonzern nur aus der Mode oder bietet sich Anlegern eine seltene Chance?
Für dich zusammengefasst:
Die Hermès-Aktie hat seit ihrem Rekordhoch an Wert verloren.
Die Bewertung der Aktie ist auf das 31-Fache des Gewinns gefallen.
Hermès bleibt von der Nachfrageverschlechterung weniger betroffen.
Es ist ein historischer Einbruch für einen der erfolgreichsten Luxuskonzerne der Welt: Die Hermès-Aktie hat seit ihrem Rekordhoch massiv an Wert verloren. Die Marktkapitalisierung des französischen Traditionshauses wurde deutlich reduziert – eine Entwicklung, die es in dieser Form selbst während früherer Krisen nicht gegeben hat.
Bemerkenswert ist dabei: Die operative Entwicklung des Unternehmens rechtfertigt den dramatischen Kursrückgang nur teilweise. Während viele Luxuskonzerne mit einer schwachen Nachfrage kämpfen, konnte Hermès bislang vergleichsweise stabil wachsen und seine außergewöhnlich hohen Margen verteidigen.
Geschäft bleibt stark – Bewertung wird zum Problem
Hermès gehört seit Jahren zu den Ausnahmen in der Luxusbranche. Während Wettbewerber unter einer Abschwächung der Nachfrage, vor allem in China, leiden, blieb das Unternehmen mit seinen ikonischen Handtaschen wie der Birkin und Kelly sowie seinem streng kontrollierten Geschäftsmodell widerstandsfähig.
Mit Ausnahme des Kosmetik- und Parfümbereichs konnten die meisten Geschäftsbereiche zuletzt weiter wachsen. Auch die Profitabilität bleibt auf einem Niveau, von dem viele Konkurrenten nur träumen können.
Der Hauptgrund für den Kursverlust dürfte deshalb weniger eine operative Krise sein, sondern die zuvor extrem hohe Bewertung. Während der Pandemie wurde Hermès zeitweise mit fast dem 100-Fachen des Gewinns bewertet. Anfang 2025 lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis noch bei etwa 50.
Mittlerweile ist die Bewertung auf rund das 31-Fache des Gewinns gefallen. Damit liegt sie so niedrig wie seit vielen Jahren nicht mehr – abgesehen von einer kurzen Phase während der Finanzkrise 2008/2009.
Luxusbranche kämpft mit Anlegervertrauen
Der Kursrutsch fällt in eine Phase, in der Anleger Luxusmarken zunehmend kritisch betrachten. Nach dem Boom während der Pandemie hat sich das Konsumverhalten verändert. Besonders hochpreisige Produkte außerhalb des Basiskonsums stehen unter Druck, wenn sich eine wirtschaftliche Abschwächung abzeichnet.
Hermès ist davon bislang weniger betroffen als viele Wettbewerber. Die Marke profitiert von einer außergewöhnlich loyalen Kundschaft, begrenzter Produktion und hoher Preissetzungsmacht.
Aktienrückkäufe als möglicher Kurstreiber
Hermès verfügt über eine sehr solide Bilanz und könnte bei einer anhaltenden Kursschwäche erstmals stärker auf Aktienrückkäufe setzen. Bislang setzte die von der Familie Dumas kontrollierte Gesellschaft vor allem auf organisches Wachstum und steigende Dividenden.
Die Ausschüttung wurde innerhalb eines Jahrzehnts etwa verfünffacht und entwickelte sich damit ähnlich stark wie der Gewinn.
Luxus out – oder nur eine seltene Einstiegsgelegenheit?
Die Hermès-Aktie erlebt ihre schwerste Börsenkorrektur seit Bestehen des Konzerns. Doch hinter dem Kurssturz steckt bislang weniger ein Zusammenbruch des Geschäftsmodells als eine Neubewertung einer zuvor extrem teuren Aktie.
Die entscheidende Frage für Anleger lautet: Ist die aktuelle Schwäche ein Zeichen für einen dauerhaften Wandel im Luxusmarkt – oder nur eine normale Bewertungskorrektur nach Jahren außergewöhnlicher Kursgewinne?
Sollte Hermès seine hohen Margen und das Wachstum verteidigen können, könnte der Bewertungsrückgang langfristig eine interessante Ausgangslage schaffen. Gleichzeitig bleibt die Aktie stark davon abhängig, dass die Nachfrage nach Luxusgütern insbesondere in Asien stabil bleibt.
Hermès bleibt eine der stärksten Marken der Welt – aber erstmals seit Jahren müssen Anleger nicht mehr jeden Preis dafür bezahlen.
Dieses Video wird aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen nicht abgespielt. Wenn Sie dieses Video betrachten möchten, geben Sie bitte hier die Einwilligung, dass wir Ihnen Youtube-Videos anzeigen dürfen.
Hinweis:
ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen.
Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich
dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch
eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link
„Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für
diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.