Griechenlands Banken im Geldrausch: Gewinne, Rückkäufe und satte Kursgewinne

Ingo Kolf Ingo Kolf
Ingo Kolf Ingo Kolf
Ingo Kolf bringt über zwei Jahrzehnte Erfahrung im internationalen Finanzjournalismus mit, darunter 19 Jahre beim Nachrichtendienst Bloomberg, mit Stationen in Frankfurt und sechs Jahren in New York. Seine fundierte Expertise umfasst die Bereiche Makroökonomie, Wirtschaftspolitik und globale Zinsentscheidungen, mit einem besonderen Fokus auf die Devisenmärkte und bewährte Dividendenstrategien. Bei ARIVA.DE ordnet er die großen wirtschaftlichen Trends unserer Zeit in tiefgehenden Hintergrundberichten und Analysen ein.

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Die griechische Flagge.
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Griechenlands Großbanken verdienen Milliarden und geben wieder kräftig Geld an ihre Aktionäre zurück. Trotz der Kursrallye sehen Analysten weiteres Potenzial.
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Griechenlands Banken verdienen Milliarden, das Kreditgeschäft wächst und immer mehr Kapital fließt zurück an die Aktionäre. National Bank of Greece, Eurobank und Alpha Bank kaufen derzeit eigene Aktien zurück. Piraeus hat seinen Aktionären derweil knapp eine halbe Milliarde Euro ausgezahlt. Gleichzeitig gehören die Bankaktien 2026 zu den stärksten Titeln Europas.

Allein die National Bank of Greece (NBG) hat für 2026 Aktienrückkäufe über insgesamt bis zu 532 Millionen Euro beschlossen. Hinzu kommen Ausschüttungen: Aus dem Gewinn für 2025 waren insgesamt 464 Millionen Euro an Dividenden vorgesehen. Die im Rahmen der Rückkäufe erworbenen Aktien sollen eingezogen werden.

Auch die Eurobank greift regelmäßig am Markt zu. Erst in der vergangenen Woche kaufte das Institut weitere 1,35 Millionen eigene Aktien für rund 6,3 Millionen Euro. Innerhalb von vier Wochen summierten sich die Käufe auf knapp 23 Millionen Euro. Parallel schüttet Eurobank Gewinne an ihre Anteilseigner aus.

Bei der Alpha Bank läuft ebenfalls seit Sommer ein Rückkaufprogramm. Allein zwischen dem 7. und 18. September investierte das Institut rund 24,7 Millionen Euro in eigene Aktien.

Werte aus dem Artikel:
Alpha Bank Aktie 4,162 € -0,41%
Eurobank Ergasias Aktie 4,357 € -0,50%
NBG Aktie 16,01 € -0,93%
Piraeus Bank Aktie 9,528 € -1,22%

Etwas anders sieht es bei Piraeus aus. Die Bank hat zwar ein Rückkaufprogramm über bis zu 33 Millionen Euro genehmigt, tatsächliche Käufe sind 2026 bislang jedoch nicht bekannt. Dafür erhielten die Aktionäre Anfang August eine Kapitalrückzahlung über rund 494 Millionen Euro beziehungsweise 0,40 Euro je Aktie. Formal handelte es sich nicht um eine Dividende, sondern um eine Ausschüttung über eine Kapitalherabsetzung.

Milliardengewinne machen Ausschüttungen möglich

Hinter den Kapitalrückgaben stehen inzwischen wieder hohe und vergleichsweise stabile Erträge. Die vier großen Banken verdienten im ersten Halbjahr 2026 zusammen rund 2,5 Milliarden Euro.

Die NBG erzielte einen um Einmaleffekte bereinigten Gewinn von 661 Millionen Euro und eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von 15,5 Prozent. Das Volumen der bedienten Kredite wuchs seit Jahresbeginn um 2,1 Milliarden auf 39,1 Milliarden Euro.

Eurobank kam im ersten Halbjahr auf einen Nettogewinn von 738 Millionen Euro. Piraeus verdiente 617 Millionen Euro und erreichte eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von 16 Prozent. Bei Alpha Bank standen 497 Millionen Euro Gewinn zu Buche. Besonders dynamisch entwickelten sich dort die Provisionserträge mit einem Plus von 34 Prozent. Das Volumen der bedienten Kredite wuchs um 14 Prozent.

Damit ist das operative Geschäft inzwischen weit von den Problemen früherer Jahre entfernt. Ein wichtiger Gradmesser dafür sind die Non-Performing Exposures (NPE), also problematische Kredite und andere ausfallgefährdete Forderungen.

Bei der NBG liegt die NPE-Quote mittlerweile bei lediglich 2,4 Prozent. Auch bei den übrigen Großbanken bewegen sich die Problemkreditquoten auf niedrigen Niveaus. Gleichzeitig verfügen die Institute wieder über komfortable Kapitalpolster. Ende 2025 erreichte die durchschnittliche harte Kernkapitalquote der vier großen Banken 15,6 Prozent.

Aktien lassen Europas Banken hinter sich

An der Börse ist die Wende längst angekommen. Nach Berechnungen von JPMorgan hat der griechische Bankensektor 2026 bereits rund 41 Prozent zugelegt. Der europäische Bankenindex SX7E kommt im gleichen Zeitraum auf etwa 21 Prozent.

Damit stellt sich zunehmend die Bewertungsfrage. Die extrem niedrigen Multiplikatoren früherer Jahre sind Geschichte. Analysten rechnen dennoch mit weiter steigenden Erträgen. JPMorgan hat im September seine Gewinnschätzungen für alle vier großen griechischen Banken angehoben. Treiber sollen höhere Nettozinserträge und stärkere Provisionseinnahmen sein. Für Eurobank und Piraeus erwarten die Analysten 2028 eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von rund 17 Prozent, bei der NBG von mehr als 15 Prozent.

Auch Euroxx erhöhte zuletzt die Kursziele für alle vier Banken im Schnitt um rund 20 Prozent. Alpha Finance-AXIA rechnet für den Sektor zwischen 2026 und 2028 mit Eigenkapitalrenditen von mehr als 16 Prozent und hob seine Gewinnprognosen an.

Nach der starken Kursrallye ist damit zwar bereits einiges an Optimismus eingepreist. Entscheidend wird nun, ob Kreditwachstum und Provisionserträge stark genug bleiben, um mögliche Belastungen durch das Zinsumfeld auszugleichen. Die Ausgangslage ist komfortabel: Die Bilanzen sind bereinigt, die Kapitalquoten hoch – und erstmals seit langer Zeit stellt sich bei Griechenlands Großbanken weniger die Frage, woher neues Kapital kommen soll, sondern wie viel davon an die Aktionäre zurückfließen kann.



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