Möglich machte das eine Sicherheitslücke in Electrum, einer der ältesten Software-Wallets für Bitcoin. Die Entwickler legten sie am Samstag in einem Sicherheitshinweis auf GitHub offen, jedoch nutzten zu diesem Zeitpunkt einzelne Server sie bereits aus.
Anders als ein vollständiger Bitcoin-Nodes lädt die Electrum Wallet nicht die gesamte Blockchain herunter. Sie fragt stattdessen externe Server nach dem Transaktionsverlauf und schickt Zahlungen über diese ins Netzwerk. Das macht sie schlank und schnell, verlagert aber Vertrauen nach außen.
Vor dem Update prüfte Electrum die Signaturen bei noch unbestätigten Transaktionen nicht. Wer einen solchen Server kontrollierte, konnte eine Zahlung abfangen, bevor sie das Netzwerk erreichte, und sie im Verlauf der Wallet durch eine gefälschte ersetzen. Diese Fälschung schickte die Coins des Nutzers an eine Adresse des Angreifers, versehen mit ungültigen Signaturen, die Electrum nicht bemerkte.
Für die Manipulation nutzten die Angreifer eine Standardfunktion von Bitcoin. Unbestätigte Transaktionen lassen sich durch eine Version mit höherer Gebühr ersetzen, bekannt als Replace-by-Fee. Wählte ein Nutzer diese Option, griff Electrum auf die manipulierte Transaktion zurück und signierte eine gültige Ersatzversion. Das Geld ging an den Angreifer, autorisiert vom Opfer.
Die Falle, so scheint es zumindest, dürfte extrem sorgfältig gestellt sein. In einem Fall enthielt die gefälschte Transaktion überhaupt keine Gebühr, wodurch sie zwangsläufig als festhängend erschien. Der Nutzer hatte also allen Grund, einzugreifen. Zusätzlich erzeugten die Angreifer Empfängeradressen, deren letzte vier Zeichen mit dem echten Ziel übereinstimmten. Wer also nur kurz hinschaute, bemerkte den Austausch höchstwahrscheinlich nicht.
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Die erste Meldung ging am 11. Oktober ein und betraf eine Multisignatur-Wallet mit zwei Trezor-Geräten. Der Nutzer hatte die echte Zahlung auf beiden Geräten geprüft, entdeckte später aber eine abweichende Transaktion im Verlauf. Geld verlor er nach eigenen Angaben nicht.
Am 18. Oktober folgte der zweite Bericht, diesmal mit Verlust. Wie hoch die Summe ausfiel und welche Server beteiligt waren, haben die Entwickler bislang nicht mitgeteilt.
Am 24. Oktober erschien Version 4.8.3, die bei unbestätigten Transaktionen aus der eigenen Wallet nun Signaturen prüft. Ältere Versionen bleiben angreifbar, sofern sie mit einem manipulierten Server verbunden sind. Wer ausschließlich eigene oder vertrauenswürdige Server nutzt, war von Anfang an außen vor.
Für Bitcoin-Nutzer reiht sich der Fall in eine unangenehme Serie ein. Nach manipulierten Hardware-Wallets und Phishing-Briefen trifft es nun ausgerechnet eine Routinehandlung, die jeder schon einmal ausgeführt hat. Die Devise bleibt dieselbe: Jede Transaktion gehört geprüft, auch die vermeintlich harmlose.
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