Absturz, Streik, Russland-Exit: Jungheinrich überwindet das Krisenjahr, aber der Kurs schläft noch
Nach einem ergebnisschwachen Jahr soll Jungheinrich 2026 den Gewinn verdoppeln – und notiert trotzdem weit unter dem fairen Wert. Was steckt hinter dem Bernstein-Kursziel von 47 Euro?
Das Analysehaus Bernstein hat sein Kursziel für den Hamburger Gabelstapler- und Intralogistikkonzern Jungheinrich von 45 auf 47 Euro angehoben und bekräftigt die Kaufempfehlung. Dem steht ein aktueller Kurs von rund 26 Euro gegenüber – ein Abschlag, den die Analysten als strukturell übertrieben einstufen.
Dass die Aktie so weit unter dem Zielkurs liegt, ist kein Zufall: Jungheinrich hat 2025 einen schwachen Ergebnisjahrgang hinter sich. Belastet durch Sondereffekte aus dem Russland-Rückzug sowie eine Streikunterbrechung im Lüneburger Werk sackte das EBIT auf rund 228 Millionen Euro gegenüber 434 Millionen Euro im Vorjahr. Das bereinigte Bild ist deutlich freundlicher: Ohne das defizitäre Russlandgeschäft hätte die EBIT-Marge bereits bei knapp zehn Prozent gelegen. Das wäre auf dem Niveau, das das Unternehmen offiziell erst 2030 ansteuert.
Für 2026 rechnet Bernstein mit einer deutlichen Erholung. Der Umsatz soll bei rund 5,5 Milliarden Euro stagnieren, das EBIT aber auf mehr als 413 Millionen Euro klettern – ein Plus von rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Gewinn je Aktie soll sich auf 2,60 Euro mehr als verdoppeln. Für 2027 projiziert das Haus bereits ein EBIT von über 500 Millionen Euro bei weiter steigender Marge.
Befeuert wird der Optimismus durch ein Investorengespräch mit Finanzchefin Heike Wulff, aus dem die Analysten mehrere strukturelle Aufwärtssignale herausarbeiten: Jungheinrich jagt inzwischen Großaufträge im dreistelligen Millionenbereich – früher war das Limit deutlich niedriger. Im wachstumsstarken Bereich Automatisierung und Lagerausrüstung sehen die Analysten die Hamburger besonders gut aufgestellt. Zugleich betont Bernstein, das Unternehmen erscheine auf aktuellem Kursniveau günstiger bewertet, als wenn es ab 2027 gar nicht mehr wachsen würde.
Risiken bleiben dennoch real. Die geopolitische Lage im Nahen Osten könnte Energie- und Materialkosten weiter treiben. Das erste Quartal 2026 dürfte operativ noch schwach ausfallen – niedrige Auslastung in den Werken sowie die Nachwirkungen des Arbeitsausstands bremsen kurzfristig das Ergebnis. Bernstein sieht sich mit den eigenen Schätzungen leicht unter Konsens, was bei überraschend guten Zahlen Potenzial für positive Revisionen bietet.
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