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04.06.2013
Auszug:
Nordex-Chef Jürgen Zeschky erwartet, dass die Diskussion über das Erneuerbare-Energien-Gesetz für Zuversicht bei Kunden und Banken sorgt und den Investitionsstau weitgehend auflöst. Beim jüngsten Energie-Gipfel hatte die Regierung Kürzungen bei Bestandsanlagen ausgeschlossen. Zetschky rechnet sogar mit einem Mini-Boom in der Branche.
Auch in den USA kommt es mit der Verlängerung des steuerlichen Anreizsystems für erneuerbare Energien nicht ganz so schlimm, wie ursprünglich befürchtet. Nordex hat in den USA monatelang keine neuen Projekte gewonnen, jetzt bemüht man sich wieder um große Aufträge. Bis Jahresende will das Management entscheiden, ob das Werk im amerikanischen Jonesboro fortgeführt wird.
Die Lage in den Nord- und osteuropäischen Märkten nennt Zetschky stabil. Zusätzlich komme nun der südafrikanische Markt hinzu. Auch der dramatische Preisverfall auf dem Weltmarkt gehöre der Vergangenheit an, glaubt der Nordex-Chef. Chinesische Wettbewerber seien mit sich und ihren Problemen beschäftigt und kaum außerhalb ihrer Heimat aktiv. Hinzu kommt, dass das Unternehmen aus Hamburg, bei dem Quandt-Erbin Susanne Klatten mit knapp 25 Prozent einziger Großaktionär ist, seine Hausaufgaben mit Kostensenkungen und einer neuen strategischen Ausrichtung gemacht hat.
Rekordbestellungen beim Mittelständler
Für 2013 peilt Nordex-Finanzchef Bernd Schäferbarthold einen - wenn auch geringen - Überschuss an, nachdem 2012 noch von hohen Sonderbelastungen beeinträchtigt war. An Dividende sei jedoch bis 2016 nicht zu denken. Seit dem Börsengang 2001 hat Nordex noch nie an die Anteilseigner ausgeschüttet. Zetschky erwartet 2013 ein prozentual zweistelliges Umsatzplus auf maximal 1,3 Milliarden Euro. Dieses Ziel sei zu rund 80 Prozent durch den fixierten Auftragsbestand von gut einer Milliarde Euro gewährleistet. Nordex habe einen sehr positiven Jahresstart mit Rekordbestellungen erwischt.
Kritik an der kritischen Größe von Nordex lässt Zeschky nicht zu. Nordex könne auch als mittelständischer Windturbinenhersteller profitabel wachsen. Der Konzern hat indessen seine Expansionspläne in China noch nicht beendet. Es gibt Gespräche mit zwei potenziellen Partnern.
Seit anderthalb Jahren versuchen die Hanseaten in der Volksrepublik richtig Fuß zu fassen. Ausländische Unternehmen werden dort abgeschottet und erhalten kaum Aufträge. Daher hatte Nordex 2012 die Rotorblattfertigung in Dongyiang geschlossen und den Vertrieb auf Asien ohne China ausgerichtet.
Ob aus Irland, Pakistan, Türkei oder der Oberpfalz: Über schleppende Aufträge braucht sich Nordex-Chef Jürgen Zeschky derzeit nicht beschweren. Das war bis vor kurzem noch ganz anders. Noch 2012 sei ein Jahr der Restrukturierung und Veränderung gewesen. Nordex hatte sich vom Offshore-Segment verabschiedet, seine Rotorblattfertigung in China aufgegeben, die zu gering ausgelastete Produktion in den USA verkleinert, Kosten gesenkt und weltweit hunderte Stellen gestrichen. „Wir haben unsere Fertigungsstunden für eine komplette Turbine um 26 Prozent reduziert“, sagt Zeschky.
Der knüppelharte Sparkurs, dem sich Nordex seit rund zwei Jahren unterzieht, steht dem Wettbewerber Repower aus Hamburg erst noch bevor.