www.wiwo.de/unternehmen/energie/...der-trendwende/7980866.html
Windenergie: Nordex arbeitet an der Trendwendevon Mario Brück
Für die Nordex-Gruppe, den Hamburger Windkraftanlagenbauer mit seiner Produktionsstätte in Rostock, weht der Wind offenbar wieder aus der richtigen Richtung. Für das laufende Jahr planen die Hamburger sogar Gewinne.
Zukunftstechnik wird zur Pleitebranche Nordex
2012 hat der Windturbinenbauer Nordex herbe Verluste wegstecken müssen. Ihm machte vor allem das schwache Asien- und US-Geschäft zu schaffen. Das Unternehmen mit Stammsitz in Rostock musste 2011 einen Verlust von nahezu 50 Millionen Euro verbuchen - im vergangenen Jahr hätte Nordex bereits wieder 14 Millionen Euro operativen Gewinn erzielt, wären da nicht die Einmalkosten von 75 Millionen Euro, die zur Anpassung der Kostenstruktur der nicht ausgelasteten Gesellschaften verwendet wurden. 2013 soll es weiter aufwärts gehen, Nordex plant wieder mit Gewinn und strebt eine Ebit-Marge von 2 bis 3 Prozent an. Die Auftragsbücher sind schon gut gefüllt.
Bild: dpa
Bosch Solarsparte
Alle Standorte des Solargeschäfts werden dicht gemacht, 3000 Bosch-Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Damit zieht Bosch-Chef Volkmar Denner den endgültigen Schlussstrich unter das Solar-Abenteuer. 2,4 Milliarden Euro verbrannten der Stuttgarter Technologiekonzern seit dem Einstieg ins Photovoltaik-Geschäft im Jahr 2008. Der weltweit größte Automobilzulieferer bot die gesamte Palette von Modulen für private Hausbesitzer bis hin zu Solar-Kraftwerken an. Schon 2011 gab es wegen der Preiseinbrüche Abschreibungen von rund 500 Millionen Euro. 2012 kam es noch dicker: Bosch machte mit seiner Sonnenenergiesparte gut eine Milliarde Euro Verlust. Das in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehende Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro ein (2011: 2,7 Milliarden Euro).
Bild: AP
Suntech
Der chinesische Solarzellen-Hersteller Suntech hat Konkurs angemeldet, heißt es von der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Die Gläubigerbanken des früheren Marktführers hätten bei Gericht einen Antrag auf Sanierung im Insolvenzverfahren eingereicht, meldete die Agentur am Mittwoch. Suntech lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Die auch in Deutschland gelisteten Aktien von Suntech stürzten nach der Mitteilung um 50 Prozent auf ein Rekordtief von 0,24 Euro. Der ehemals größte Solarzellen-Hersteller der Welt hatte am Montag mitgeteilt, Ende der Woche fällige Anleihen im Volumen von 541 Millionen Dollar nicht bedienen zu können. Der Aktienkurs des Unternehmens war schon länger in den Keller gesackt. Die Insolvenz ist nach Ansicht von Experten ein Zeichen, dass die Konsolidierung in der Solarindustrie in Europa und den USA jetzt auch China erreicht hat.
Bild: REUTERS
Solarworld
Der Bonner Solarmodulproduzent steckt in den roten Zahlen. Chef Frank Asbeck verkündete im März 2012, er wolle solange auf jegliche Bezahlung verzichten, bis der Konzern wieder schwarze Zahlen schreibt. 2011 meldete Solarworld 233 Millionen Euro Verlust. Im selben Jahr verdiente Asbeck etwa eine halbe Million Euro. Außerdem erhielt er für seinen knapp 28-prozentigen Anteil an Solarworld eine Dividende von rund 2,5 Millionen Euro. Zeitgleich senkte er im Unternehmen die Kosten, indem er im vergangenen Jahr 250 der 2500 Mitarbeiter entließ.
Bild: dpa
Der Ausflug in die Solarenergie-Technik kommt Siemens teuer zu stehen. Der Konzern müsse mit dem Ausstieg aus dem Geschäft erneut Belastungen von brutto mehr als 250 Millionen Euro verbuchen, berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Siemens-Kreise. Diese würden sich aus Firmenwertabschreibungen, operativen Verlusten sowie Abschreibungen auf bereits begonnene Solaranlagen zusammensetzen. Insgesamt habe die Münchener das 2009 gestartete Experiment mit Sonnenstrom einen Betrag in der Größenordnung von 800 Millionen Euro gekostet. Siemens war am Sonntagabend auf Anfrage zunächst nicht zu erreichen.
Siemens hatte angekündigt, das Solarthermie- und Photovoltaikgeschäft zu verkaufen. Von den Plänen sind weltweit 680 Mitarbeiter betroffen. Elektrotechnische Komponenten wie Generatoren und Netztechnik soll es aber weiterhin geben. Der Konzern hatte vor allem auf Anlagen zur Stromerzeugung aus Sonnenhitze gesetzt und dafür eigens die israelische Solel für 418 Millionen Dollar gekauft. Die Strategie zahlte sich jedoch nicht aus. Solel machte mehr Verlust als Umsatz.
Bild: dpa
Solarwatt
Der mittelständische Hersteller von kristallinen Solarmodulen hat den Sprung aus der Insolvenz heraus geschafft. Im August hatte Solarwatt einen Antrag auf Restrukturierung im Eigenverwaltung gestellt und bewilligt bekommen. Das Unternehmen aus Dresden startet nun mit 337 der ehemals 435 Mitarbeitern neu durch. BMW-Großaktionär Stefan Quandt ist Ankeraktionär. Solarwatt richtet sich strategisch neu aus. Statt der Produktion von Modulen stehen nun Systeme im Fokus, mit denen Hausbesitzer ihren Energiebedarf größtenteils durch selbsterzeugten Strom decken können und ihren Energieverbrauch deutlich reduzieren können sollen.
Bild: dpa
Der angeschlagene Solarkonzern Conergy steckt mitten auf seinem Sanierungsweg wieder in tiefer Finanznot. Zum zweiten Mal binnen nicht einmal zwei Jahren ist das Grundkapital der Gesellschaft von knapp 160 Millionen Euro um mehr als die Hälfte aufgebraucht, wie Conergy am Montagabend in Hamburg mitteilte.
Bild: dapd
Der insolvente Solzellenhersteller Sovello stoppt die Produktion und kündigt allen 1000 Mitarbeitern. „Die finanzielle Lage des Unternehmens macht diesen Schritt leider erforderlich“, sagte Insolvenzverwalter Luca F. Flöther. Das Unternehmen das zum "Solar Valley" in Bitterfeld-Wolfen zählte, hatte im Mai Insolvenz angemeldet. Die geplante Sanierung in Eigenverwaltung platzte Ende Juli. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Sovello noch 200 Millionen Euro Umsatz. Der Solarbetrieb ist aus einem Gemeinschaftsunternehmen der Branchenfirmen Evergreen Solar, Q-Cells und REC ASA hervorgegangen und gehört seit 2010 dem Beteiligungsfonds Ventizz Capital.
Der insolvente ostfriesische Offshore-Zulieferer Siag Nordseewerke in Emden wird zum Februar durch den saarländischen Stahlbauer DSD Steel übernommen. Das teilte Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) am 17. Januar nach Gesprächen mit dem Investor, der Landesbank NordLB und dem Alteigentümer Siag mit. „Es wurde heute ein Eckpunktepapier mit einer grundsätzlichen Einigung erstellt“, sagte Bode. Damit können 240 von rund 750 Arbeitsplätzen erhalten bleiben. Weiteren 150 Siag-Beschäftigten will ThyssenKrupp Arbeitsplätze anbieten. Das Unternehmen war früher Besitzer der Nordseewerke.
Die Siag Nordseewerke stellen Fundamente für Windkraftanlagen her. 2010 hatte das Unternehmen Siag Schaaf Industrie AG aus dem rheinland-pfälzischen Dernbach die frühere traditionsreiche Schiffswerft von ThyssenKrupp übernommen. Seitdem wurde das Emder Unternehmen zu einem Windkraft-Zulieferer umgebaut. Nun fehlen Folgeaufträge, weil der Boom der Offshore-Branche insgesamt ins Stocken gerät, da es Schwierigkeiten bei der Anbindung der Windparks auf hoher See an das Netz an Land gibt.
Deutlich besser steht das ebenfalls insolvente Photovoltaik-Unternehmen Sunstrom aus Dresden da. Laut Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg konnte das Unternehmen gerettet werden, die ehemaligen Geschäftsführer Reiner Matthees und Stephan Riedel haben die GmbH gekauft und wollen das Unternehmen mittels einer sogenannten übertragenden Insolvenz sanieren. Die 64 Beschäftigten der Sunstrom GmbH werden von der neuen Gesellschaft MR Sunstrom GmbH übernommen.
Die Solarwatt-Tochter Sunstrom hatte im Juli Insolvenz angemeldet.
2012 hat der Windturbinenbauer Nordex herbe Verluste wegstecken müssen. Ihm machte vor allem das schwache Asien- und US-Geschäft zu schaffen. Das Unternehmen mit Stammsitz in Rostock musste 2011 einen Verlust von nahezu 50 Millionen Euro verbuchen - im vergangenen Jahr hätte Nordex bereits wieder 14 Millionen Euro operativen Gewinn erzielt, wären da nicht die Einmalkosten von 75 Millionen Euro, die zur Anpassung der Kostenstruktur der nicht ausgelasteten Gesellschaften verwendet wurden. 2013 soll es weiter aufwärts gehen, Nordex plant wieder mit Gewinn und strebt eine Ebit-Marge von 2 bis 3 Prozent an. Die Auftragsbücher sind schon gut gefüllt.
Bild: dpaIm vergangenen Jahr hatte der Windturbinenbauer allerdings noch fette Verluste eingefahren. Hauptgrund für die tiefroten Bilanzkennziffern waren massive Einschnitte in den Werken in China und den USA, wo die Geschäfte seit langem schlecht laufen. Die Anpassung der Kostenstruktur der nicht ausgelasteten Gesellschaften sei "von besonderer Bedeutung", heißt es aus dem Unternehmen. Ohne die dadurch entstandenen Einmalkosten von 75 Millionen Euro hätte Nordex 2012 bereits einen operativen Gewinn von 14 Millionen Euro erzielt.
Hinzu kam der schleppende Ausbau der Windkraft in Deutschland. Zudem wird die Konkurrenz vor allem aus China immer stärker und wie schon am Solarmarkt drücken deshalb Überkapazitäten auf den Preis. Darunter leiden viele Produzenten von Windkraftanlagen, nicht nur Nordex. Der traditionsreiche Westerwälder Turbinenbauer Fuhrländer musste vor wenigen Wochen Insolvenz anmelden.
Nordex rechnet mit Neuaufträgen in Milliardenhöhe
InfografikDie wichtigsten Windparkprojekte vor Deutschlands KüstenOffshore-Windkraft ist ein zentrales Element der Energiewende. Unsere Infografik zeigt die wichtigsten Windparkprojekte in Nord- und Ostsee und wie es um sie steht.
Beim Auftragseingang habe sich Nordex dank neu entwickelter Anlagen schon vom Abwärtstrend in der Windbranche Branche lösen können. Demnach seien im vergangenen Jahr Bestellungen im Rekordvolumen von knapp 1,3 Milliarden Euro eingegangen, 94 Prozent davon stammten aus Europa und dem neuen Wachstumsmarkt Südafrika. Auch in diesem Jahr rechnet Nordex wieder mit Neuaufträgen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro. Durch die gut gefüllten Bücher sind bereits rund 80 Prozent des für 2013 angepeilten Umsatzes gesichert. Im vergangenen Jahr waren die Erlöse um gut 17 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro gestiegen.
Nordex konzentriert sich unter Vorstandschef Jürgen Zeschky schon seit gut einem Jahr wieder auf seine Kerngeschäfte. Er verschlankt das Unternehmen, spart kräftig und hat sich etwa von den teuren Offshore-Plänen verabschiedet. So will der Windkraftanlagenbauer in den kommenden Jahren deutlich profitabler werden und dabei seinen Umsatz weiter steigern. Mittelfristig peile das Unternehmen eine Marge vor Zinsen und Steuern von mindestens fünf Prozent an. Damit wäre die Rendite etwa doppelt so hoch wie Nordex sie für das laufende Jahr anstrebt.
2013 wieder Gewinn
Weitere Artikel
Windenergie: Erste Holz-Windkraftanlage der Welt eingeweiht
Windenergie: Versicherer scheuen Ausfallrisiken von Offshore-Anlagen
Windenergie: Wer dreht das größte Windrad
Nach den roten Zahlen im vergangenen Jahr plant Nordex für 2013 wieder mit einem Gewinn und strebt eine EBIT-Marge in Höhe von 2 bis 3 Prozent an. Beim prognostizierten Umsatz von 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro würde das ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 24 bis 39 Millionen Euro bedeuten. Unter dem Strich hatte der Konzern 2012 noch 94,4 Millionen Euro Verlust gemacht.
In den ersten Wochen des Jahres hat der Turbinenhersteller neue Aufträge im Volumen von 84 Megawatt für seine Anlage vom Typ N117/2400 erhalten. Diese Projekte gehen zum Großteil aus dem bedingten Auftragsbestand hervor, der allein in Deutschland zum Jahresende 2012 rund 300 Megawatt umfasste, und die jetzt durch Finanzierungszusagen final gesichert wurden. Dabei handelt es sich um insgesamt 35 Turbinen für zehn Windparks in Hessen, Bayern, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.