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Grimmen. Wo dürfen künftig noch Windräder gebaut werden? Das ist das große Thema im Regionalen Raumentwicklungsprogramm Vorpommerns. Dessen aktueller Entwurf wird derzeit zwecks Bürgerbeteiligung in Ämtern ausgelegt und steht auch im Internet (www.rpv-vorpommern.de).
Eines macht das XXL-Papier deutlich: Auch wenn es in der Region schon zahlreiche Windkraftanlagen gibt — es ist noch Platz für mehr. Eine der Gemeinden, die das betrifft, ist Süderholz.
Hier gibt es bereits 21 Windräder mit je 0,6 Megawatt Leistung (Rakow) und 17 Anlagen mit je 2,3 Megawatt (Dönnie, Groß Bisdorf).
Wenn es darum geht, dass noch weitere dazu kommen sollen, nennt Bürgermeister Alexander Benkert (39, CDU) einen Begriff: kommunale Teilhabe.
Das klingt erst mal abstrakt, hat aber einen finanziell handfesten Hintergrund. Im Entwurf fürs neue Raumentwicklungsprogramm steht eine wichtige Passage: „In diesen Eignungsgebieten ist die Errichtung von Windenergieanlagen nur zulässig, wenn derjenige, der eine Genehmigung für Windenergieanlagen beantragt, mindestens 20 Prozent der Eigentumsanteile an der Projektgesellschaft, die die Windenergieanlage errichtet, allen Personen zum Kauf anbietet, die im Umkreis von 4,5 Kilometern von der Windenergieanlage ihren Erstwohnsitz seit mindestens drei Monaten angemeldet haben.“ Mit anderen Worten: Mehr als bisher sollen diejenigen, die vor Ort wohnen, von den Windrädern profitieren.
Über diese Neuerung wolle man mit den Grundstückseigentümern reden, blickt Alexander Benkert voraus. Außerdem wird der Entwurf in den Fachgremien der Gemeindevertretung diskutiert.
Wo sind neue Flächen ausgewiesen? Erweitert würde das Rakower Gebiet (49 Hektar), eine zweite Fläche befindet sich zwischen Poggendorf und Schmietkow (52 Hektar). Außerdem wird eine 68 Hektar große Fläche am Pommerndreieck ausgewiesen. Plus die Erweiterung der Windeignungsfläche gleich hinter der südlichen Gemeindegrenze Richtung Düvier (19 Hektar). Macht zusammen eine Fläche von immerhin 188 Hektar aus.
Für den Bürgermeister ist das Thema Windkraft wie eine Medaille mit zwei Seiten. Auf der einen Seite profiliert sich Süderholz als Energiegemeinde — und kann dabei schon einiges an Anlagen für erneuerbare Energie vorweisen: Neben den 38 Windrädern sind das acht Biogas-Anlagen, unter anderem in Neuendorf und Bartmannshagen. Außerdem sind zahlreiche Solaranlagen installiert, mit einer Gesamtleistung von insgesamt zwei Megawatt.
Die Gemeinde wolle sich zu einer Mehrgenerationengemeinde entwickeln, sagt der Bürgermeister. Neben dem Um- und Ausbau der sozialen Infrastruktur ist dazu die Entwicklung der (Bio)Energiegemeinde Süderholz eine tragende Säule. Im Gespräch ist beispielsweise die Gründung der „Landwerke Süderholz“. Sie könnten die neuen Wind-Projekte mit gestalten.
Bei allem Trend zu erneuerbaren Energien wollen die Süderholzer aber, wie Alexander Benkert es ausdrückt, „aufpassen, dass wir uns nichts verbauen.“ Denn ländlicher Tourismus könnte auch für die Gemeinde ein Trend sein. Deshalb steht für den 39-Jährigen auch fest: Wenn die genannten neuen Eigungsgebiete mit Windkraftanlagen bestückt sind, „ist aber auch Schluss.“