... der Kurs von Alibaba so niedrig ist und weshalb man nicht einen Multiplikator für ein angemessenes KGV finden könnte, hat man nun die Instransparenz des Unternehmens ausgemacht:
http://finance.yahoo.com/video/alibabas-real-problem-211500683.html
Niemand weiß, wofür Alibaba sein Geld einsetzt und ob dieses Geld am Ende in irgendwelchen dunklen Kanälen verschwindet oder doch einen Mehrwert für die Aktionäre darstellt. Niemand könne das ordentlich bewerten, daher könne auch niemand einen angemessenen Marktwert für Alibaba berechnen...
Mich macht die Argumentation dieses sehr lauten Herren mit den unnatürlich weißen Zähnen doch etwas stutzig, vergleicht er doch tatsächlich die Margen von Amazon mit denen von Alibaba und fragt sich, wie Alibaba das eigentlich macht? Meine Antwort wäre, dass wenn er wüsste, worüber er redet, er diesen Vergleich gar nicht erst anstellen dürfte...
Desweiteren ist Alibaba nicht das einzige Technologieunternehmen, dass sich an anderen Unternehmen beteiligt und (noch) keinen konkreten ROI benennt bzw. benennen kann, weil diese Unternehmen sich zumeist noch in ihrer Start-Up-Phase befinden. Fragt man Facebook, was es mit seinen vielen kleinen und großen Investitionen heute schon verdient, so bekommt man hierüber auch keine genauen Aussagen. Das gilt auch für Unternehmen wie Google oder Apple, die das ebenso wenig angeben und nur einen entsprechenden (kummulierten) Bilanzposten ausweisen. Bei Alibaba ist das natürlich ein Problem und nicht nur das: Diese Grinsebacke behauptet ja sogar, dass das Geld innerhalb dieses Geflechts so hin und her geschoben wird, dass man als Investor den Überblick verliert und die Zahlen dadurch womöglich geschönt werden. Ich frage mich, ob irgendjemand auch nur einen blassen Schimmer Ahnung davon hat, wie die Geldströme innerhalb des Facebook-, Apple- oder Google-Konzerns fließen und warum man dort nicht von ebensolchen (wirren) Annahmen ausgeht? Dass in Sachen Alibaba und Alipay einiges ziemlich schief gelaufen ist, das dürfte wohl jedem klar sein. Allerdings waren diese Regelungen schon vor dem IPO getroffen worden und die eigentlich leidtragenden sind die Aktionäre von Yahoo! und SoftBank, die damals (schlecht vertreten vom jeweiligen Management) offenbar freiwillig auf eine entsprechend angemessene Vergütung verzichtet haben, und nicht die Aktionäre von Alibaba nach dem IPO! Dass eine Anspaltung von Alipay aus rechtlichen Gründen vorgenommen werden musste, steht ganz außer Frage, aber kann jetzt nicht Teil dieser Diskussion sein!
Fakt ist doch, dass in der Bilanz alle Posten aufgeführt sind. Nimmt man vom Cash-Bestand $4,3 Mrd. und investiert sie in dieses chinesische Retail-Unternehmen, dann werden diese Veränderungen auch in der Bilanz deutlich sichtbar zu erkennen sein. Wenn er sich die Mühe gemacht und die Quartalsergebnisse von Alibaba sowie die Investitionen, die Alibaba in der Vergangenheit getätigt hat, einfach einmal aufgeschrieben hätte, dann würde er diese Zahlen auch kummuliert in der Bilanz wiederfinden! Wenn ein Investment nicht funktioniert, dann wird es entsprechend abgeschrieben, auch so etwas kann man in einer Bilanz herauslesen. Was also ist das Problem dieses Herren, der offenbar einfach nicht seine Hausaufgaben macht und dann rotzfrech behauptet, dass es nicht seine Aufgabe wäre, die Zahlen des Unternehmens zu deuten. Wenn er das nicht kann, dann hat er schlichtweg seinen Beruf verfehlt!
Für einen anständigen amerikanischen Investor ist es nun einmal sehr viel einfacher verständlich und nachvollziehbar, wenn man (wie Amazon) jährlich Milliarden an sinnlosen Investitionen verbrennt (bzw. abschreibt), statt sich in Geduld zu üben, bis sich ein Investment so sehr lohnt, dass es auch in der Bilanz und in der Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens sichtbar wird. Alibaba ist zu keinem Moment verpflichtet, über den aktuellen Stand der Entwicklung seiner Investitionen Rechenschaft abzulegen, außer diese ordnungsgemäß (was die Zahlen angeht) in seinen Büchern zu führen. Ich habe im letzten Quartalsbericht einen außerordentlichen Milliardengewinn aus der Investitionstätigkeit bei Alibaba Pictures erkennen können (ca. $4 Mrd.), über den keiner dieser Analysten auch nur ein Wort verloren hat. Stattdessen wurden nur die operativen Ergebnisse berücksichtigt und kommentiert. Ich muss daher davon ausgehen, dass diese Leute entweder ihr Handwerk nicht verstehen, was ich eher nicht glaube, oder aber bewusst falsche oder unvollständige Informationen verbreiten, um Unsicherheit bei den kleinen Privatanlegern zu verbreiten, damit diese sich von ihren Beteiligungen zu den aktuellen Dumping-Preisen trennen. Wenn dann Alibaba in 3 Jahren bei $500 stehen und zudem massiv überbewertet sein wird, werden es exakt die gleichen "Nasen" sein, die zum Einstieg in den Wert raten werden, ebenfalls ohne Sinn und Verstand, sondern einfach nur, weil sie mit lauter Stimme und breitem Grinsen ihren gequirlten Mist zur besten Sendezeit bei CNBC oder Bloomberg zum Besten geben dürfen...
Mein Rat an: Seid nicht dumm und lasst Euch nicht veräppeln! Macht Euch Euer eigenes Bild, lernt Bilanzen und GuV zu lesen und zu deuten und betätigt Euch (wie Warren Buffet) als Value-Investoren. Womöglich muss man dann hier und da ein wenig warten, bis die Grinsebacken mit den lauten Stimmen und den strahlend weißen Zähnen das Feld räumen, aber wenn die Zahlen eines Unternehmens über einen längeren Zeitraum eine deutliche Sprache sprechen, wird Eure Beharrlichkeit und Eure Geduld sicherlich belohnt werden!