Wirtschaftsminister Müller ruft Arbeitnehmer zur Bescheidenheit auf
Für Bundeswirtschaftsminister Werner Müller steht fest: Deutschland ist weit entfernt von einer Rezession. Trotzdem warnt der Minister die Gewerkschaften vor zu hohen Forderungen - was diese gar nicht gern hören.
Müller (parteilos) sagte der "Bild"-Zeitung: "Das Gerede von einer Rezession ist Unsinn." Die Konjunktur durchlaufe zwar zurzeit eine Talsohle. Gegen Jahresende würden die Wachstumskräfte jedoch wieder deutlich anziehen. Die Chancen seien gut, das Wachstumsziel von zwei Prozent für 2001 zu erreichen.
Die derzeitige Wachstum liege so hoch wie im Schnitt der 90-er Jahre, sagte Müller, nämlich bei 1,4 Prozent. Damit bezog sich der Minister, wie ein Sprecher seines Ministeriums erläuterte, auf die Zuwachsrate im ersten Quartal 2001, nicht aber auf das erwartete Wachstum für das Gesamtjahr 2001.
Die Konjunkturaussichten für 2002 seien mit deutlich über zwei Prozent gut. Müller sagte, er gehe davon aus, dass die Teuerungsrate in der zweiten Jahreshälfte deutlich zurückgehen werde. Der Minister zeigte sich zudem optimistisch, dass die Zahl der Arbeitslosen wie von der Bundesregierung geplant im Herbst auf unter 3,5 Millionen sinkt. Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute und Experten hatten ihre Wachstumsprognosen für 2001 kürzlich auf Werte zwischen 1,3 und 1,7 Prozent gesenkt. Die Regierung erwartet ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent. Der aktuelle Zuwachs sei allerdings zu gering, sagte Müller. Deshalb müssten sich die Tarifparteien auf wachstumsorientierte, vernünftige Abschlüsse einigen.
Gewerkschaften wollen nicht bescheiden sein
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer wies Müllers Forderung zurück und sagte: "Ich hätte es lieber gesehen, wenn Herr Müller einmal die Unternehmen an ihrer Verantwortung gepackt hätte." "In der Zukunft wollen die Arbeitnehmer mehr Lohnsteigerungen sehen. Sie waren in der Vergangenheit immer bereit, Zugeständnisse zu machen, wenn gleichzeitig Beschäftigungsförderung vorangebracht werden kann - aber das geht nicht ohne Mithilfe der Unternehmen. Ich glaube nicht, dass die Arbeitnehmer bereit sind, hier noch einmal Vorleistungen zu erbringen. Und zur Wachstumsförderung gehört auch Nachfrage."
CDU fordert Beschleunigung der Steuerreform
CDU-Chefin Angela Merkel warf der Bundesregierung vor, mit ihrer Wirtschaftspolitik der "ruhigen Hand" die deutsche Wirtschaft zu lähmen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) taktiere die Konjunktur in den Keller, sagte die CDU-Bundesvorsitzende der Hannoverschen "Neuen Presse". Die CDU will am Montag ein Sofortprogramm zur Ankurbelung der Konjunktur verabschieden. Darin wird unter anderem gefordert, dass die nächsten Entlastungsschritte der Steuerreform vorgezogen werden. Die mittelständische Wirtschaft, die für Arbeitsplätze und Wachstum im wesentlichen zuständig sei, müsse schneller entlastet werden, sagte Merkel. Schröder hatte staatliche Sondermaßnahmen zur Konjunkturbelebung abgelehnt.
© 2001 Reuters
Für Bundeswirtschaftsminister Werner Müller steht fest: Deutschland ist weit entfernt von einer Rezession. Trotzdem warnt der Minister die Gewerkschaften vor zu hohen Forderungen - was diese gar nicht gern hören.
Müller (parteilos) sagte der "Bild"-Zeitung: "Das Gerede von einer Rezession ist Unsinn." Die Konjunktur durchlaufe zwar zurzeit eine Talsohle. Gegen Jahresende würden die Wachstumskräfte jedoch wieder deutlich anziehen. Die Chancen seien gut, das Wachstumsziel von zwei Prozent für 2001 zu erreichen.
Die derzeitige Wachstum liege so hoch wie im Schnitt der 90-er Jahre, sagte Müller, nämlich bei 1,4 Prozent. Damit bezog sich der Minister, wie ein Sprecher seines Ministeriums erläuterte, auf die Zuwachsrate im ersten Quartal 2001, nicht aber auf das erwartete Wachstum für das Gesamtjahr 2001.
Die Konjunkturaussichten für 2002 seien mit deutlich über zwei Prozent gut. Müller sagte, er gehe davon aus, dass die Teuerungsrate in der zweiten Jahreshälfte deutlich zurückgehen werde. Der Minister zeigte sich zudem optimistisch, dass die Zahl der Arbeitslosen wie von der Bundesregierung geplant im Herbst auf unter 3,5 Millionen sinkt. Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute und Experten hatten ihre Wachstumsprognosen für 2001 kürzlich auf Werte zwischen 1,3 und 1,7 Prozent gesenkt. Die Regierung erwartet ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent. Der aktuelle Zuwachs sei allerdings zu gering, sagte Müller. Deshalb müssten sich die Tarifparteien auf wachstumsorientierte, vernünftige Abschlüsse einigen.
Gewerkschaften wollen nicht bescheiden sein
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer wies Müllers Forderung zurück und sagte: "Ich hätte es lieber gesehen, wenn Herr Müller einmal die Unternehmen an ihrer Verantwortung gepackt hätte." "In der Zukunft wollen die Arbeitnehmer mehr Lohnsteigerungen sehen. Sie waren in der Vergangenheit immer bereit, Zugeständnisse zu machen, wenn gleichzeitig Beschäftigungsförderung vorangebracht werden kann - aber das geht nicht ohne Mithilfe der Unternehmen. Ich glaube nicht, dass die Arbeitnehmer bereit sind, hier noch einmal Vorleistungen zu erbringen. Und zur Wachstumsförderung gehört auch Nachfrage."
CDU fordert Beschleunigung der Steuerreform
CDU-Chefin Angela Merkel warf der Bundesregierung vor, mit ihrer Wirtschaftspolitik der "ruhigen Hand" die deutsche Wirtschaft zu lähmen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) taktiere die Konjunktur in den Keller, sagte die CDU-Bundesvorsitzende der Hannoverschen "Neuen Presse". Die CDU will am Montag ein Sofortprogramm zur Ankurbelung der Konjunktur verabschieden. Darin wird unter anderem gefordert, dass die nächsten Entlastungsschritte der Steuerreform vorgezogen werden. Die mittelständische Wirtschaft, die für Arbeitsplätze und Wachstum im wesentlichen zuständig sei, müsse schneller entlastet werden, sagte Merkel. Schröder hatte staatliche Sondermaßnahmen zur Konjunkturbelebung abgelehnt.
© 2001 Reuters